| Rettet den Regenwald e.V. (Rainforest Rescue) ©  [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
| Rettet den Regenwald e.V. (Rainforest Rescue) © [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Forderung nach mehr Alternativen zu Palmöl in unseren Regalen

  • Julia Hatzl
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«Die Firma kam heimlich von hinten und hat ohne unsere Zustimmung rund um unser Dorf Ölpalmplantagen angelegt», erzählt Pak Tontong aus Nanga Pari. Zerstörte Regenwälder, naturfeindliche Monokulturen, entwurzelte Menschen. Das gleiche Bild findet sich in weiten Teilen Malaysias, Nigerias und Honduras, in denen seit Generation nachhaltig bewirtschaftete Felder und natürliche Wälder Palmölplantagen gewichen sind.

Wie gravierend die Folgen von Palmölanbau für indigene Völker und die Natur sind, ist vielen ein Begriff. Auch ist der Wunsch gross, beim Einkauf auf Produkte, die Palmöl enthalten, zu verzichten. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. An der weltweiten Pflanzenölproduktion beträgt der Anteil von Palmöl mehr als einem Drittel und nimmt weiterhin zu – es zählt bereits zum wichtigsten Pflanzenöl der Welt. Und auf dem Markt gibt es immer weniger Produkte, die kein Palmöl enthalten.

Landraub und Zerstörung

Durch die steigende Nachfrage wird die Produktion auf weitere Teile der Welt, wie beispielsweise Nigeria und Honduras, ausgeweitet, in denen Kleinbauernfamilien genau gleich unter den grossen Investoren und der Zerstörung der Natur leiden. Denn das Geschäft mit Palmöl ist für die grossen Firmen sehr lukrativ, auf anderer Ebene jedoch äusserst ausbeutend und skrupellos. Palmöl lässt sich im Vergleich zu anderen Pflanzenölen sehr schnell und billig gewinnen. Allein Malaysia besitzt 52 000 km2 an Palmölplantagen, was umgerechnet einem Sechstel seiner gesamten Landesfläche entspricht.

Eines der Probleme besteht darin, dass Ölpalmen tiefgründige, gut drainierte Böden und ein gleichmässig feucht-warmes Klima benötigen. Gebiete mit tropischen Regenwäldern oder Torfmoorgebiete eignen sich sehr gut für den Anbau und werden in grossem Stil oft illegal gerodet und trockengelegt. Mit gravierenden Folgen. Bedrohten Arten, wie etwa den Sumatra-Tigern, Orang-Utans und Java-Nashörnern wird der Lebensraum genommen, Ureinwohner und Kleinbauern werden aus ihren Siedlungen vertrieben und verlieren ihre Existenzgrundlage.

Orang-Utans sind nur ein Beispiel für die vielen Arten, die durch die Palmölindustrie an den Rand des Aussterbens gedrängt werden. | © Michelle Bender [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Orang-Utans sind nur ein Beispiel für die vielen Arten, die durch die Palmölindustrie an den Rand des Aussterbens gedrängt werden. | © Michelle Bender [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Der Palmölboom hat massgeblich dazu beigetragen, dass Indonesien heute das Land mit der am schnellsten voranschreitenden Urwaldzerstörung ist. Durch diese massiven Eingriffe werden der Wasserhaushalt und die Böden geschädigt sowie das Weltklima angeheizt. Einerseits werden durch Brandrodungen, andererseits durch die Trockenlegung von Torfmooren tonnenweise an CO2 ausgestossen. Studien konnten belegen, dass Torfmoore wahre Kohlenstoffdioxidbomben sind. Werden sie trocken gelegt, kann das gespeicherte CO2 nicht mehr gehalten werden und entweicht.

Beidseitiges angehen der Probleme

Um die negativen Auswirkungen der Palmölproduktion verringern zu können, müssen die Probleme von zwei Seiten her angegangen werden. Die Art des Anbaus muss sich ändern und der die Nachfrage muss sinken. Hier kommt Brot für alle in Spiel. Die Organisation setzt sich zusammen mit Pro Natura, Mitglied des weltweiten Netzwerkes «Friends of the Earth International» (FoEI), für die betroffenen Gemeinschaften in Honduras, Nigeria und Malaysia ein, um Verbesserungen auf den Plantagen zu erreichen und die weitere Ausweitung der Produktion auf Kosten von Umwelt und Menschenrechten zu verhindern.

Werden Rodungen weiterhin in diesem Masse betrieben, verschwindet der Regenwald bald komplett. | © Rettet den Regenwald e.V. (Rainforest Rescue) [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Werden Rodungen weiterhin in diesem Masse betrieben, verschwindet der Regenwald bald komplett. | © Rettet den Regenwald e.V. (Rainforest Rescue) [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Dass es auch anders geht, zeigt zum Beispiel ein Pilotprojekt im Benin: Auf drei Hektar wird hier getestet, wie man ohne Pestizide und Dünger nachhaltiges Palmöl anbauen kann. So kann man zum Beispiel Mucuna-Bohnen kombiniert mit der Ölpalme anpflanzen. Dadurch erhält die Palme wichtige Rohstoffe und der trockene Boden wird dauerhaft befeuchtet.

Doch wenn die Nachfrage nach billigstem Palmöl ohne Rücksicht auf Verluste gleich bleibt, sind diese Massnahmen nur bedingt wirksam. Denn: Es muss immer noch gleich viel produziert werden. Deswegen ist gleich bedeutend mit Veränderung des Anbaus auch die Veränderung des Konsumverhaltens. In der Schweiz engagieren sich Brot für alle gemeinsam mit Fastenopfer und Pro Natura dafür, dass das Bewusstsein für die Problematik im Zusammenhang mit Palmöl gestärkt wird. Konsumenten sollen dazu animieren werden, auf Produkte mit Palmöl zu verzichten. Nur wenn die Nachfrage sinkt, kann ein wirkungsvolles Umdenken der Grosskonzerne bewirkt werden. Palmöl befindet sich in immer mehr Produkten, die wir für unser tägliches Leben brauchen und wir sind uns dessen nicht einmal bewusst. Achten Sie beim nächsten Einkauf einmal darauf, Sie werden überrascht sein.

Forderung nach mehr Alternativen

In vielen Fällen ist es ersetzbar, jedoch sind auf dem Markt kaum Alternativen ohne Palmöl zu finden. Deshalb rufen Brot für alle und Fastenopfer mit einer Petition die Schweizer Grossverteiler dazu auf, sofort mehr palmölfreie Produkte in die Regale zu bringen. Sind auch Sie der Meinung, dass mehr Alternativen geboten werden müssen?

Auf den Webseiten von Brot für alle und Fastenopfer können Sie die von Pro Natura unterstützte Petition unterschreiben.

 

Mehr Informationen zum Projekt und Palmöl finden Sie auf den Webseiten von Brot für alle, FastenopferFriends of the Earth International, und Greenpeace.

 


Quiz - Palmöl

  • Wissen Sie, in welchen Alltagsprodukten überhaupt Palmöl enthalten ist und wie viel? Machen Sie den Test!

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