KW_Aarau_Christoph Hoerler

Für eine freie Fischwanderung braucht es auch Abstiegshilfen

  • Kathrin Ruprecht
  • -

Für viele Fischarten, unter anderem den Lachs, ist die freie Durchgängigkeit von unseren Bächen und Flüssen zentral zum Überleben. Kraftwerke verhindern diese oft. Fischaufstiegshilfen sind darum bei den meisten Kraftwerken vorhanden aber Abstiegshilfen, welche die Sterberate der Fische stark reduzieren würden, fehlen fast überall und werden auch bei Neubauten nicht eingeplant.

Viele Fische wandern in ihrem Leben grosse Strecken flussauf- und -abwärts. Seit unsere Flüsse durch Kraftwerksbauten und weitere Querverbauungen unpassierbar geworden sind, erreichen die Fische ihre Laichgebiete nicht mehr. Für Arten wie Aal und Lachs ist die freie Fischwanderung aber von immenser Bedeutung. Diese erstaunlichen Tiere wandern vom Meer bis in unsere Bäche und wieder zurück oder umgekehrt. Wird diese Wanderung verunmöglicht, hat das tragische Folgen: Der Lachs ist in der Schweiz ausgestorben, weil er seine Laichgründe wegen Hindernisse (v.a. Kraftwerksbauten) in Fliessgewässern wie Rhein und Aare nicht mehr erreichen kann.

Zum Schutz der Fische schreibt das Bundesgesetz über die Fischerei die Sicherstellung der Fischwanderung bei neuen Kraftwerksanlagen vor (Art. 9 Abs. 1 lit. b). Fischaufstiegsanlagen sind heute bei den meisten Wasserkraftanlagen Standard – der Weg nach oben ist möglich, schreibt die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva. Fischabstiegsanlagen – ebenfalls wesentlich für die freie Fischwanderung – sind in der Schweiz jedoch nach wie vor selten!

Dies ist auch beim Kraftwerk Aarau leider nicht anders. Fischaufstiegshilfen sind in Planung, der Fischabstieg wird beim Maschinenhaus – trauriger- und illegalerweise – vernachlässigt. Ein sicherer Weg flussabwärts wird den Fischen beim Kraftwerk Aarau weiterhin verwehrt. „Das keine Anstrengungen zur Behebung dieses Missstandes unternommen werden, ist für uns nicht nachvollziehbar“ sagt Benjamin Leimgruber, Projektleiter der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva.

Sicher, über den Fischaufstieg ist mehr bekannt als über den Fischabstieg. Da besteht noch Forschungspotential. Gerade bei grossen Wasserkraftwerken sind viele technische Details noch unbekannt. Aber der reine Verweis auf die fehlenden Techniken zur Sicherstellung des Fischabstiegs ist nicht zulässig und nicht mehr zeitgemäss. Es gibt viele neue Ideen und eine individuelle Betrachtung eines Kraftwerks kann umsetzbare Lösung zu Tage fördern.

Die fünf Hauptkraftwerke am Connecticut River in Neuengland, USA gehen mit gutem Beispiel voran: alle weisen Fischabstiegshilfen auf. Was passiert in der Schweiz in der Praxis? „Wenig, sicher zu wenig! Dabei sind die meisten strömungsliebenden Fische der Schweiz gefährdet. Und die gesetzlichen Forderungen nach einer freien Fischwanderung sind klar“ sagt Benjamin Leimgruber. Es gibt erst an einer Handvoll Kleinwasserkraftwerken in der Schweiz Fischabstiegsanlagen.

Wann wird endlich die erste Fischabstiegshilfe an einem Grosswasserkraftwerk gebaut? „Noch lange nicht, wenn weiter so lasch mit der gesetzlichen Vorgabe umgegangen wird“ ist Benjamin Leimgruber überzeugt. Aqua Viva ist enttäuscht, dass im Rahmen der Umweltabklärungen bei Neubewilligungen von Wasserkraftwerken der Fischabstieg kaum abgeklärt wird und dieser Missstand von den Behörden akzeptiert wird. So ist es auch beim Kraftwerk Aarau. Dabei bietet sich hier die einmalige Gelegenheit, im Rahmen des Neubaus eine Fischabstiegsanlage einzubauen. Ist die Zentrale erst einmal gebaut, wird alles noch schwieriger und teurer. Zudem gibt es bereits einige Ideen zur Verbesserung des Fischabstiegs, durch welche die Sterberate der Fische reduziert werden kann.

Die Chance ist jetzt anzupacken und weitere Abklärungen – ein Fachgutachten zum Fischabstieg und Fischschutz – zu tätigen. Das fordern die Fischerei-, Umwelt- und Gewässerschutzverbände in ihrer Beschwerde. Heute beim Kraftwerk Aarau und in Zukunft auch bei allen andern Kraftwerken.

Aga - Trigon Film

Beitrag kommentieren