Zwei von drei der kleineren Gewässer sind durch Chemikalien aus der Landwirtschaft beeinträchtigt. © Mara Tr., [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
Zwei von drei der kleineren Gewässer sind durch Chemikalien aus der Landwirtschaft beeinträchtigt. © Mara Tr., [CC-BY-SA-2.0], via Flickr

Giftcocktail in Gewässer: Bauern halten Sicherheitsabstand nicht ein

  • Cécile Villiger
  • 4

Eine Untersuchung des WWF im St. Galler Rheintal zeigt: An 43 Prozent der untersuchten Ackerflächen ist der Sicherheitsabstand für Pestizide und Dünger zu Flüssen und Bächen zu klein. Darunter leiden die bereits übermässig belasteten Schweizer Gewässer.

Im Sommer und Herbst 2015 hat der WWF die Sicherheitsabstände (sogenannte Pufferstreifen) von 121 Äckern im St.Galler Rheintal zwischen Au und Sevelen systematisch untersucht. Die Resultate der Untersuchung sind erschütternd: In 43 Prozent der Fälle waren die gesetzlich festgelegten Abstände von Ackerflächen zu den Gewässern zu schmal. 11 Prozent wurden als schwere Verstösse klassiert, 14% als mittlere und 18% als leichte. Gemäss den Richtlinien zur Reduktion von Direktzahlungen müssten für diese Verstösse Bussen in der Höhe von 100’000 Franken verfügt werden. Das Problem gilt bei den Behörden jedoch offensichtlich als verzeihbares Kavaliersdelikt und wird kaum geahndet.

Durch Pufferstreifen entlang von Gewässern sollten unerwünschte Pestizid- und Düngeeinträge ins Gewässer reduziert werden. «Dieser Schutz ist dringend nötig, denn Studien zeigen, dass schätzungsweise 2/3 der kleinen Gewässer durch Gifte aus der Landwirtschaft stark geschädigt sind» sagt Christopher Bonzi, Leiter Wasserprogramm des WWF Schweiz. In einer breit angelegten Studie der EAWAG wurden letztes Jahr über 100 Pestizide in den Schweizer Gewässern gefunden. In den Proben wurde ein Giftcocktail von im Schnitt rund 40 verschiedenen Pestiziden festgestellt.«Der intensive Einsatz von Dünger und Pestiziden in der Landwirtschaft gefährdet die Natur, die Wasserqualität und unser Trinkwasser» so Bonzi weiter.

Die Pufferstreifen dienen aber auch der Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum und Verbreitungskorridor. Durch das Spritzen und Düngen innerhalb dieser Pufferstreifen sind also nicht nur im Wasser lebenden Organismen wie Gewässerinsekten und Fische betroffen. Auch Organismen wie Amphibien oder Laufkäfer, welche sich zum Beispiel von Pestizid-belasteten Gewässerinsekten ernähren, werden durch missbräuchliche Bewirtschaftungsmethoden beeinträchtigt oder getötet.

Weiter bestehen Hinweise, dass auch im Rest der Schweiz die Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden. «Bei landwirtschaftlichen Direktzahlungen in der Grössenordnung von 2.8 Milliarden ist eine solche Situation an unseren Gewässern nicht weiter tragbar» sagt Christopher Bonzi. «Die Pestizidfrachten im Wasser sind letztlich auch ein Knieschuss für das Image der Landwirtschaft». Der WWF fordert deshalb eine gewässerfreundlichere Gesetzgebung, die strikte Einhaltung derselben und die kompromisslose Bestrafung fehlbarer Landwirte.

Aga - Trigon Film

4 Kommentare

  • Arno Gross

    An gesetzlichen Bestimmung fehlt es nicht, obwohl diese zum Teil ungenügend sind, wie auch die möglichen Bussen bei Verstössen. Weil die Behörden in der Regel aber erst reagieren, wenn 1000 tote Fische im Bach treiben, muss man vor allem gegen die Untätigkeit der Behörden angehen. Wer soll das machen? Es braucht dazu ein Netzwerk von Freiwilligen (z.B. „Aktion für sauberes Wasser“), welche Verstösse feststellt, diese dokumentiert und dann Anzeige erstattet. Anschliessend muss man aufsässig dran bleiben, dass die Angelegenheit nicht in einer Schublade verschwindet, indem man gegebenenfalls in einem nächsten Schritt an die vorgesetzte Behörde gelangt . . . usw.
    Ich habe etwas Vergleichbares vor einem Jahr im Kanton Zürich als Einzelperson ausprobiert, und nach einigem Mailwechsel mit einem guten Dutzend Fotos nach ein paar Monaten erreicht, dass zwei ungedeckte Misthaufen auf freiem Feld abgedeckt wurden :-)
    Ein ziemliche Aufwand für zwei Misthaufen . . . aber es zeigt, dass es grundsätzlich funktioniert.

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  • Annette Dahl

    Die Kosten für die Wiederherstellung der Wasserqualität, müsste verursachergerecht auf das Produkt gerechnet werden. Dann erst ist auch der Preisvergleich mit den Produkten aus nachhaltiger biologischer Landwirtschaft gerecht und aussagekräftig.

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  • Ferdi Projer

    Vom Steuerzahler werden Aemter unterhalten die ihre Aufsichtspflicht nicht wahrnehmen und wenn Verstösse vorliegen wird nichts unternommen ist ja auch bequemer! Die Gesundheit der Bevölkerung interessiert anscheinend wenige, die Zerstörung der Natur noch viel weniger. Beim (über) Düngen läuft das ähnlich, Abstände zu Naturräumen werden nicht eingehalten und die Direktzahlungen fliessen trotzdem.

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  • Christine Dobler Gross

    Falls jemand die Seite „Heidis Mist“ noch nicht kennt: hier kann man weitere spannende und seriöse Informationen bekommen, wie es um den Vollzug der Gewässerschutzgesetze steht und weiteres mehr.
    https://heidismist.wordpress.com/

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