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Fleisch: Produktion wichtiger als Herkunft

  • Benjamin Kämpfen
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Ob Rind oder Poulet, Bio oder nicht Bio, aus der Schweiz oder aus Brasilien: Die Produktion von Fleisch wirkt sich auf die Umwelt aus, zum Beispiel durch Entstehung von Treibhausgasen, Überdüngung oder hohen Wasserverbrauch. Dies allerdings in unterschiedlichem Masse, wie Agroscope mitteilte. Wie sich Produktion, Transport und Verarbeitung auf die Umwelt auswirken, haben nun Forschende bei Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch untersucht.

Fütterung wichtiger als Herkunft

Verglichen wurde zum einen Fleisch aus der Schweiz mit Fleisch, welches aus Europa oder Übersee importiert wurde. Ebenfalls untersucht wurden verschiedene Produktionssysteme innerhalb der Schweiz wie Standard- und Bio-Produktion. Das Ergebnis: es ist nicht unbedingt entscheidend, wo produziert wird, sondern vor allem wie. Der Transport vom Hof zur Verkaufsstelle ist lediglich für einen kleinen Teil der Umweltwirkungen verantwortlich. Den weitaus grössten Teil verursacht die landwirtschaftliche Produktion, vor allem die Aufzucht der Tiere und die Produktion ihres Futters.

Effiziente Systeme im Vorteil

Die Verwertung des Futters ist entscheidend für das Ergebnis. So wächst tiergerecht gehaltenes Geflügel langsamer als konventionell gehaltenes und benötigt daher mehr Futter. Das macht sich im Vergleich der Produktionssysteme bemerkbar: Bei den Umweltwirkungen schneidet die tiergerechte Geflügelmast ungünstiger ab. Die Bio-Produktion ist ressourcenschonend und schützt die Ökosysteme dank des Verzichts auf Mineraldünger und Pestizide besser. Andererseits hat sie tiefere Erträge und hat deshalb beim Klima oder den Nährstoffverlusten höhere unerwünschte Wirkungen.

Rinder in der Mutterkuhhaltung ernähren sich von der Milch des Muttertiers und später vor allem von Gras auf der Weide, während in der Grossviehmast zusätzlich Kraftfutter wie Soja eingesetzt wird. Da die Milch in der Mutterkuhhaltung nicht verkauft, sondern vom Kalb direkt verwertet wird, werden die Mutterkühe ganz der Fleischproduktion zugerechnet. Deshalb sind die Klimawirkung, die Ozonbildung oder die Nährstoffverluste bei der Mutterkuhhaltung höher als bei der Grossviehmast, wo die Kühe grösstenteils der Milchproduktion angerechnet werden.

Bio hat andere Vorteile

Bio Suisse nimmt die Ergebnisse mit Interesse zur Kenntnis und weist darauf hin, dass für sie das Tierwohl absolut zentral ist. So leben die langsam wachsenden Bio-Poulet 65 Tage, konventionelle Poulets werden bereits nach 35 Tage geschlachtet. „Ausserdem bedeutet der Verzicht auf Spritzmittel und synthetische Dünger beim Futtermittelanbau einen zehn bis 15 Prozent niedrigeren Ertrag, was die Landnutzungsbilanz negativ beeinflusst“, erklärt Sabine Lubow von Bio Suisse. So oder so: Die Studie macht den Entscheid für den umweltbewussten Konsumenten nicht unbedingt einfacher…

 

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