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Grosser Handlungs- und Forschungsbedarf

  • Monika Jung
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scnat2Die Biodiversität ist trotz beachtlicher Anstrengungen noch immer rückläufig – auf globaler Ebene und auch in der Schweiz. Die internationale Gemeinschaft hat diese Herausforderung angenommen und beschloss an der Konferenz der Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention im japanischen Nagoya konkrete Ziele und Massnahmen.

Handlungs- und Forschungsbedarf sind auch in der Schweiz sehr gross, dies zeigen die Ergebnisse der nationalen Konferenz «Zukunft Biodiversität Schweiz» vom 8./9. November in Villars-sur-Glâne bei Freiburg, an der rund 300 Fachleute aus Wissenschaft, Verwaltung, Praxis und Politik teilgenommen haben. Organisiert wurde die Tagung vom Forum Biodiversität Schweiz der Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT). In zahlreichen Fachvorträgen und vertiefenden Diskussionsrunden wurden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu Bedeutung, Zustand und Trends der Biodiversität vorgestellt und Lösungsansätze diskutiert. Dr. Thibault Lachat vom Forum Biodiversität Schweiz wies auf die grossen Biodiversitäts­verluste in der Schweiz seit 1900 hin. «Ein allgemeiner Aufwärtstrend beziehungsweise eine echte Trendwende ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht möglich», betonte er. Die nationale Biodiversitätsstrategie, die das Bundesamt für Umwelt BAFU zurzeit im Auftrag des Parlaments erarbeitet, bietet die Chance zur Trendumkehr. Bedingung hierzu ist allerdings, dass alle Gesellschafts- und Politikbereiche ihre Verantwortung für die Erhaltung, Förderung und nachhaltige Nutzung der Biodiversität wahrnehmen.

Die Teilnehmer/innen verabschiedeten am Schluss der Tagung eine gemeinsame Deklaration mit 11 Empfehlungen. So raten sie zu einer ökologischen Infrastruktur, die aus genügend grossen und langfristig gesicherten Biodiversitätsvorranggebieten und optimal angeordneten Korridoren und Vernetzungselementen besteht. Noch bestehende wertvolle Lebensräume sind vollumfänglich zu erhalten, wo nötig durch Aufwertungen qualitativ zu verbessern, durch Renaturierungen zu ergänzen und untereinander besser zu vernetzen. Die Schweiz muss zudem ihre Verantwortung für die globale Biodiversität besser wahrnehmen. Die Synergien zwischen dem Schutz der Biodiversität und dem Klima-, Hochwasser-, Boden- und Trinkwasserschutz sind besser auszunutzen. Für die Biodiversität braucht es beim Bund, bei den Kantonen und Gemeinden sowie in der Privatwirtschaft genügend personelle und finanzielle Ressourcen. Damit die Empfehlungen der Deklaration in die nationale Biodiversitätsstrategie einfliessen, werden sie demnächst an Bundesrätin Doris Leuthard und den Mitgliedern des National- und Ständerats übergeben.

Die zweitägige Veranstaltung ist eines der letzten grossen Ereignisse zum Internationalen Jahr der Biodiversität 2010. Am Schluss der Tagung erfolgte deshalb die «Stabsübergabe» ins Internationale Jahr der Wälder 2011. Die Organisatoren überreichten hierzu den Präsidenten des Schweizerischen Forstvereins, des Waldwirtschaftsverbandes und der Kantonsoberförsterkonferenz als symbolisches Geschenk einen Zunderschwamm, damit die für den Wald zuständigen Akteure das Feuer für die Biodiversität ins nächste Jahr mitnehmen.

Forum Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT)

Internationales Jahr der Biodiversität 2010

Bild: Ekkehard Wachamann

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