Diepholzer Gans, Pro Natura Graubünden, Flachmoor, Pflegeeinsatz

Gänse weiden im Naturschutzeinsatz

  • Nora Kieselbach
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Gänse und Naturschutz – diese Kombination scheint erstmal ungewöhnlich. Geht es nach Pro Natura, könnte die traditionelle Beweidung mit Gänsen jedoch zukunftsweisend für die Erhaltung von Flachmooren sein. Gänseweiden sind in der Schweiz an und für sich nichts Neues, gerieten aber seit den 1950er-Jahren immer mehr in Vergessenheit. In einem Pilotprojekt sind nun seit diesem Herbst bei Samedan in Graubünden erstmals Gänse für Pro Natura im Naturschutzeinsatz.

Pro Natura begeht in der Pflege ihrer über 600 Naturschutzgebiete immer wieder neue Wege, wie die Beweidungen mit Schottischen Hochlandrindern, Wollschweinen, Stiefelgeissen oder Eseln. Nun initiiert Pro Natura Graubünden einen schweizweit einmaligen Beweidungsversuch mit Diepholzer Gänsen. In Samedan weiden seit Herbst 2012 aktuell zwölf Exemplare in einem Flachmoor – wobei geplant ist, den Gänse-Bestand nach und nach auf 100 bis 150 Tiere zu vergrössern. Ziel des Pilotprojekts: eine wirksame und kostengünstige Pflege von artenreichen Mooren und Feuchtgebieten als Alternative zur Mahd. Als positive Nebeneffekte sieht Pro Natura zudem einen Beitrag an den Erhalt der alten Gänseart als kulturelles Erbe und ein Zusatzeinkommen für Landwirte.

Noch bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden viele Flachmoore zur Streueproduktion landwirtschaftlich genutzt; heutzutage ist jedoch die in solchen Feuchflächen nur von Hand durchführbare Mahd unrentabel geworden. Dennoch benötigen die Flachmoore als geschützte Lebensräume und wertvolle Habitate von seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Pflege, denn ansonsten würden diese Landschaftsrelikte langsam verbuschen und mit der Zeit ganz mit Wald zuwachsen. Da bleibt eigentlich – als Alternative zum Mähen – nur die Beweidung der Feuchtflächen.

Schwerere Tiere wie Kühe oder Pferde würden dabei jedoch das sensible und feuchte Erdgefüge schädigen; andere Arten wiederum vertragen die feuchten Bedingungen schlecht. Die Lösung: robuste Leichtgewichte wie die Diepholzer Gänse. Diese Gänseart, anspruchslos in ihren Nahrungsgewohnheiten und robust gegenüber Wind und Wetter, eignet sich besonders gut, um ohne Trittschäden in Flachmooren zu „arbeiten“.

Weitere Informationen

Pro Natura Schweiz
Pro Natura Graubünden

Bild: Marcel Züger / Pro Natura Graubünden

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