Fischer und NGOs für die Rettung des Doubs

  • Dominique Haiden
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Doubs_FlussDer Doubs stirbt. Einzigartige Fische wie die Doubsforelle sind stark gefährdet. Doch Bund, Kanton Jura und die französischen Behörden schauen weg. Deshalb führten Pro Natura, WWF und der Schweizerische Fischereiverband SFV eine nationale Protestkundgebung durch. Am Samstag, 14. Mai 2011, fand in Goumois eine Kundgebung für die Rettung des französisch-schweizerischen Grenzflusses statt. Die NGOs fordern die Behörden auf, sie in das Dossier einzubeziehen und neue Untersuchungen durchzuführen.

Der Doubs, das bekannte Grenzgewässer zwischen Frankreich und der Schweiz, wird mehr und mehr zur Kloake. Längst wäre es an der Zeit, nach möglichen Verschmutzungsquellen zu suchen und zu eliminieren sowie die extremen Wasserstandsschwankungen zu stoppen – beides kommt als Erklärung für das Fischsterben infrage. Doch ausnahmsweise gelingt es den Umweltorganisationen Pro Natura und WWF Schweiz nicht, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Bisher blieben all ihre Anfragen und Vorschläge ohne Gehör, und auch der Informationsfluss stockt.

Nun wehren sich der Schweizerische Fischerei-Verband, Pro Natura und WWF Schweiz gegen diese ungewohnte Situation. An der Kundgebung in Goumois brachten sie ihre Forderungen laut und deutlich zum Ausdruck: Sie wollen bei der Lösung des Problems miteinbezogen werden und sich auch in der neuen, französisch-schweizerischen Steuerungsgruppe beteiligen. Diese wurde auf Bundesebene mit dem gravierenden Umweltproblem betraut. Lucienne Merguin Rossé, Spezialistin für den Doubs bei Pro Natura, erklärt: „Die Situation hat sich in den letzten beiden Jahren zugespitzt, doch die Behörden stellen sich taub. Vielleicht sind die drohenden Risiken durch versteckte Verunreinigungen der Grund für diese Blockade. Aber wenn man den Kopf in den Sand steckt, verschlimmert sich die Sache nur.“ Thomas Ammann vom WWF ruft ebenfalls zum Dialog und Handeln auf: „Der Doubs ist ein Schmuckstück der europäischen Flüsse. Nur gemeinsam mit Behörden, Kraftwerksbetreiber, Umwelt- und Fischereiverbänden können wir diesen Fluss überhaupt noch retten.“

Auf beiden Seiten der Grenze haben die Fischer nun genug. „Bei jedem Besuch am Doubs finden sie weitere Forellen, Äschen oder Rois du Doubs, die am Verenden oder bereits tot sind“, ärgert sich Charles Kull, Vizepräsident des Schweizerischen Fischerei-Verbands. „Die Fischer fühlen sich im Stich gelassen. Die Behörden nehmen ihre Verantwortung am Doubs nicht wahr.“ Der brutale Schwall-Sunk- Betrieb der Flusskraftwerke und nicht identifizierte Schadstoffe führen zum Absterben der Fauna. Aufgrund des Kalkgesteins mit seinen Hohlräumen und Spalten besitzt der Doubs ein spezielles Einzugsgebiet. Dies bedeutet, dass gründlichere Untersuchungen nötig sind als die Standardanalysen, mit denen sich die Behörden zufrieden geben. Bisher konnten diese Analysen denn auch nichts gegen das Fischsterben ausrichten. In der Loue, einem der Zuflüsse, sind bereits 90% der Fische verendet. Fachleute gehen davon aus, dass dem Doubs dasselbe Schicksal droht, wenn die Behörden nicht endlich reagieren.

Weitere Informationen

Pro Natura

WWF Schweiz

Schweizerischer Fischerei-Verband SFV

Film von Nicolas Germain: (Link zu seinem Blog)

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