mit MM UZH 25.1.17
Frühe Wintereinbrüche führen zu kleineren Schneemäusen. | © Timothée Bonnet, UZH

Früher Schneefall verringert die Körpergrösse bei Mäusen

  • Cécile Villiger
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Mehrere aufeinanderfolgende Winter mit frühem Schneefall bewirken bei jungen Schneemäusen ein verringertes Körpergewicht. Der Grund: Kleinere Mäuse sind ausgewachsen, bevor sich die Wetterbedingungen verschlechtern.

Forschende der Universität Zürich konnten bei wild lebenden Schneemäusen in der Nähe von Chur ein sehr seltenes Ereignis evolutionärer Anpassung «in Aktion» dokumentieren. Sie untersuchten seit 2006 regelmässig eine Population von Schneemäusen (Chionomys nivalis) in ihrem alpinen Habitat oberhalb vom bündnerischen Churwalden in einer Höhe von rund 2000 m. Sie konnten zeigen, dass sich die Wühlmäuse innert weniger Generationen genetisch signifikant veränderten. «Entgegen unseren Erwartungen wurden die untersuchten Tiere nicht etwa grösser. Die evolutionäre Adaption führte dazu, dass die Mäuse kleiner und leichter wurden», sagt Erik Postma, Forschungsgruppenleiter am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der UZH.

Grundsätzlich sind grössere Schneemäuse fitter: Sie verfügen über bessere Fähigkeiten, um zu überleben und sich zu vermehren. Trotz dieser positiven Korrelation auf der Ebene des Erscheinungsbildes , zeigte sich auf der Ebene des Erbguts ein umgekehrter Zusammenhang. «Jene Mäuse, deren genetische Ausstattung zu einem geringeren Körpergewicht führte, waren die fittesten; speziell in Jahren, in denen der erste Winterschnee früher als sonst fiel», führt der Biologe aus. Leichtere Jungtiere, so die Annahme, würden ihre endgültige Grösse früher erreichen, noch bevor sich das Wetter verschlechtert und der Winter einbricht.

Anhand von DNA-Proben rekonstruierten sie zuerst den Stammbaum der Mäusepopulation und damit die verwandtschaftlichen Verhältnisse der Tiere. Dann ermittelten sie mittels statistischen Modellen und quantitativer Genetik die Veränderungsrate jener Gene, die für das Körpergewicht verantwortlich sind. Dieses Vorgehen offenbarte einen Selektionsdruck zugunsten von Jungtieren, die früher ihre maximale Körpergrösse erreichen. «Wir gehen davon aus», ergänzt Erik Postma, «dass die klimatische Veränderung – mehrere hintereinander folgende Jahre mit frühem Schneefall – der Grund für diese evolutive Anpassung des Körpergewichts ist.»

Weder der Selektionsdruck noch die evolutionäre Anpassung hätten mit den gängigen Methoden identifiziert werden können. Denn die Mehrzahl der Studien die untersuchen, wie natürliche Populationen auf Umweltveränderungen reagieren, konzentriert sich vorwiegend auf die Veränderungen des Erscheinungsbildes. Das Fehlen der genetischen Perspektive dürfte bei Wildpopulationen häufig zu einem mangelhaften Verständnis führen, wie Ursachen und Konsequenzen natürlicher Selektion zusammenhängen. Denn in freier Natur werden diese Prozesse von zahlreichen Faktoren mitbeeinflusst. Gerade im Hinblick auf die raschen, von Menschen verursachten klimatischen Veränderungen dürfte die Wichtigkeit evolutiver Adaption von Pflanzen- und Tierpopulationen bisher unterschätzt worden sein.

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