© Orniplan AG
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Fliessgewässer: Knapper Lebensraum für Vögel

  • Roman Vonwil
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Nur gerade 3,9 Prozent (70 km) der Fliessgewässerstrecke des Kantons Zürich hat einen hohen bis sehr hohen Wert für die Brutvögel. Eine aktuelle Studie im Auftrag von BirdLife Zürich analysiert die Situation der Brutvögel an Fliessgewässern, identifiziert Defizite und beschreibt Förderungsmassnahmen.

Bäche und Flüsse durchziehen unsere Landschaft wie offene Lebensadern. Von der Quelle bis zur Mündung sind grosse, meist ununterbrochene, reich verästelte Fliessgewässernetze mit grossem Einzugsgebiet entstanden. Starke Niederschläge und grosse Schneeschmelzen führen natürlicherweise zu Hochwassern, die das Fassungsvermögen dieser Fliessgewässer teilweise übersteigen. Deshalb hat der Mensch sie schrittweise und mit grosser Anstrengung gezähmt und gebietsweise in Rohre unter die Erde verlegt. Hochwasserereignisse sind trotz dieser Massnahmen nicht aus der Welt geschafft. Im Gegenteil hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt, dass das Kanalisieren und Einengen von Bächen und Flüssen zu neuen Problemen führt, ja teilweise kontraproduktiv wirkt.

Als Reaktion darauf verpflichtet das neue Gewässerschutzgesetz die Kantone dazu, Fliessgewässer zu revitalisieren. In 80 Jahren sollen schweizweit etwa 25% der insgesamt 10‘000 km wieder in einen natürlichen bis naturnahen Zustand zurück geführt werden. Der Kanton Zürich muss bis Ende Jahr seine Prioritäten für die nächsten 20 Jahre zur Genehmigung beim Bund einreichen. BirdLife Zürich hat sich zusammen mit lokalen Naturschutzvereinen an einer Stellungnahme zu dieser Revitalisierungsplanung beteiligt und viele Verbesserungsvorschläge eingereicht.

Doch worauf kommt es an, damit eine Revitalisierung aus ornithologischer Sicht gelungen ist? Um dies zu beantworten, hat die Orniplan AG im Auftrag von BirdLife Zürich und dem kantonalen Amt für Wasser, Energie und Luft AWEL eine Studie erstellt. Darin werden die Situation der Brutvögel an Fliessgewässern im Kanton Zürich analysiert, Defizite identifiziert und Förderungsmassnahmen beschrieben. Der Schlüssel für bessere Lebensbedingungen für die Vögel an Bächen und Flüssen liegt in genügend grossen und gut gepflegten Gewässerräumen.

Die wichtigsten Schlüsse aus der Studie sind:

  • Von den 139 Brutvögeln im Kanton Zürich lebt ein Viertel ausschliesslich oder bevorzugt in der Nähe von Fliessgewässern.
  • Nur gerade 3,9 Prozent (70 km) der Fliessgewässerstrecke hat aktuell einen hohen bis sehr hohen Wert für die Brutvögel.
  • Viele für Brutvögel relevante Strukturen werden durch dynamische Prozesse, sprich Hochwasser mit Uferanrissen, Kies, Sand- und Schlickablagerungen geschaffen.
  • Der Schlüssel für bessere Lebensbedingungen für Brutvögel an Fliessgewässern liegt in genügend grossen, gut gepflegten Gewässerräumen mit senkrechten Strukturen.

Die wichtigsten Punkte der Studie werden zudem in einer Broschüre kurz präsentiert.

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