Fledermaus

Glatte Metallplatten täuschen Fledermäuse

  • Monika Jung
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Fledermäuse interpretieren glatte, horizontale Flächen als Wasser und versuchen von diesen zu trinken, auch wenn es sich um Metall oder Plastik handelt.

Glatte Flächen reflektieren die Ultraschalllaute der Fledermäuse und wirken wie ein Spiegel, schreibt der Informationsdienst Wissenschaft. Diese Eigenschaft stellt für Fledermäuse ein gutes Erkennungsmerkmal für Wasser dar, denn in der Natur gibt es keine anderen ausgedehnten, glatten Flächen.

Wissenschaftler/innen vom Max-Planck-Institut für Ornithologie haben in einer Studie Wasserflächen simuliert und den Fledermäusen in einem großen Flugraum je eine glatte und eine strukturierte Platte aus Metall, Holz oder Plastik angeboten. Alle der 15 untersuchten Fledermausarten versuchten, von den Platten zu trinken. „Die Langflügelfledermaus hat beispielsweise in zehn Minuten bis zu 100 Mal versucht, von der glatten Fläche zu trinken“, sagt Stefan Greif vom Max-Planck-Institut für Ornithologie.

Die Forscher/innen haben auch festgestellt, dass die akustische Wahrnehmung von Wasser angeboren ist. Wasser ist für alle Fledermäuse wichtig, um zu trinken. Ebenso gehen viele Arten an Flüssen oder Teichen auf Beutefang. Zur Verblüffung der Wissenschaftler/innen lernen die Tiere nicht, dass es sich nicht bei allen akustischen Spiegel um Wasser handelt. Doch wie werden widersprüchlichen Sinneseindrücke verarbeitet? Eine Metallplatte sieht ja nur in der Welt der Echoortung wie eine Wasserfläche aus, andere Sinnessysteme wie Sehsinn, Geruchsinn und Tastsinn vermitteln der Fledermaus ganz klar andere Informationen. „Die Fledermäuse scheinen die Sinnesinformationen zu verrechnen und gegeneinander abzuwägen, wobei die Echoortung alle anderen dominiert“, erklärt Stefan Greif.

Es stellt sich nun die Frage, was mit den Fledermäusen an all den menschgemachten glatten Flächen wie Dachfenster oder Autodächer geschieht, versuchen sie von diesen Flächen bis zur Entkräftung zu trinken? Diese Frage ist noch nicht beantwortet. Stefan Greif vermutet, dass die Fledermäuse draußen andere Möglichkeiten haben. Sie sind sehr ortstreu und haben ihre etablierten Wasserflächen. Künftige Studien sind aber nötig, um das Vorkommen, das Ausmaß und die potenzielle ökologische Konsequenz eines solchen Szenarios abzuschätzen.

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Bild: Dietmar Nill

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