Fischnetz untersuchte die Gründe des Fischrückgangs

  • Redaktion Naturschutz
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Warum sind die Forellenfänge in der Schweiz seit 1980 um 60% zurückgegangen? Das wollten EAWAG und BUWAL wissen und starteten 1998 das Projekt Fischnetz – gemeinsam mit Kantonen, Fischereiverband, chemischer Industrie und Universität Bern.

1980 wurden in Schweizer Flüssen 1.2 Mio Forellen gefangen, 2001 waren es nur noch 400 000. Klar ist, dass immer weniger Anglerinnen und Angler Patente lösen und dadurch der Fangaufwand abgenommen hat. Damit lässt sich aber nicht der gesamte Rückgang des Fangertrages erklären. Auch die Fischbestände haben abgenommen – dies trotz jährlicher Aussetzung von rund 15 Millionen Fischen unterschiedlicher Altersklassen. Wichtigste Gründe für den Rückgang der Bestände sind der Verlust der Lebensräume, die Chemikalienbelastung, die Infektionskrankheit PKD und höhere Wassertemperaturen.

Fehlende Lebensräume und Chemikalienbelastung: Die Begradigung und Verbauung der Flüsse und die Zerstörung der Ufervegetation liegen teilweise Jahrzehnte zurück. Deren Folgen wie zum Beispiel monotone und schlecht miteinander vernetzte Lebensräume sind aber noch heute wirksam. Sie behindern die Fische und versperren den Zugang zu Laichplätzen. Durch die Isolation der Lebensräume ist auch die genetische Vielfalt der Populationen eingeschränkt. Obwohl die Belastung der Fliessgewässer durch Chemikalien in den letzten 30 Jahren insgesamt markant zurückgegangen ist, haben gewisse Stoffgruppen weiterhin nachweislich eine Wirkung auf den Fischbestand. Hierzu gehören Stickstoffverbindungen, Pestizide und hormonaktive Substanzen.

Infektionskrankheit PKD und Klimaerwärmung: Im Rahmen der Untersuchung der Fischgesundheit wurde auch der erstmals 1979 in der Schweiz nachgewiesene Infektionskrankheit PKD (proliferatve kidney disease) nachgeforscht. Diese Nierenkrankheit konnte in den Jahren 2000 und 2001 an 190 von 462 Standorten festgestellt werden – vor allem in den Gewässern des Mittellandes. PKD führt zu aufgeschwollenen Nieren und häufig zum Tod der Fische. Sie bricht dann aus, wenn die Wassertemperatur länger als 2 Wochen über 15 Grad C liegt. Zwischen 1978 und 2002 haben die Temperaturen der schweizerischen Fliessgewässer um rund 1 Grad C zugenommen. Dieser Anstieg geht vorwiegend auf Klimaveränderungen zurück. Neben der Förderung der Verbreitung der PKD führt der Temperaturanstieg dazu, dass sich der für die Forellen geeignete Lebensraum verkleinert. Den Forellen wird es in den Gewässern des Mittellandes zu warm.
Wichtig für den Bestandesrückgang ist aber auch die kombinierte Wirkung der Einflussfaktoren, die über rein additive Effekte hinausgehen können. Beispiele hierfür sind der temperaturabhängige Ausbruch der PKD oder die Schwächung des allgemeinen Gesundheitszustandes der Fische durch den „Chemikalien-Cocktail“ in den Gewässern.

Massgeschneiderte Massnahmen nötig: Massnahmen müssen unbedingt den lokalen Begebenheiten angepasst werden. In erster Linie sind die Lebensräume zu verbessern. Die Gewässer müssen besser vernetzt werden, die Ufervegetation ist zu fördern und es ist dafür zu sorgen, dass immer genügend Wasser in den Gewässern verbleibt. Für alle relevanten Stoffe sind Qualitätsstandards festzulegen und einzuhalten. Das Gewässerschutzgesetz ist konsequenter zu vollziehen und die Bewirtschaftung der Gewässer muss optimiert werden. Um die langfristige Entwicklung und die Wirkung von Massnahmen verfolgen zu können, ist auch eine systematische Überwachung der Fischbestände nötig.

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