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Fossil vs. Erneuerbar: Was kostet mehr?

  • Sophie Ryser
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Oft wird argumentiert, dass Strom aus erneuerbaren Energien viel teurer sei als solcher aus fossilen Energien. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE liefert nun einen aktuellen Kostenvergleich für die Umwandlung unterschiedlicher Energieformen in elektrischen Strom sowie eine Prognose für die weitere Kostenentwicklung bis zum Jahr 2030. Die Wissenschaftler analysierten sowohl die Stromgestehungskosten (also die Gesamtkosten des Stroms) für erneuerbare als auch konventionelle Energietechnologien in Deutschland.

Die Studie zeigt: Die Stromgestehungskosten von erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind und Biogas sind in den letzten Jahren stark gefallen und haben den Anschluss an die Kosten der konventionellen Stromerzeugungstechnologien wie Braun-, Steinkohle und Gas erreicht. Bis zum Jahr 2030 werden die Kosten für Strom aus Photovoltaik- und Windanlagen in Deutschland sogar unter denen fossiler Kraftwerke liegen. Obwohl Kohlekraft in der Schweiz kein grosses Thema ist, zeigt dieser Vergleich deutlich, dass erneuerbare Energien schon lange nicht mehr hinterher hinken und keineswegs viel teurer sind.

Das Fazit der Wissenschaftler zu Photovoltaik-Anlagen: Kosteneffiziente PV-Freiflächenanlagen, die 2013 in Süddeutschland errichtet werden, können Stromgestehungskosten von rund 0,08 Euro/kWh erzielen. Selbst kleine PV-Aufdachanlagen in Norddeutschland können Strom heute für unter 0,14 Euro/kWh produzieren und liegen damit weit unter dem durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 0,29 Euro/kWh.

Für Windenergieanlagen zeigte sich: An sehr guten Standorten produzieren Onshore-Windenergieanlagen zu geringeren Kosten Strom als Steinkohle- oder Gas- und Dampfkraftwerke. Die Stromgestehungskosten für Onshore-Windenergie liegen heute zwischen 0,05 und 0,11 Euro/kWh. Offshore-Windenergieanlagen kommen auf 0,12 bis 0,19 Euro/kWh. Bei der Offshore-Technologie besteht jedoch noch erhebliches Kostensenkungspotenzial, während dieses bei Onshore-Windenergieanlagen nahezu ausgereizt ist. Biogas-Anlagen kommen abhängig von Auslastung und Brennstoffart auf 0,14 bis 0,22 Euro/kWh.

Als Referenzwerte zieht die Studie die Stromgestehungskosten von neuen konventionellen Braun-, Steinkohle- und Erdgaskraftwerken heran. Abhängig von den angenommenen Volllaststunden, Brennstoff- und CO2-Zertifikatspreisen liegen die Stromgestehungskosten von Braunkohle aktuell bei bis zu 0,053 Euro/kWh, von Steinkohle bei bis zu 0,080 Euro/kWh und von Gas- und Dampfkraftwerken (GuD) bei bis zu 0,098 Euro/kWh.

Bis 2030 wird vorausgesagt, dass die Stromgestehungskosten für Photovoltaik auf 0,06 bis 0,09 Euro/kWh sinken werden. Onshore-Windenergieanlagen werden ihre Stromgestehungskosten gegenüber konventionellen Kraftwerken ebenfalls reduzieren und spätestens 2020 mit Braunkohle vergleichbar sein. Im Vergleich der erneuerbaren Energien untereinander zeigt sich, dass die Kosten von PV und Onshore-Windanlagen zukünftig auf dem gleichen Level deutlich unter 0,10 Euro/kWh liegen. Das Rennen um die Kostenführerschaft werden diese beiden Technologien damit klar gewinnen. Offshore-Windanlagen haben zwar höhere Kosten, aber gleichzeitig den Vorteil höherer Vollaststunden. Den höheren Kosten bei Biomasseanlagen steht ihre Regelbarkeit gegenüber.

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Bild: Pikarl [Public domain], via Wikimedia Commons

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