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Gefährdete Libellen

  • Monika Jung
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libelleWas bisher als Schätzung vorlag, ist nun Gewissheit: Die Zahl der gefährdeten Arten auf der Rote Liste der IUCN nimmt zu. Nach einer Studie im international renommierten Wissenschaftsmagazin Science ist rund ein Fünftel der Wirbeltierarten vom Aussterben bedroht. Erstmals erfasst wurden nun auch die Wirbellosen, darunter Libellen, die als Insekten zur artenreichsten Klasse überhaupt gehören. Dr. Viola Clausnitzer vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz und Mitglied im Red List Committee war an der Studie beteiligt und hat weltweit 1500 Libellenarten untersucht.

Da die Wirbellosen in großer Zahl alle Lebensräume besiedeln und empfindlich auf veränderte Umweltbedingungen reagieren, sind sie eine wichtige Organismengruppe in der Biodiversitätsforschung. Libellen, die wassernah leben und das flüssige Element auch als Brutstätte und Kinderstube für ihren Nachwuchs nutzen, stellen ganz spezifische Ansprüche an die Wasserqualität und die Struktur ihres Lebensraums. Da ihr Vorkommen wie auch ihr Fehlen Rückschlüsse auf dessen Zustand zulässt, nutzt man die Tiere auch als so genannte Zeigerorganismen. Die Untersuchungen der Senckenberg-Wissenschaftlerin ergaben, dass vor allem Libellen-Arten an tropischen Fließgewässern gefährdet sind. In der Regel handelt es sich dabei um Gebiete, die von den Menschen verändert wurden. Das Abholzen von Wäldern in Wassereinzugsgebieten, Verschmutzungen und weitere Eingriffe in das Gefüge ihres Lebensraums, entzieht den Libellen und auch ihrer Beute die Lebensgrundlage.

Die Gefährdungssituation der Libellen ist mit der der Vögel zu vergleichen, von denen mittlerweile sogar 20 Prozent als vom Aussterben bedroht gelten müssen. Hierbei ist jedoch auch der Status der erfassten Arten zu berücksichtigen: Als Wirbeltiere sind die Vögel mit mehr als 99 Prozent ihrer Arten sehr viel besser erfasst. Demgegenüber stehen lediglich 65 Prozent der Libellenarten. Über etwa 35 Prozent, also schätzungsweise 2100 Arten, weiß man bisher noch nichts.

Aktuell arbeitet Viola Clausnitzer gemeinsam mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern an einer vollständigen Bewertung der 6000 Libellenarten, die weltweit vorkommen. Das Ziel ist, mit der Erfassung nicht nur den aktuellen Status zu dokumentieren, sondern auch passende Schutzprogramme zu erarbeiten. Auf diese Weise lässt sich auch die Entwicklung der Populationen überwachen und die Wissenschaftler erwarten sich von ihrer Arbeit weitere Erkenntnisse für die Biodiversitätsforschung.

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Bild: Senckenberg

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