Goldgelbe Vergilbung auf Gamay, eingerollte Blätter, teilweise bis vollständig verfärbte Blätter | © S. Schaerer, Agroscope
Goldgelbe Vergilbung auf Gamay, eingerollte Blätter, teilweise bis vollständig verfärbte Blätter | © S. Schaerer, Agroscope

Goldgelbe Vergilbung bahnt sich Weg in den Norden

  • Judith Schärer
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Mehr als 10 Jahre konnte die Goldgelbe Vergilbung vom Gebiet nördlich der Alpen ferngehalten werden. Nun ist es jedoch so weit: Die Pflanzenkrankheit hat nun auch Rebberge im Norden erreicht. Jetzt sind Massnahmen zur Bekämpfung gefragt.

Ende Oktober wurden in den Waadtländer Gemeinden Blonay und La Tour de Peilz zwei Krankheitsherde der Goldgelben Vergilbung entdeckt, wie Agroscope berichtet. Molekulare Analysen des Labors für Phytoplasmologie von Agroscope in Changins ergaben das gleiche Ergebnis wie die Feldbeobachtungen und bestätigen die Präsenz der Krankheit. Die beiden Parzellen sind stark befallenen und es sind Rebstöcke der Sorten Gamay, Garanoir, Gamaret, Mara und Pinot Noir unterschiedlichen Alters betroffen.

Es ist das erste Mal, dass die Goldgelbe Vergilbung in der Schweiz nördlich der Alpen auftritt. Bisher kam die Krankheit nur im Kanton Tessin vor, wo sie seit 2004 nachgewiesen ist. Die Goldgelbe Vergilbung ist die wichtigste und die am meisten gefürchtete Vergilbungskrankheit. Aufgrund ihrer sehr raschen Ausbreitung in und zwischen den Rebbergen ist sie eine Quarantänekrankheit, deren Auftreten unverzüglich gemeldet werden muss und deren Bekämpfung obligatorisch ist. Die Symptome zeigen sich in Form von verfärbten, nach unten eingerollten Blättern, Austrocknung der Traubenstiele und/oder Welken der Traube.

Gefürchtete Zikade

Die Zikade Scaphoideus titanus ist der Überträger der Krankheit und bringt diese von einem Rebstock zum anderen. Im Kanton Genf wurde die Zikade erstmals im Jahr 1995 am linken Ufer des Genfersees beobachtet und sie kolonisierte danach schrittweise die zahlreichen Rebberge der Kantone rund um den Genfersee (GE, VD, VS). Die jährliche Überwachung der Ausbreitung des Insektes durch Agroscope hat gezeigt, dass sich die Zikade gut an unsere klimatischen Bedingungen angepasst hat. Bisher war sie noch nicht Träger des Phyptoplasmas, aber man musste davon ausgehen, dass dieses „Damoklesschwert“ des Weinbaus irgendwann auch nördlich der Alpen auftreten würde. Die von den Behörden ergriffenen Präventionsmassnahmen erlaubten es, das Auftreten der Krankheit mehr als 10 Jahre hinauszuzögern.

Keine kurative Bekämpfung verfügbar

Der Kanton Waadt, das BLW (Bundesamt für Landwirtschaft) und Agroscope arbeiten intensiv zusammen, um die Krankheit in unseren Rebbergen auszurotten. Es sei daran erinnert, dass keine kurative Behandlung gegen die Goldgelbe Vergilbung existiert. Bekämpft werden kann die Krankheit nur durch indirekte Methoden wie das Ausreissen und die Vernichtung von kranken Rebstöcken, die Bekämpfung des Überträgers in den befallenen Regionen oder die Heisswasserbehandlung von Stecklingen durch die Rebschulisten, um gesunde Jungreben zu produzieren.

Weitere Informationen zur Goldgelben Vergilbung finden Sie hier >>

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