Die Forscher waren überrascht über das Ergebnis, dass auch der Steinmarder zu den sehr stark von Strassen gefährdeten Raubtierarten zählt. © Mike aus dem Bayerwald
Die Forscher waren überrascht über das Ergebnis, dass auch der Steinmarder zu den sehr stark von Strassen gefährdeten Raubtierarten zählt. © Mike aus dem Bayerwald

Gefahr der Strassen für Raubtiere unterschätzt

  • Cécile Villiger
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Die Auswirkungen von Strassen auf Raubtiere wurden beim weltweiten Artenschutz offenbar bisher unterschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt die erste umfassende globale Studie zu diesem Thema.

Jene fünf Prozent an Raubtierarten (17 Arten), die weltweit am stärksten von Strassen beeinflusst werden, gehören zu den Säugetierfamilien der Katzen, Bären, Marder, Hunde und Kleinbären. Bei den Bären sind vier Arten betroffen – die Hälfte aller existierenden Bärenarten. Überraschend für die Forscher war, dass auch der Steinmarder (Martes foina) unter die 17 am stärksten durch Strassen betroffenen Arten fällt. Diese Art ist zwar weit verbreitet und nicht als gefährdet eingestuft, wird aber oft durch Autos getötet. Der Wolf gehört zu den obersten 25 Prozent der weltweit am stärksten von Strassen betroffenen Raubtieren (55 Arten). Er ist eines jener Tiere, die für ein langfristiges Überleben grosse Flächen benötigen, deren Lebensräume aber durch Strassen zerschnitten werden.

Besonders bedroht ist der Iberische Luchs, der nur in Spanien und Portugal vorkommt und von dem es Schätzungen zufolge nur noch wenige Hundert Tiere gibt. Die Hochrechnung in der aktuellen Studie ergibt, dass die Art in 114 Jahren ausgestorben sein wird. Doch während der Iberische Luchs von der Weltnaturschutzunion als „stark gefährdet“ eingestuft wird, sind andere von Strassen betroffene Tierarten dies nicht. Zum Beispiel zwei Arten aus Japan: Der Japanische Dachs und der Japanische Marder werden der Hochrechnung zufolge aufgrund der Bedrohung durch Strassen in neun bzw. 17 Jahren ausgestorben sein.

Unter jenen fünf Prozent an Raubtierarten (17 Arten), die weltweit am stärksten von Strassen beeinflusst werden, sind aktuell neun von der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature, IUCN) als „nicht gefährdet“ eingestuft. „Unsere Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit, den Schutzstatus dieser 17 Arten zu aktualisieren, da deren Bedrohung durch Strassen bisher unterschätzt wurde“, betont Prof. Henrique Pereira vom Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv).

Für ihre Studie erfassten die Wissenschaftler 232 Raubtierarten weltweit (von insgesamt ca. 270 existierenden Raubtierarten). Für diese bestimmten sie, wie stark sie von der Zerschneidung ihres Lebensraumes durch Strassen beeinflusst werden. Dafür berücksichtigten die Forscher zum Beispiel die natürliche Mortalitätsrate, die Anzahl der Nachkommen und das Wanderverhalten einer Art. Aus diesen Faktoren errechneten sie, welche Dichte an Strassen eine Art maximal ertragen kann. Ausserdem ermittelten sie die minimale Fläche an unzerschnittenen Lebensraum, die eine Art braucht, um dauerhaft gesunde Populationen erhalten zu können. Diese Daten glichen sie mit dem weltweiten Strassennetz ab.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Nordamerika und Asien die Regionen mit den meisten Raubtierarten sind, die durch den Strassenverkehr negativ beeinflusst werden, gefolgt von Südamerika und Europa“, erklärt Ana Ceia Hasse vom iDiv. „Doch während wir erwartet hatten, dass die fleischfressenden Säugetiere besonders in Regionen mit hoher Strassendichte leiden, waren wir überrascht zu sehen, dass es auch in Regionen mit geringer Strassendichte Raubtiere gibt, die durch Strassen bedroht sind.“ So haben Strassen in Afrika deutliche Auswirkungen auf das Verbreitungsgebiet des Leoparden. Empfindliche Arten, die natürlicherweise regelmässig weitere Distanzen zurücklegen, können nämlich schon durch vergleichsweise wenige Strassenbehindert werden. „Wir haben nicht einfach Strassen und Verbreitungsgebiete der Raubtiere übereinander gelegt, sondern haben auch die spezifischen Eigenschaften und Ansprüche der Arten in unseren Berechnungen berücksichtigt. So konnte wir auch Arten ermitteln, die bereits auf wenige Strasse sensibel reagieren“, so Ceia-Hasse. Aus Sicht der Wissenschaftler kann die Methode künftig für weitere Untersuchungen genutzt werden – so zum Beispiel für die Erarbeitung lokaler Schutzmassnahmen, für Umweltbewertungen durch Behörden oder um die langfristigen Auswirkungen des Strassenbaus in Szenarien der Weltbank zum globalen Biodiversitätswandel einfliessen zu lassen.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

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