Feuerbrand: Bund erlaubt Einsatz von Antibiotikum

  • Redaktion Naturschutz
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Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW hat den Einsatz des Antibiotikums Streptomycin zur Bekämpfung des Feuerbrands örtlich begrenzt und befristet während der Hauptinfektionszeit im Frühling 2008 zugelassen. Die Verwendung des Pflanzenschutzmittels ist an strenge Auflagen gebunden. Der Streptomycin-Einsatz soll die bisher praktizierte Bekämpfungsstrategie ergänzen.
Der WWF Schweiz, Pro Natura und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz sind enttäuscht über diesen Entscheid. Alternative Mittel mit geringeren Nebenwirkungen auf die Umwelt seien vorhanden, schreiben die Organisationen. „Die Behörden ziehen jedoch eine ökologisch fragwürdige Kurzfrist-Lösung einer umfassenden Bekämpfungsstrategie vor.“
Der Einsatz von Antibiotika gegen das Feuerbrandbakterium ist aus verschiedenen Gründen problematisch. Streptomycin greift nicht nur das Feuerbrandbakterium an, sondern auch andere, nützliche Bakterien im Umfeld. Über den Abbau von Antibiotika in der Umwelt und über den Einfluss der entstehenden Abbauprodukte ist heute noch wenig bekannt. Bekannt ist aber, dass mit Rückständen von Antibiotika im Bienenhonig gerechnet werden müsste.
Nicht umsonst ist Streptomycin in der EU verboten. Nur dank einer Ausnahmeklausel darf beispielsweise in Deutschland überhaupt noch Streptomycin eingesetzt werden. Wahrscheinlich wird in der EU auch diese Ausnahmeklausel in naher Zukunft aufgehoben.
Pro Natura, der SVS/BirdLife Schweiz und der WWF fordern, dass es bei dieser einmaligen Bewilligung für den Streptomycin-Einsatz bleibt. Eine umfassende und naturverträgliche Bekämpfungsstrategie müsse von Bund und Kantonen so rasch als möglich umgesetzt werden. (sb)

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WWF, Pro Natura und SVS/BirdLife Schweiz
BLW

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