Bauer, Silhouette, Heu, Stall, Kuh

Geheimnis um 34’000 verschwundene Milchkühe

  • Nora Kieselbach
  • -

Laut Statistik stehen 2012 deutlich weniger Milchkühe in den Ställen der Bauern als in den Vorjahren. Nur: die Landwirte produzieren so viel Milch wie noch nie, und die Metzger haben auch nicht mehr Kühe geschlachtet, schreibt Michael Wahl via Landwirtschaftlichem Informationsdienst LID. Seit Anfang Jahr sind somit rund 34’000 Tiere „verschwunden“.

Die Ratslinke bemängelte Ende September während der Agrardebatte im Nationalrat, dass Tierbeiträge falsche Anreize zur Haltung von möglichst vielen Kühen und Rindern schaffen würden. Das stimmt, zumindest was die Milchmenge angeht: die Schweizer Bauern produzieren immer mehr Milch – und auch mehr, als sie am Markt kostendeckend absetzen können. Die Tierbestände blieben hingegen laut Statistik von 2009 bis 2011 ziemlich konstant, und im laufenden Jahr liegen die Zahlen sogar deutlich unter denjenigen der Vorjahre. So gab es diesen August gerade „noch“ 564’280 Milchkühe in der Schweiz, das sind 3,6 Prozent oder rund 21’000 Tiere weniger als im August 2011.

Diese deutlich tieferen Milchkuhbestände hinterlassen einige Fragezeichen – so auch beim Verband der Schweizer Milchproduzenten SMP, der die Zahlen für wenig plausibel hält. Denn die aktuelle Milchproduktion liegt 2,2 Prozent über derjenigen des letzten Jahres. Dank Zuchtforschritt würden zwar die Kühe mehr Milch geben, aber eine derartige Produktionssteigerung bei gleichzeitig sinkenden Kuhbeständen sei kaum möglich. Glaubt man der Statistik, sind seit Anfang Jahr rund 34’000 Tiere aus den Schweizer Ställen „verschwunden“ – welche jedoch bei den Metzgern nicht wieder „aufgetaucht“ sind. Von Januar bis Juli 2012 ist im Vergleich zum Vorjahr gar weniger Rindvieh geschlachtet worden, und insbesondere weniger Kühe, informierte die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande.

Wo aber sind diese Kühe geblieben? Klar ist: das System zur Erfassung der Tierbestände wurde generalüberholt. Bis Anfang 2012 wurden Rinder in der so genannten Tierverkehrsdatenbank TDV erfasst, welche ab Februar in die neue Internet-Plattform „Agate“ integriert wurde. Für die Betreiberin der TDV, die Identitas AG, bedeutete dies eine Grossübung. Der Verdacht auf Erfassungsfehler bei der Umstellung konnte jedoch entkräftet werden, nachdem man abgeklärt hatte, ob allenfalls Rinder nach der Geburt des ersten Kalbes versehentlich nicht als Milchkühe verbucht worden waren. Das Geheimnis der verschwundenen Milchkühe bleibt also für den Moment noch ungeklärt; möglich ist aber auch, dass die Zahlen der Vorjahre zu hoch gewesen seien. Sicher ist einzig: bald dürfte es wieder deutlich mehr Mutter-, Ammen- und Milchkühe in den Schweizer Ställen geben, denn diesen August wurden 61’500 Kälber geboren, so viele wie noch nie in den letzten zwölf Jahren.

Weitere Informationen

Bild: André Mouraux [CC-BY-2.0] via Wikimedia Commons

Beitrag kommentieren