©Smaragd-Gebiet Oberaargau
©Smaragd-Gebiet Oberaargau

Gemeinsam für mehr Biodiversität

  • Kathrin Ruprecht
  • -

Dass sich die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz für alle Beteiligten lohnt, beweist das grösste Smaragdgebiet der Schweiz im Oberaargau. In der sechsjährigen Aufwertungsphase (2009-14) wurden 328 Fördermassnahmen für 17 europaweit gefährdete Arten umgesetzt. Drei Folgeprojekte sollen die Aufwertungen ergänzen, sicherstellen und vervollständigen.

„Das grösste Smaragdgebiet der Schweiz ist ein Hotspot der Biodiversität und eine Pilotregion der Biodiversitätsförderung im intensiv genutzten Mittelland“, zog Regierungsrat Andreas Rickenbacher Bilanz, beim Besuch des Smaragd-Gebiets Oberaargau. Der Kanton Bern, wichtiger Geldgeber für die Aufwertungsphase, stellt mit der Übernahme der Bewirtschaftungsverträge die Nachhaltigkeit des Projektes sicher. Der Volkswirtschaftsdirektor betonte, dass die Bevölkerung nun direkt von der aufgewerteten Natur vor der Haustüre profitiere. Die Innovation und der Modellcharakter der geleisteten Arbeit überzeugten Rickenbacher, und er blickte in die Zukunft: „Gestützt auf die Erfahrungen der Aufwertungsphase wird das Smaragdgebiet Oberaargau auch künftig Pionierarbeit leisten.“ Drei Folgeprojekte (für insgesamt 421’000 Franken) haben nämlich zum Ziel, die Aufwertungen in der Kulturlandschaft rund um Langenthal vor dem Klimawandel zu schützen und zu vervollständigen.
(Details: www.smaragdoberaargau.ch)

Was ist ein Smaragdgebiet? Mit der Ratifizierung der Berner Konvention 1982 verpflichtete sich die Schweiz, europäisch besonders wertvolle Lebensräume und Arten zu schützen. Europaweit werden Gebiete im Smaragd-Netzwerk zusammengefasst. Dabei kann eine Pflanzen-oder Tierart in der Schweiz durchaus häufig vorkommen, europaweit jedoch als gefährdet gelten. Derzeit sind 37 schweizerische Gebiete als Teil des Smaragd-Netzwerks des Europarates anerkannt. Das grösste darunter ist das Smaragdgebiet Oberaargau. Initiant war der WWF.

Nebst den Kantonen Bern, Luzern, Solothurn und Aargau sowie 19 Gemeinden stehen als Herzstück hinter dem 1,5 Millionen Franken teuren Aufwertungsprojekt (2009-2014) 92 Landwirtschaftsbetriebe. „Ich mache am liebsten ganzheitlich etwas für Natur und Umwelt. Daher unterstütze ich im Rahmen des Smaragd-Projekts gerne verschiedene gefährdete Arten. Ein einseitiges Konzept würde mir nicht liegen“, sagte Adrian Glur, Landwirt und Gemeinderat von Roggwil, über seine Motivation.

Einige Aufwertungsbeispiele sind zum Beispiel schonender Gewässerunterhalt für die Libellenart Helm-Azurjungfer, die Wiederansiedlung von Smaragd-Pflanzen, das Liegenlassen von Bäumen zur Schadensprävention für den Biber, das Anlegen von „Feldlerchen-Fenstern“ in Getreideäckern, Tümpel für die Gelbbauchunken oder die Förderung des Gartenrotschwanzes mit mageren Flecken und „lückigem“ Bewuchs.

Dass die Aufwertung der Landschaft und Artenförderung viel miteinander zu tun haben und sich gegenseitig befruchten, betonte Bruno Vanoni, Infobeauftragter des Fonds Landschaft Schweiz FLS: „Indem der FLS naturnahe Kulturlandschaften aufwerten hilft, trägt er zur Erhaltung, Wiederherstellung oder Schaffung von Lebensräumen gefährdeter Arten bei.“ Zudem sei es dem FLS wichtig, ergänzte Vanoni, dass naturnahe Kulturlandschaften nicht nur in Berg- und Randregionen gefördert werden, sondern auch mitten im dicht besiedelten Mittelland.

„Wird die Landschaft aufgewertet, werden Arten gefördert und damit die Biodiversität gestärkt, was am Ende allen nützt: der Landwirtschaft, der lokalen Bevölkerung und dem Naturschutz“, zog Co-Präsidentin und Nationalrätin Nadine Masshardt nach sechs Jahren Vereinsarbeit Bilanz. „Das Smaragdgebiet Oberaargau ist der beste Beweis dafür, dass sich Landwirtschaft und Naturschutz nicht ausschliessen müssen, sondern bereichern können.“

Beitrag kommentieren