Rentier

Grösste Rentierherde dramatisch verkleinert

  • Stefanie Pfefferli
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Die weltweit grösste Rentierherde im Osten Kanadas hat sich dramatisch verkleinert. Lokale indigene Gemeinden glauben, dass grosse Industrieprojekte in der Region daran Schuld tragen. Die George River-Herde zählte einst zwischen 800.000 und 900.000 Tiere, und ist nun auf 74.000 Tiere geschrumpft. Dies ist ein Rückgang von bis zu 92%.

Die Herde weidet in der Tundra von Québec und Labrador. In den letzten Jahrzehnten ist jedoch ein Grossteil ihres Weidelands von einer Reihe grosser Industrieprojekte zerteilt worden. Der Abbau von Eisenerz, die Überflutung grosser Gebiete für die Erzeugung von Wasserkraft und der Bau von Strassen haben ihren Preis gefordert, sagen die Innu. Rentiere sind ein zentraler Bestandteil der Kultur der lokalen Cree und Innu-Indigenen und sind in Nordamerika auch als Karibu bekannt. Innu-Ältester und Anführer Georges-Ernest Gregoire sagte gegenüber Survival International: „Das Karibu ist sehr bedeutend für unsere Kultur, unseren Glauben und unsere Gesellschaft als Jäger. Es lebt seit Tausenden von Jahren auf unserem Heimatland Nitassinan.“

„Aber all die gewaltigen industriellen „Entwicklungsprojekte“, die unserem Land in den letzten 40 Jahren aufgezwungen wurden, haben zusammen ohne Zweifel Auswirkungen auf die Grösse der Karibu-Herde. Deshalb brauchen wir effektive Kontrolle über unser Gebiet und dessen Rohstoffe. Und deshalb müssen wir auch als gleichwertige Partner an Entscheidungen beteiligt werden, die unser Land und die dortigen Tiere beeinflussen.“

Alex Andrew, ein weiterer Innu, sagte: „Unsere Ältesten sagen, dass die Tiere als Erste die Folgen all dieser Schäden spüren werden. Der Kreislauf der Nahrungskette wird unterbrochen und viele werden am Ende leiden.“

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Bild: Per Harald Olsen (Wikimedia Commons)

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