Einigung in der Grossraubtierpolitik?

  • Nora Kieselbach
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Die vier Verbände JagdSchweiz, Pro Natura, Schweizerischer Schafzuchtverband und WWF Schweiz haben sich gemäss einer Medienmitteilung auf gemeinsame Grundsätze, Ziele und Handlungsfelder im künftigen Umgang mit Wolf, Luchs und Bär in der Schweiz geeinigt.

Bei Konflikten um die Grossraubtiere, die Nutztierhaltung und die jagdliche Nutzung von Wildtieren sind sie bereit, nach Kompromissen und gemeinsam getragenen Lösungen zu suchen. Das schafft unterschiedliche Sichtweisen und Interessen zwar nicht aus der Welt, aber es verlagert die Konfliktlösung vom medialen oder gerichtlichen Schlagabtausch an den Sitzungstisch oder die gemeinsame Feldbegehung, womit in den Augen der beteiligten Verbände „ein wichtiger Paradigmenwechsel“ vollzogen wird.

Wenn Grossraubtiere in ihren natürlichen Lebensraum zurückkehren, führte das in der Vergangenheit oft zu Konflikten, die nicht selten im Gerichtssaal endeten und zu unüberbrückbaren Differenzen führten. Auch in der Schweiz sind viele Jahre mit Auseinandersetzungen der Naturschutz- und Nutzerverbände verstrichen. Ende 2010 wurde auf Initiative von JagdSchweiz, Pro Natura, Schweizerischem Schafzuchtverband und WWF Schweiz ein Dialog begonnen, um künftig gemeinsam konstruktive Lösungen anzustreben. Die Gespräche zwischen den vier Verbänden wurden vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) moderiert und vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und der KORA (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Grossraubtiere in der Schweiz) begleitet.

Nun wurde ein gemeinsames Grundsatzpapier erarbeitet, das von allen beteiligten Organisationen verabschiedet worden ist: Dabei wird die Rückkehr und die Bestandesbildung der Grossraubtiere auf Schweizer Territorium als natürlichen Prozess einstimmig anerkannt. Ebenso werden Regulationsabschüsse nicht mehr ausgeschlossen, wenn dadurch der betreffende Raubtierbestand in der Schweiz nicht gefährdet wird. Bei Schäden an Nutztieren können die Schaden stiftenden Einzeltiere weiterhin gemäss den gültigen Konzepten abgeschossen werden; der zentrale Pfeiler für die weitere Strategie soll jedoch die Weiterentwicklung des Schutzes von Nutztierherden mit geeigneten und zumutbaren Massnahmen sein.

Weiterführende Informationen

Pro Natura
WWF Schweiz
Schweizerischer Schafzuchtverband
JagdSchweiz
BAFU
BLW
KORA  

Bild: Martin Mecnarowski (Wikimedia Commons)

1 Kommentar

  • Thomas Walser

    Liebe Tierfreunde

    Als Initiant der Eidg. Volksinitiative „Wolf, Bär & Luchs“ unterstütze ich das gemeinsame Projekt der Verbände.

    Thomas Walser

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