Geschützte Tierarten sollen geschützt bleiben

  • Benjamin Kämpfen
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LuchsPro Natura und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz kritisieren die geplante Teilrevision der Jagdverordnung. Dort ist neu vorgesehen, dass geschützte Tierarten geschossen werden können, wenn sie zu viel Wild fressen. Aus Sicht der Naturschutzverbände Pro Natura und Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz ist das ein fataler Paradigmenwechsel. Ökologisch wichtige und geschützte Arten wie der Luchs oder der Wolf werden ohne Not zu Schädlingen diskreditiert. Ein Rückschritt ins vorletzte Jahrhundert.

Luchs, Bär oder Wolf wurden in der Schweiz zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgerottet. Auch ihre natürlichen Beutetiere waren entweder ausgerottet (Hirsch, Steinbock) oder stark dezimiert (Reh, Gämse). Heute – nachdem sich seine Beutetierpopulationen erholt haben – kehren auch die grossen Beutegreifer zurück und bereichern unsere Natur. Trotz dieses Erfolgs will die Teilrevision der Jagdverordnung, dass bei Einbussen bei den Jagd- und Fischereiregalen geschützte Tiere aufgrund von Beuterückgängen der Jäger oder Fischer erlegt werden können. Aber: Jagd und Fischerei sind heute weitgehend Hobbies und nicht mehr Existenzsicherung für grosse Bevölkerungsteile wie vor über hundert Jahren. Die Änderung ist ein ökologisch nicht begründbarer Paradigmenwechsel im Umgang mit geschützten einheimischen Arten, die eine wichtige Funktion in unseren Lebensräumen übernehmen.

Tatsächliche Probleme mit Nutztieren können bereits mit den heutigen Regelungen gelöst werden. «Die neue Eingriffsmöglichkeit ist durch jagdliche Interessen motiviert und dient der Beruhigung der Jagenden, welche grosse Beutegreifer offenbar immer noch als Konkurrenz betrachten», sagt Mirjam Ballmer, Projektleiterin Naturschutzpolitik bei Pro Natura. Die Naturschutzverbände stellen ernüchtert fest, dass der systematisch politisch ausgeübte Druck der nutzungsorientierten Gruppierungen seine Wirkung zeigt. Die vorgeschlagene Lösung, mit welcher das natürliche Jagdverhalten einer Art zum „Schaden“ wird, ist aber der falsche Weg mit den Interessenskonflikten umzugehen.

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