Grimselentscheid setzt falsches Signal

  • Benjamin Kämpfen
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Mit der Erteilung der Konzession für eine höhere Grimselsee-Staumauer am 5. September 2012 foutiert sich der Berner Grosse Rat um die wertvollen Moorlandschaften in der Schweiz, die dank der Rothenthurm-Initiative seit 1987 in der ganzen Schweiz geschützt sind. Und dies für ein Stausee-Projekt, das keinen zusätzlichen Strom produziert. Mehrere Umweltverbände, unter anderem Pro Natura, WWF Schweiz und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz kritisieren in einer Mitteilung den Entscheid, der ein energiepolitisch falsches Signal setze.

Der Berner Grosse Rat hat die Konzession für eine Staumauer-Erhöhung am Grimselsee am Mittwoch erteilt. Er wies damit gleichzeitig die Einsprache der Umweltverbände Pro Natura, WWF Schweiz, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Schweizerische Greina-Stiftung, Aqua Viva, Rheinaubund, Schweizerische Energie-Stiftung, Greenpeace und Grimselverein gegen das umstrittene Projekt ab. «Die Mehrheit des Berner Grossen Rates ist taub für den Schutz der wertvollsten Landschaften. Das ist enttäuschend und bedauerlich», sagt Peter Anderegg, Präsident des Grimselvereins. Für Otto Sieber von Pro Natura ist denn auch klar: «Die geplante höhere Grimselmauer setzt für den Natur- und Landschaftsschutz in der Schweiz ein fatales Signal. Die Staumauererhöhung ist juristisch so fragwürdig, dass wir gezwungen sind, den Konzessionsentscheid gerichtlich überprüfen zu lassen.» Erst kürzlich hat das Bundesgericht im Fall der Zürcher Oberlandautobahn den Moorschutz klar gestützt (naturschutz.ch berichtete). Dieser Entscheid von höchster Instanz scheint in Bern ungehört verhallt zu sein. Sieber unterstreicht zudem: «Es geht im Fall Grimsel um mehr als die Moorlandschaft im Grimsel-Gebiet. Kann die umstrittene Mauer-Erhöhung gebaut werden, drohen schweizweit die letzten Moore und Moorlandschaften durch Skilift-, Strassen- oder Wasserkraftprojekte gefährdet zu werden.»

Energiewende ist nicht gefährdet 

Die Energiewende braucht keinen grösseren Grimselsee. Mit der rechtlich fragwürdigen Staumauer-Erhöhung würde künftig kein zusätzlicher Strom produziert. Die angestrebte Verlagerung der Produktion vom Sommer in den Winter beträfe nur einen kleinen Bruchteil des Jahresstromverbrauchs der Schweiz. Entscheidender für die Energiewende sind konsequente Effizienzmassnahmen wie beispielweise der Ersatz von Elektrospeicherheizungen, wie es das neue Berner Energiegesetz schon vorsieht. «Allein mit dem Ersatz von nur vier Prozent der Elektroheizungen in der Schweiz kann die gesamte Menge Energie eingespart werden, die mit der Staumauer-Erhöhung vom Sommer in den Winter umgelagert werden soll», gibt Jörg Rüetschi, Geschäftsführer WWF Bern, zu bedenken. Die Umweltverbände setzen auf eine Energiewende hin zu einer ökologisch verträglichen Energieproduktion, die Rücksicht nimmt auf die Natur.

Pro Natura

Bild: Roland Zumbühl [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

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