StartNewsNaturFür Wiesenvögel: Lieber spät mähen als früh

Für Wiesenvögel: Lieber spät mähen als früh

Ab dem 15. Juni werden in den Tallagen die Ökowiesen gemäht. Nur hier waren die Nester und brütenden Altvögel der Wiesenvögel bis jetzt vor dem Mähen sicher. Doch es braucht mehr spät geschnittene Blumenwiesen, sonst sterben Braunkehlchen und Baumpieper im Mittelland ganz aus. Im Unterengadin und im Obergoms haben die Vogelwarte Sempach und engagierte Landwirte gezeigt, dass eine vogelfreundliche Wiesennutzung möglich ist.

Am 15. Juni ist es wieder so weit: Ab dem «Nationalen Heutag» in den Tallagen werden die extensiv genutzten Wiesen, so genannte Ökowiesen, gemäht. Nur in den Ökowiesen können die am Boden brütenden Wiesenvögel ihre Jungen aufziehen. Im übrigen Grünland finden sie keine sicheren Brutgebiete mehr, wie die Vogelwarte Sempach in einer Mitteilung berichtet: Mit vier bis sechs Schnitten bereits ab April ist hier nicht an eine erfolgreiche Brut zu denken. Durch das häufige Mähen haben Braunkehlchen, Baumpieper und weitere Wiesenvögel in den Tallagen der Schweiz in den letzten Jahrzehnten massive Bestandseinbrüche erlitten und stehen dort kurz vor dem Aussterben.

Eine Wiese mit vielen Pflanzenarten fördert die Biodiversität.
Eine spät gemähte, blumenreiche Wiese hilft nicht nur den Wiesenvögeln, sondern auch vielen weiteren Tier- und Pflanzenarten und sieht zudem noch wunderschön aus. © Roman Graf

Rückgang um die Hälfte auch in den Höhenlagen

Auch im Berggebiet muss gehandelt werden. Hier werden die Ökowiesen der Höhenlage entsprechend zwar erst ab dem 15. Juli gemäht, so dass den Wiesenvögeln etwas mehr Zeit zum Brüten bleibt. Aber die Vogelwarte konnte im Engadin, einer bisherigen Hochburg der Wiesenvögel, exemplarisch zeigen, dass sich im Zeitraum 1987/1988-2009/2010 die Fläche von extensiv genutzten Wiesen verkleinerte und die der intensiv genutzten Wiesen zunahm. Als Folge davon ging der Bestand von Braunkehlchen, Feldlerche und Baumpieper um rund die Hälfte zurück.

Was dem Braunkehlchen helfen würde

Das Rezept zur Verbesserung der Situation ist bekannt: Mehr spät gemähte extensive Wiesen. Zusammen mit engagierten Landwirten konnte die Vogelwarte bei Tschlin im Unterengadin ein Wiesenvogelgebiet einrichten, im Obergoms Fördergebiete für das Braunkehlchen. Und auf dem Schamserberg im Kanton Graubünden setzt sich die Vogelwarte ein, dass eine der wichtigsten Populationen der Feldlerche in den Alpen nicht einer landwirtschaftlichen Melioration zum Opfer fällt.

Ein Plus nicht nur für die Vögel

Von einer auf grossen Flächen praktizierten späten Mahd profitieren auch Junghasen, zahlreiche Schmetterlinge, Heuschrecken, Orchideen und andere Wiesenblumen, und wir Menschen können uns am tollen Anblick einer schönen, lebendigen Blumenwiese erfreuen

3 Kommentare

  1. Mehr Fordern kann man immer. Ob man es dann auch erhält steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Die meisten Bauern wollen nicht mehr Ököflächen – das ist kein Geheimniss – und auch nicht verwunderlich. Denn die Futterqualität einer Wiese, die erst Mitte Juni gemäht wird ist schlicht schlecht. In der traditionelle Kulturlandschaft wurde dies so auch nie gemacht! Und trotzdem waren damals Wiesenbrüter und viele Insekten weit verbreitet. Damals hat man vielerorts das Vieh im Frühling bis Ende April auf die Weide getrieben und erst danach die Wiese «ins Heu gehen lassen» bis Anfangs Juli und bei mageren Standorten auch später. Dort hin müssen wir wieder zurück. Natürlich können heute aus logistischen Gründen viele Flächen nicht mehr beweidet werden, da die Distanzen zwischen Hof und Ökowiese oft zu weit sind. Aber ein Eingrasen (Mähen mit Balkenmäher und grün Aufladen) ist eine schonende Alternative und bringt eine hervoragende Futterqualität inkl. einem schönen Heu im Juli! Nur: Dafür gibt es keine Subventionen… (bis jetzt)

  2. Eine spät gemähte Wiese hat gleich zwei Vorteile: Sie erfreut die Herzen der Wanderer, so viele, in allen Farben blühende Blumen sind eine Wohltat für die Herzen. Zugleich bieten sie den Vögeln Schutz und ermöglichen die Aufzucht der Jungen, bis dieses flügge sind.
    Ich hoffe, dass noch viele Landwirte sich für die Natur einsetzen und Wiesen für die Vögel stehen lassen.

  3. Sie sagen es Herr Scheibler: Früher war alles anders. Aber was meinen Sie denn mit «traditioneller Kulturlandschaft» Wie waren jene Wiesen zusammengesetzt? Haben z.B. die Wildbienen ihre Brut zu jener guten alten Zeit mit Luft und Liebe versorgt? Sie bleiben uns Ihre Begründung für den Rückgang der Insekten und Bodenbrüter schuldig. Was an der Futterqualität ist «schlicht schlecht», wenn erst Mitte Juni gemäht wird? Niemand will Grünfutter verbieten, dabei geht es nicht um eine Alternative. Wenn, was Sie «schönes Heu» nennen, auf einer Graswüste wuchs, werden die Kühe wohl satt davon, ob es ihnen schmeckt und gut tut, werden sie ja nicht gefragt, sowenig wie die Konsumenten von Milchprodukten. Und dafür, dass diese artenarmen Futterwiesen keine Lebensräume mehr sind, keine Insekten, keine Vögel ernähren, dafür hätten Sie gerne noch Subventionen? Das Leben richtet sich glücklicherweise nicht nach den Wünschen der Bauern. Es verhält sich umgekehrt. Die von Ihnen ungeliebten Ökoflächen sind unser aller Lebensgrundlage.

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