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Gentechnik-Äpfel: Wundermittel oder teures Risiko?

  • Judith Schärer
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Forschende der ETH Zürich übertrugen mit einer gentechnischen Methode ein Resistenzgen gegen Feuerbrand aus einem Wildapfelbaum in die Sorte ‚Gala‘. In einem Feldversuch mit diesen Bäumen will Agroscope nun abklären, ob die eingebrachte Resistenz Veränderungen der Sorteneigenschaften bei Gala bewirkt.

Das Gentech-Moratorium für den kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) gilt noch bis 2017 und soll laut Bundesrat genutzt werden, um Chancen und Risiken der Gentechnik besser kennen zu lernen. Die von Agroscope dafür betriebene Versuchsfläche «Protected Site» bietet Forschenden die Möglichkeit, Freisetzungsversuche mit GVP durchzuführen. Nach dem Freisetzungsversuch mit cisgenen Kartoffeln (wir berichteten), plant Agroscope nun auch Versuche mit cisgenen Apfelbäumen, die gegen Feuerbrand resistent sein sollen. Feuerbrand ist weltweit die bedeutendste bakterielle Krankheit bei Apfelbäumen. Die cisgenen Apfelpflanzen für den geplanten Versuch werden allerdings keinen unmittelbaren Nutzen für die Landwirtschaft haben. Sie sind vielmehr Teil der grundlegenden Abklärungen, mit denen Agroscope zur differenzierten Beurteilung von Vor- und Nachteilen neuer Züchtungstechnologien für Nutzpflanzen beitragen will. Anfangs Oktober wurde deshalb beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) ein Gesuch für einen entsprechenden Feldversuch eingereicht, wie Agroscope mitteilt. Dieser soll, die Bewilligung des BAFU vorausgesetzt, im Frühjahr 2016 starten und bis zu fünf Jahre dauern.

Herkömmliche Gala-Apfelbäumchen (links) und cisgene Gala-Apfelbäumchen (rechts) im Feuerbrand-Test: Die cisgenen Pflanzen besitzen eine höhere Feuerbrandresistenz | © Giovanni Broggini, Agroscope
Herkömmliche Gala-Apfelbäumchen (links) und cisgene Gala-Apfelbäumchen (rechts) im Feuerbrand-Test: Die cisgenen Pflanzen besitzen eine höhere Feuerbrandresistenz | © Giovanni Broggini, Agroscope

Teuer, unnötig und risikobehaftet

Als Reaktion auf die Ankündigung von Agroscope wurden auch kritische Stimmen laut. Für die SAG (Schweizer Allianz Gentechfrei) beispielsweise sind die Freisetzungen mit gentechnisch veränderten Pflanzen auf der sogenannten “Protected Site” der Agroscope Versuchanstalt Reckenholz nicht zielführend, um die anstehenden Probleme der Schweizer Landwirtschaft zu lösen, wie die Allianz mitteilt. Die Gentechnologie sei ungeeignet, eine nachhaltige Landwirtschaft mitzuentwickeln, denn sie bekämpfe eher die Symptome als die Ursachen einer aus dem Gleichgewicht gebrachten Agrarproduktion. Zudem werde damit an den Bedürfnissen der Konsumentinnen und Konsumenten vorbeigeforscht, die gentechnisch veränderte Nahrungsmittel mehrheitlich ablehnen.

Die SAG argumentiert mit Erkenntnissen aus der Gentech-Forschung, welche aufzeigen, dass künstlich eingefügte Resistenzen sehr schnell durchbrochen würden und damit ihre Wirkung verlieren. Forschung mit Methoden der Gentechnik sei teuer, unnötig und zudem risikobehaftet. Apfelpollen würden durch Bienen über mehrere Kilometer verbreitet und ungewollte Auskreuzungen seien schwierig zu kontrollieren. Die nötige Grundlagenforschung dazu fehle weitgehend. Die Cisgenese sei ausserdem genauso risikoreich wie die Transgenese der ersten Generation gentechnisch veränderter Pflanzen. Laut der SAG sei eine Pflanzenzüchtung notwendig, die sich an natürlichen, standortgerechten Methoden orientiere und vor allem im Feld im Austausch mit der Umwelt stattfinde. Sinnvoller als teure Versuche, in denen umstrittene Technologien angewendet werden, wären daher Forschungsprojekte, die bei der Züchtung robuster oder resistenter Sorten ansetzen.

Bewilligungsverfahren

Feldversuche mit gentechnisch veränderten Organismen dürfen nur mit einer Bewilligung vom Bund durchgeführt werden. Agroscope hat Anfang Oktober 2015 ein Gesuch beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) für einen mehrjährigen Feldversuch eingereicht. Sobald das BAFU die Vollständigkeit der Unterlagen bestätigt hat, wird das Gesuch den Fachstellen des Bundes (Bundesamt für Gesundheit, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Bundesamt für Landwirtschaft), den Fachkommissionen und der Fachstelle des Kantons Zürich zur Stellungnahme unterbreitet. Gleichzeitig wird die Gesuchseingabe im Bundesblatt bekannt gegeben und eine öffentliche Einsprache- und Stellungnahmefrist eröffnet. In den folgenden Monaten prüft das BAFU das Gesuch sowie die eingegangenen Stellungnahmen. Danach entscheidet das BAFU, ob es die Versuche bewilligt. Der Entscheid wird im Frühling 2016 erwartet.

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