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Biodiversitätsgipfel: Europa ist gefordert

  • Monika Jung
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SVS_Nagoya_01Nur noch wenige Tage haben die Staaten der Welt Zeit, um am Biodiversitätsgipfel in Nagoya einen ambitiösen Plan zur Rettung der Biodiversität zu verabschieden. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisationen Erklärung von Bern, Pro Natura und Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz fordern, ein Scheitern der Biodiversitätskonferenz abzuwenden.

Eine Einigung wird nur möglich, wenn die Industriestaaten, inklusive die Schweiz, zur Umsetzung der geplanten zwanzig Massnahmen die nötigen Mittel zur Verfügung stellen. Zudem muss mit einem verbindlichen Abkommen die Biopiraterie gestoppt werden. Der dritte Pfeiler der Biodiversitätskonvention, die gerechte Aufteilung der Vorteile aus der Anwendung genetischer Ressourcen mit den Geberstaaten (ABS), soll nach über 15 Jahren endlich umgesetzt werden. Die Schweiz spielt bei ABS eine konstruktive Rolle, während Kanada und die EU zentrale Bausteine für ein griffiges Protokoll noch zurückweisen.

Bei den Finanzen ist die Schweiz allerdings auf der EU-Linie: Es werde erst über zusätzliche Finanzmittel diskutiert, wenn die Gesamtkosten des Schutzes der Biodiversität der Erde bekannt seien. Diese Haltung bringt den Biodiversitätsgipfel ebenso wenig weiter wie die Forderung von Entwicklungsländern, dass die Industrieländer ihren finanziellen Beitrag verhundertfachen müssen.

Vergangene Woche haben die Umweltverbände BirdLife International und Conservation International am Biodiversitätsgipfel eine auf den neusten Zahlen basierende konkrete Schätzung der nötigen Mittel für einen wichtigen Teil der globalen Massnahmen zur Sicherung der Biodiversität präsentiert: die Entwicklungsländer brauchen zur Erweiterung und für das Management des weltweiten Schutzgebietsnetzes 15 Milliarden Dollar mehr als heute. Gleichzeitig haben Ökonomen berechnet, dass der Nutzen und die Ökosystemleistungen der Schutzgebiete der Erde 500 Mal höher sind als die heute benötigten Mittel für deren Schutz. Sie zeigten auch, dass verspätetes oder fehlendes Handeln zunehmend mehr Kosten in immensen Grössenordnungen verursacht: Im Jahr 2050 dürften diese Kosten 7 Prozent des Bruttosozialprodukts ausmachen. Ganz abgesehen davon drohen Konflikte um Ressourcen, Flüchtlingsströme und politische Unstabilität, wenn Ökosystemleistungen wie die Fruchtbarkeit der Böden oder sauberes Wasser grossflächig zusammenbrechen.

Die nötigen Mittel können die Entwicklungsländer nicht selbst aufbringen; zudem legt die Biodiversitätskonvention fest, dass die Industrieländer die Mittel bereitstellen müssen. Deshalb erwarten der SVS/BirdLife Schweiz, Pro Natura und Erklärung von Bern, welche die Verhandlungen in Nagoya vor Ort genau verfolgen, dass die Schweiz klare Zusagen für die Anhebung der Finanzen für die weltweite Biodiversität mit neuen, zusätzlichen Mitteln mitträgt. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Reduktion biodiversitäts-schädigender Subventionen und deren Umwandlung in biodiversitäts-fördernde Beiträge. Die drei Organisationen erwarten zudem, dass die Schweiz kurz- und mittelfristig ausreichende Mittel für die Biodiversität weltweit und auch für die biologische Vielfalt in der Schweiz selber bereit stellt. Der einzige Unterschied zwischen der letzten Bankenkrise und der aktuellen Biodiversitätskrise ist, dass die erstere innert wenigen Wochen über die Welt hereinbrach, die Biodiversitätskrise jedoch seit Jahren schleichend, aber umso gravierender wirkt.

Tägliche Berichte aus Nagoya (SVS/BirdLife Schweiz)

Bild: SVS/BirdLife Schweiz

1 Kommentar

  • Sebastian Meyer

    Jeder einzelne ist im Rahmen seiner Möglichkeiten gefordert, das Möglichste zu tun, um die Biodiversität bei uns und anderswo zu erhalten und zu fördern!

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