Schweizer Energiekonzerne setzten immer noch auf Dreckstrom. | © Adrian Krucker, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
Schweizer Energiekonzerne setzten immer noch auf Dreckstrom. | © Adrian Krucker, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr

Grosse Schweizer Energiekonzerne hinken Energiewende hinterher

  • Julia Hatzl
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Mit der Energiestrategie 2050 macht sich die Schweiz in Richtung Energiewende auf. Bei den vier grössten Schweizer Energiekonzernen wird jedoch nur knapp ein Drittel ihrer Produktion erneuerbar hergestellt.

Axpo, Alpiq, BKW und Repower, die vier grössten Schweizer Energiekonzerne, sind im Hinblick auf die Energiewende noch wenig fortgeschritten. Nur knapp ein Drittel ihrer Produktion ist erneuerbar. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES hat den Strommix der Konzerne analysiert und fordert die Konzerne auf, stärker auf neue erneuerbare Energien zu setzen, wie sie in einer Mitteilung bekanntgibt.

Hoher Anteil von schmutzigem Strom

Die vier grössten Schweizer Stromproduzenten setzen weiterhin auf schmutzige Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke. Neue erneuerbare Kraftwerke sind in den Kraftwerkportfolios nach wie vor wenige zu finden. So haben die vier Betreiber beispielsweise letztes Jahr zusammen nur gerade einen Anteil von 3.6% Windstrom produziert. Zum Vergleich: Die Axpo alleine hat im selben Zeitraum dreimal so viel Strom aus Erdgas erzeugt.

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Trend treibt Klimawandel an

Die CO2-Emissionen pro Kilowattstunde sind bei Alpiq, Axpo und BKW im Vergleich zum vorherigen Jahr erneut angestiegen, ihr Strommix ist insgesamt noch fossiler geworden. Kohle- und Gaskraftwerke in Europa treiben nicht nur den Klimawandel an, sie tragen auch stark zum Stromüberschuss bei und halten so die Preise an der Strombörse tief. Darunter leidet wiederum die Rentabilität der einheimischen Wasserkraftwerke.

Alpiq ist bei den CO2-Emission mit 282 g pro Kilowattstunde nach wie vor einsame Spitze im Sündenregister der SES. Ein Fünftel ihrer Produktion stammt aus europäischen Gaskraftwerken. Auf Rang zwei folgt Repower. Die Axpo schneidet im Anteil pro Kilowattstunde zwar besser ab, produziert jedoch mengenmässig am meisten Strom aus fossilem Erdgas.

Atommüll: Leichter Rückgang wegen Stillständen

Obwohl die alten Schweizer AKW keinen Profit mehr abwerfen, klammern sich die Konzerne an ihre einstigen Goldesel. So fällt tagtäglich mehr gefährlich strahlender Müll an, ohne dass eine Lösung für dessen Entsorgung in Sicht wäre. Obwohl das Atomkraftwerk Beznau I seit rund 1’000 Tagen stillsteht und auch das Atomkraftwerk Leibstadt wiederholt aufgrund von Problemen bei den Brennstäben abgeschaltet werden musste, ist der Anteil an radioaktiv belastender Stromproduktion weiterhin hoch. Die Axpo hat 2016 pro Kilowattstunde 29 Gramm radioaktiven Abfall in die Welt gesetzt. Auch die BKW produzierte im vergangenen Jahr 26 Gramm pro Kilowattstunde.

Axpo und Alpiq belasten die Umwelt am stärksten

Eine umfassendere Bewertung der Umweltschädlichkeit bietet eine Berechnung der Umweltbelastungspunkte (UBP), die neben Klimagasen und dem radioaktiven Abfall auch Aspekte wie den Ressourcenverbrauch oder die Landnutzung betrachten. Auch dieses Jahr schneidet die Axpo in diesem Bewertungssystem am schlechtesten ab.

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Klimaschutz predigen und Kohlekraftwerke bauen

Die Energiewende ist in vollem Gange, doch die grossen Schweizer Firmen agieren als Bremsklötze. Axpo und Alpiq schlagen der Schweizer Politik unter dem Deckmantel Klimaschutz Strommarktmodelle vor, die Atom- oder Gaskraftwerke begünstigen. SES-Projektleiter Felix Nipkow kritisiert:

«Gleichzeitig im Ausland fossile Kohle- und Gaskraftwerke zu betreiben, ist scheinheilig.»

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