Bild: Fledermausschutz Schweiz
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Grosser Abendsegler – Fledermaus des Monats Februar

  • Monika Jung
  • 3

Trotz Internationalem Jahr des Waldes und Jahr der Fledermaus läuft die Holzernte im Wald intensiver denn je. Werden Bäume mit Spechthöhlen gefällt, haben die winterschlafenden Fledermäuse keine Überlebenschance. Sie können nicht rechtzeitig aufwachen und bei Minustemperaturen misslingt das Wegfliegen sowieso. Unter den Waldfledermausarten ist der Grosse Abendsegler Hauptleidtragender. Das müsste nicht sein, wenn die Forstwirtschaft wieder vermehrt alte und abgestorbene Bäume im Wald belassen würde. In einer einzigen Spechthöhle überwintern oft dichtgedrängt mehrere Dutzend Abendsegler. Doch da, wo Baumhöhlenmangel herrscht, müssen sie ausweichen und gehen erneut ein grosses Risiko ein. Sie wählen immer wieder Rollladenkästen von Schul- und Wohnhäusern als Ersatzschlafplatz.

Im Sommer leben fast ausschliesslich Männchen des Grossen Abendseglers in der Schweiz und die Weibchen ziehen ihr Junges mehrheitlich in Nordosteuropa auf (Baltikum, Polen, Weissrussland, Ostdeutschland). Zu Tausenden ziehen sie dann im Herbst zum Überwintern südwestwärts, auch in die Schweiz. Männchen und Weibchen überwintern in gemischten Gruppen hauptsächlich in Baumhöhlen. Die Wintereinstandsgebiete im Südwesten ermöglichen den Tieren einen Winterschlaf in Gebieten, in denen sie signifikant weniger Frostnächte zu überdauern haben, als sie das in ihren Geburtsregionen müssten. Abendsegler sind oft „Nachmieter“ in Spechthöhlen, denn sie können selber keine Baumstämme aushöhlen. Sie sind also abhängig vom Vorkommen verschiedener Spechtarten und diese ihrerseits von einem reichlichen Angebot an stehendem Alt- und Totholz. Bevorzugte Wälder sind Laubwälder mit guter Durchmischung was die Artenzusammensetzung und die Altersstruktur anbelangt.

Bei der heute oft im Akkord ausgeführten, intensiven Holznutzung mit Vollerntern werden hohle Bäume unter Zeitdruck oft „übersehen“ oder durch grobe Maschinenmanipulationen umgerissen. Hatte man früher Bäume mit Höhlen auch mal stehen lassen, weil diese sowieso minderwertiges Bauholz geliefert hätten, so
ist heute für die Produktion von Holzschnitzeln jede Holzqualität verwertbar, was den Druck auf Altholz noch erhöht. Leidtragende sind die Waldfledermäuse. Von den 30 einheimischen Arten nutzt gut die Hälfte auch Baumhöhlen im Wald als Versteck.

Der Grosse Abendsegler ist eine der grössten und am schnellsten fliegenden und im Sommerhalbjahr eine der am häufigsten beobachteten Fledermausarten, denn er fliegt kurz nach Sonnenuntergang aus. Wegen seiner schmalen Flügel, und weil er hoch am Himmel, oft über Baumwipfelhöhe fliegt, wird er auch gerne mit Schwalben Mauerseglern verwechselt. Jetzt im Februar können bei sonnigem Wetter und entsprechend milder Witterung einzelne Abendsegler sogar am helllichten Tag herumfliegend beobachtet werden. Sie suchen nach den ersten bereits aktiven Insekten oder trinken im Tiefflug von Wasseroberflächen (Flüsse, Seen, Weiher), ähnlich wie es Schwalben tun.

Aga - Trigon Film

3 Kommentare

  • Kirsten Giese

    Hallo,

    ich würde Ihr Foto vom Abendsegler in der Baumhöhle gerne für eine Infotafel zum Thema Baumhöhlen nutzen. Die Tafel wird auf einem Rundweg im Tangstedter Forst bei Norderstedt aufgestellt. Könnten Sie mir die Originaldatei zur Verfügung stellen?

    Viele Grüße von
    Kirsten Giese

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  • L. Bill

    Zweifelsfrei wurde über Jahrzehnte total übertriebene Waldhygiene betrieben. Abgestorbene Bäume wurden als schädlich und hässlich angesehen… und entfernt. Die Forstbetriebe lassen heute wieder vermehrt Totholz stehen. Man hat erkannt wie wichtig dieses für das Ökosystem Wald ist. Zudem bietet es Lebensraum für natürliche Gegenspieler der Borkenkäfer, wie z. Bsp. den Spechten, was also auch für den Forstbetrieb von Vorteil ist.
    Und ja, auch trotz dem internationalen Jahr des Waldes wie zur Zeit im Wald auf Hochtouren Holz geerntet. Der Winter ist einfach die beste Zeit für diese Arbeiten, da der Wald am wenigsten Schaden nimmt.

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