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Glücksbringer suchen ihr Winterquartier

  • Judith Schärer
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Marienkäfer sorgen jetzt im Herbst an vielen Orten für Verwunderung. Auf der Suche nach geeigneten Winterquartieren sitzen sie gruppenweise und teils sogar in großen Schwärmen auf Balkongeländern, Hauswänden und Pflanzen. Sie nutzen die letzten warmen Herbsttage um Fett und Glykogen in ihren Körpern anzusammeln, wovon sie  während der Winterzeit zehren.

Manche Marienkäferarten wandern im Winter vom Wind getragen in wärmere Gefilde ab. Wenn wir jetzt große Käfergruppen entdecken und diese am nächsten Tag verschwunden sind, dann haben sie sich wohl auf den Weg gen Süden gemacht. Andere bleiben während der kalten Jahreszeit bei uns im Land und suchen sich einen geeigneten Platz für ihre Überwinterung. Die Käfer haben in ihrem Körper eine Flüssigkeit, die dafür sorgt, dass sie auch bei Frost nicht zerplatzen, ein eingebautes Frostschutzmittel sozusagen. So können sie Temperaturen bis zu minus 15 Grad Celsius aushalten. Vor der Winterstarre tun sich die Einzelgänger zu grösseren Gruppen zusammen und machen es sich in Hohlräumen gemütlich, etwa in Mauerritzen oder Dachsparren, unter Steinen, Rinde oder Laub, im Moos oder im Gras. Manchmal suchen sie sich aber auch den Raum zwischen Doppel­fenstern, im Fensterrahmen oder den Balkon aus. Dadurch können die gepunkteten Käfer auch einmal im Wohnzimmer oder in der Küche auftauchen.

Auch dieses Jahr dürfte man vermehrt einen solchen Gast in der Wohnung entdecken. 2015 zeigt sich nämlich als gutes Marienkäferjahr. Anlass, einmal Umschau zu halten und die erstaunliche Artenvielfalt der roten, schwarzen und gelben Marienkäferverwandtschaft zu bewundern. Denn Marienkäfer ist nicht einfach Marienkäfer. Coccinella septempunctata, so der lateinische Name des Siebenpunkt-Marienkäfers, ist mit über 70 Arten in Europa verbreitet.

Gefährlich sind sie keinesfalls und gewöhnlich fliegen sie während des Winters auch nicht in der Wohnung herum, wenn sie sich diese zum Überwintern ausgesucht haben. Einige sterben normalerweise, die anderen verschwinden im Frühling wieder. In grösseren Schwärmen können Käfer, welche in der Wohnung gelandet sind aber trotzdem zu einer regelrechten Plage werden. Was tun dagegen? Wer einen oder mehrere Marienkäfer auf der Fensterbank, im Fensterrahmen oder in der Wohnung entdeckt, kann die Tiere vorsichtig von Hand zusammensammeln.  Größere Ansammlungen der Insekten lassen sich einfacher mit dem Staubsauger einfangen – ohne sie zu verletzen. Dazu stülpt man den Bund einer Socke über das Staubsaugerrohr und schiebt den Rest des Strumpfs locker in die Rohröffnung. So bildet sich eine Auffangmulde, in die man die Käfer auf niedrigster Stufe einsaugen kann. Die gesammelten Käfer setzt man dann an einer geeigneten Stelle aus – zum Beispiel unter einem Laubhaufen, an einer Mauer oder an der Hauswand. Hier bleiben sie dann, in der Kälte erstarrt, bis die Frühlingssonnenstrahlen sie wecken.

Im Frühjahr krabbeln die kleinen, hilfreichen Nützlinge wieder los und machen sich auf Suche nach Nahrung und einem Gefährten, um sich fortzupflanzen. Dank dem Überwintern in Gruppen können sie im Frühjahr ohne langes Suchen einen Partner finden, was Kraft und Energie spart. Ihre Nahrungssuche können auch wir Menschen uns zu Nutze machen, Marienkäfer nehmen nämlich sämtliche Blattlausarten als Nahrung an und sind somit ein hilfreicher Nützling in Garten und auf dem Balkon. In diesem Sinne: Guten Schlaf und bis im Frühling, Marienkäfer!

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