Gallwespe erreicht Schweiz

  • Barbara Darani
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Nun hat sie schliesslich die Schweiz erreicht, die Edelkastanien-Gallwespe. Dieser Schädling, der zu den Quarantäneorganismen zählt, tauchte zum ersten Mal im Mai 09 in unserem Land auf, und zwar im Tessin, dem Kanton mit dem grössten Kastanienbestand der Schweiz. Die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW ruft alle Kastanienproduzenten und -besitzer auf, aufmerksam zu sein und verdächtige Symptome dem kantonalen Pflanzenschutzdienst zu melden.

Die Gallwespe ist ein äusserst diskreter Schädling, der weder auf dem Vermehrungsmaterial, noch auf den jungen Bäumen erkennbar ist. Ihre Präsenz in Form von Larven in den Knospen ist beim Kauf der Jungpflanzen im Herbst oder ganz zu Beginn des Frühjahrs nicht ersichtlich. Die Schäden kommen zum Zeitpunkt des Austriebs zum Vorschein, wenn die Larven ihre Aktivität aufnehmen. Die hervorgerufene Zellenvermehrung führt zur Bildung von Gallen auf den Knospen, Blättern und Blütenständen. Die Gallen auf den Trieben schädigen die Blütenstände und verhindern eine korrekte Blattentwicklung. Sie sind also besonders gefährlich für die Pflanze. Die Gallwespe verursacht meistens kein sofortiges Absterben der Pflanze, schwächt sie aber schrittweise und vermindert ihre Produktivität. Die Sensibilität der Pflanze gegenüber verschiedenen Stresstypen nimmt allmählich zu (Befall durch Krankheiten und Schädlinge, Trockenheit), was schliesslich zu ihrem Absterben führt. Das Insekt verursacht zwar spektakuläre Schäden, seine Gefährlichkeit ist aber subtil und kommt langsam zum Vorschein.

Die Gallwespe, die zu den Quarantäneorganismen zählt, ist ein besonders gefährlicher Schadorganismus (Pflanzenschutzverordnung), welcher der obligatorischen Bekämpfung untersteht. Das Vorkommen von Gallen oder von verdächtigen Symptomen muss zwingend dem kantonalen Pflanzenschutzdienst oder einem anderen zuständigen Dienst gemeldet werden. Bezüglich der Kastanienbestände auf der Alpennordseite gilt es, aufmerksam zu sein, den Materialimport aus verseuchten Zonen oder ohne Pflanzenschutzpass zu meiden und die jungen Bestände zu beobachten. Vorbeugen ist besser als heilen!

Im Tessin besteht die einzige Bekämpfungsmöglichkeit zurzeit darin, die Verbreitung der Gallwespe durch den Schnitt und die Zerstörung der Triebe, auf welchen sich Gallen gebildet haben, im Frühjahr zu bremsen. Dies muss unbedingt vor dem Ausschlüpfen der erwachsenen Gallwespen erfolgen. Diese Methode ist aber nicht angebracht, wenn grosse Flächen befallen sind. Das ist in der Schweiz noch nicht der Fall. In Japan zeigte die biologische Bekämpfung mit dem Hautflügler Torymus sinensis gute Ergebnisse. Seine Verwendung in der Region von Cuneo (Piemont) wird zurzeit geprüft. Vor einer allfälligen Einführung dieses Parasitoids in der Schweiz muss eine Risikoanalyse seiner Auswirkungen auf die inländische Fauna erfolgen, damit kein potenzieller Feind unserer Artenvielfalt importiert wird.

Drei einfache Massnahmen können getroffen werden, um unsere Kastanienpflanzungen zu schützen: keine Pflanzen aus verseuchten Zonen kaufen (dazu muss man sich über das Vorkommen der Edelkastanien-Gallwespe in der jeweiligen Produktionsregion informieren); die Vermehrung von Pflanzenmaterial (Edelreiser), deren Herkunft unbekannt ist, meiden; keine Pflanzen, deren Herkunft unbekannt ist, importieren.

Pressemitteilung
Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW

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