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[CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Gemeinden haben kaum Mittel für den Schutz der Biodiversität

  • Kathrin Ruprecht
  • 1

Eine neue Studie zeigt, dass die Schweizer Gemeinden durchschnittlich nicht einmal eine Fünftel-Stelle für den Schutz und die Förderung der Biodiversität einsetzen. Fast die Hälfte der Gemeinden geben jährlich weniger als 10 000 Franken für die Natur aus. Viele Gemeinden wünschen sich aber mehr Unterstützung und klarere Vorgaben von Seiten des Bundes oder der Kantone.

Erstaunlicherweise war bisher nur wenig darüber bekannt, was die Gemeinden konkret für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität tun, berichtet SVS/BirdLife Schweiz. Der SVS/BirdLife Schweiz als der Dachverband der lokalen Naturschutzvereine wollte es genauer wissen und liess in der zweiten Hälfte 2014 eine webgestützte Befragung der Gemeinden durchführen. Jetzt liegen die Ergebnisse aus den 630 Gemeinden vor, die an der Umfrage teilgenommen haben. Diese 27 Prozent aller Schweizer Gemeinden repräsentieren die Gesamtheit aller Gemeinden gut, sowohl in Bezug auf ihre Grösse als auch was die Verteilung von Städten zum ländlichen Raum und dem Berggebiet angeht.

Nicht einmal ein Tag pro Woche für die Biodiversität

Als erstes wollte der SVS/BirdLife wissen, wie viele Stellenprozente die Gemeinden für den Naturschutz einsetzen. Die Angaben reichen von 0 bis 400 Stellenprozente. Mehr als eine halbe Stelle ist es jedoch nur in rund einem Zehntel aller Gemeinden. Ein Drittel der Gemeinden setzt für den Naturschutz sogar weniger als 5 Stellenprozente ein; jede sechste Gemeinde hat gar keine Personalressourcen. Der Mittelwert aus allen Angaben beträgt 18 Stellenprozente für den Naturschutz und die Biodiversität.

„Wenn sich in den Schweizer Gemeinden im Durchschnitt nur gerade an einem Tag pro Woche eine einzige Person um den Naturschutz kümmern kann, so ist das nicht viel“, sagt Werner Müller, Geschäftsführer des SVS/BirdLife Schweiz. Dass es sehr viel mehr zu tun gäbe für die Natur, zeigt der hohe Bedarf der Gemeinden an Hilfe: 42 Prozent der Gemeinden wünschen sich laut der Umfrage mehr fachliche Unterstützung.

Ähnlich prekär sieht es bei den Finanzen aus: Nur 3 Prozent der Gemeinden verfügen über ein Naturschutz-Budget von mehr als 250000 Franken pro Jahr, 45 Prozent geben für den Naturschutz weniger als 10 000 Franken aus. Drei Viertel der Gemeinden machen einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf geltend, um alle Aufgaben wahrnehmen zu können.

Wissensgrundlagen fehlen oft

Um den Handlungsbedarf zu erkennen, müssen zuerst die Grundlagen vorhanden sein, um den Zustand der Biodiversität überhaupt beurteilen zu können. Deshalb wurden die Gemeinden auch gefragt, inwieweit sie über diese nötigen Grundlagen verfügen. Resultat: 40 Prozent der Gemeinden gehen davon aus, dass sie nicht über die nötigen Grundlagen verfügen.

Trotzdem machen die Gemeinden Aussagen zur Frage, wie sie den Zustand der Biodiversität auf ihrem Gebiet einschätzen. Nur 11 Prozent der Gemeinden sind der Meinung, der Zustand der Biodiversität sei „eher oder sehr schlecht“. Der Löwenanteil der Gemeinden (wie übrigens auch der Bevölkerung) ist hingegen der Ansicht, dass es der Biodiversität „eher gut geht“. Diese Einschätzung entspricht gar nicht den Fakten, wie sie die führenden Wissenschafter der Schweiz auf dem Gebiet der Biodiversität vor wenigen Wochen der Öffentlichkeit vorgestellt haben.*

Grosses Potenzial im Siedlungsraum

Schliesslich wurden die Gemeinden auch gefragt, welche Instrumente sie für den Naturschutz und die Biodiversität einsetzen. Am häufigsten wurden spezifische Gemeindeinventare genannt, am zweithäufigsten Vernetzungsprojekte in der Landwirtschaft, gefolgt von Information und Beratung der Bevölkerung. Am aktivsten sind die Gemeinden beim Anlegen und Aufwerten von Biodiversitätsförderflächen in der Landwirtschaft: Drei Fünftel der Gemeinden geben an, in diesem Bereich sehr oder eher aktiv zu sein. Dann folgen die Aufwertung bestehender Schutzgebiete (58 Prozent) und die Förderung prioritärer Arten (49 Prozent), und auf dem vierten Platz liegt die Biodiversität im Siedlungsgebiet (35 Prozent).

Die Gemeinden konnten auch angeben, bei welchen Aktivitäten der Bedarf für zusätzliche Massnahmen aus ihrer Sicht am höchsten ist. Hier steht folgerichtig die Biodiversität im Siedlungsraum an erster Stelle, gefolgt von der Förderung prioritärer Arten.

Gemeinden wünschen sich mehr Vorgaben

Die Gemeinden unterstützen grossmehrheitlich eine Reihe von Massnahmen zugunsten der Natur im Siedlungsraum, die im nationalen Aktionsplan Biodiversität enthalten sind, den der Bundesrat demnächst beschliessen soll. Zum einen finden 74 Prozent der Gemeinden Musterbaureglemente mit Bezug zur Biodiversität sinnvoll, die als Arbeitshilfen für die Ortsplanung dienen können. Gesamtschweizerische und regionale Zielvorgaben für Grün- und Freiflächen im Siedlungsraum finden zu 68 Prozent die Unterstützung der Gemeinden; gleich viel wie einheitliche Standards für eine biodiversitätsfreundliche Umgebungsgestaltung.

Zu weiteren Ergebnissen der Umfrage.

1 Kommentar

  • Christine Dobler Gross

    Wenn die Gemeinden grossmehrheitlich mehr für die Natur machen wollen, dann aber endlich los mit verbindlichen Regelungen im Siedlungsraum für die Biodiversität, AUCH für Private: Schluss mit Pestiziden, mit Laubbläsern, mit überbordender Salzerei, mit monotonen Rasen und wöchentlicher Rasenmäherei, wenn der Tageslärm endlich vorbei ist….Schluss mit Kirschloorbeerhecken, die immer noch erlaubt sind, Schluss mit Steinwüsten um die Häuser, der letzte Schrei sind Findlinge aus China…. – hin zu artenreichen Grünflächen und der Biodiversität nützlichen Bäume, Hecken, Stauden, Kleinstrukturen überall!!Das alles kann neben dem Nutzen für die Biodiversität auch sehr schön aussehen!Migros, Coop – vorwärts, nicht nur schöne Naturwerbung – wir möchten es in eurem Angebot sehen!

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