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Genügend Raum für Grossraubtiere

  • Eliane Küpfer
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Im Zusammenhang mit Konflikten mit Wölfen, aber auch in der Diskussion um den Abschuss des Braunbären M13, wird vermehrt die Ansicht geäussert, die Schweiz sei zu dicht besiedelt für ein Zusammenleben mit Grossraubtieren. Von der menschlichen Bevölkerungsdichte hängt ab, wie viele naturbelassene Flächen es noch gibt. Eine geringe Bevölkerungsdichte begünstigt das Vorkommen einer ursprünglichen Fauna, etwa aufgrund des geringeren Konfliktpotentials zwischen Menschen und Wildtieren. Die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) hat nun die Bevölkerungsdichten der Gebiete in West- und Mitteleuropa mit Populationen von Wölfen und Bären zusammengetragen und diese mit derjenigen der Schweiz verglichen.

Situation Wolf
Die heutige Wolfspopulation in den Alpen umfasst 300 bis 400 Tiere, die hauptsächlich in den Südwestalpen zwischen Schweiz und Mittelmeer leben. In den französischen Alpen leben durchschnittlich 60 Personen auf einem km2 auf, in den italienischen Alpen sind es 79 Personen pro km2. Die Schweizer Alpengebiete liegen mit 70 Einwohnern pro km2 dazwischen. Im Norden und Osten Deutschlands, wo inzwischen etwa 100 bis 200 Wölfe leben, weisen die Bundesländer mit Wolfsrudeln Bevölkerungsdichten zwischen 85 und 224 Einwohnern pro km2 auf.

Situation Bär
Die Alpen Bären kommen vor Allem im italienischen Trentino und im Länderdreieck von Slowenien, Österreich und Italien vor. Hier ist die Diskrepanz noch grösser, der Trentino weist 86 Einwohnern pro km2 auf, im Länderdreieck von Slowenien, Österreich und Kärnten sind es 75 pro km2. Hingegen leben im Kanton Graubünden nur gerade 27 Einwohner pro km2. Die Schweiz ist also viel dünner besiedelt und weist damit potentiell mehr Rückzugsgebiete für Grossraubtiere auf.

Wie dieser Blick ins europäische Ausland zeigt, sind die meisten Regionen mit Wölfen und Bären sogar dichter besiedelt als der Schweizer Alpenraum. Zudem sind Grossraubtiere sehr anpassungsfähig und gerade Bären können auch in Kulturlandschaften mit hoher Bevölkerungsdichte leben, ohne dass es zu untragbaren Konflikten oder Gefahrensituationen kommt. Wie die Gruppe Wolf Schweiz folgert, lässt sich mit der Bevölkerungsdichte der Schweiz nicht logisch begründen, weshalb ein Zusammenleben mit Wölfen und Bären unmöglich sein soll.

Bild: Steve Hillebrand [Public domain], via Wikimedia Commons

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Gruppe Wolf Schweiz

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