@ Beat Rüegger
@ Beat Rüegger

Feldlerchenbestand auf Talfahrt       

  • Julia Hatzl
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Der Bestand der Feldlerche im Kanton Zürich hat sich in den letzten neun Jahren halbiert. Dies zeigt eine von BirdLife Zürich in Auftrag gegebene Studie.

Eine Verarmung der Vogelwelt ist bereits seit einigen Jahrzehnten zu beobachten, jetzt hat diese negative Entwicklung jedoch sogar die Feldlerche erfasst. Eine Art, die in den Achtzigerjahren noch als «unverwüstlicher» Allerweltsvogel der intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen wahrgenommen wurde. Eine Trendumkehr erscheint nur denkbar, wenn Fördermassnahmen über staatliche Standards hinausgehen. Hier setzt ein neues Artenförderungsprojekt von BirdLife Zürich an.

Gesang der Feldlerche:

 

Halbierung des Bestands

Der bereits 2008 stark reduzierte Bestand von noch 530 Brutpaaren hat sich bis 2017 nochmals halbiert. Dieses Jahr konnten nur noch ca. 240 Feldlerchen-Brutpaare nachgewiesen werden. Die Feldlerche verschwand innert 9 Jahren aus einem Drittel der 2008 noch besiedelten Gemeinden. Von sieben weiteren typischen Kulturlandarten zeigten zwischen 2008 und 2017 vier einen starken Rückgang, drei Arten sind seit 2008 komplett verschwunden.

Übersichtskarte Vorkommen Feldlerche im Kanton Zürich. Zum Vergrössern bitte Anklicken.
Übersichtskarte Vorkommen Feldlerche im Kanton Zürich. Zum Vergrössern bitte Anklicken.

Die Feldlerche ist ein Singvogel und bewohnt offene Acker- und Wiesengebiete mit reichlich verfügbaren Insekten. Sie bildet zusammen mit anderen am Boden brütenden Vogelarten wie Wachtel, Kiebitz, Baumpieper, Schafstelze, Braunkehlchen, Schwarzkehlchen oder Grauammer eine funktionale Gruppe, die kennzeichnend für ökologisch intakte Landwirtschaftsflächen ist. Diese am Boden brütenden Vogelarten sind in der Schweiz als Ziel- oder Leitarten für die Biodiversitätsförderung im Landwirtschaftsgebiet bezeichnet worden. Noch vor 30 Jahren galt die Feldlerche als Kulturfolgerin. Sie trat selbst in «flurbereinigten» Landwirtschaftsflächen in hoher Bestandsdichte auf. Im Kanton Zürich ist sie inzwischen aus mehreren Kantonsteilen praktisch verschwunden, etwa dem Knonauer Amt, dem Furttal oder dem mittleren Glatttal.

Prognose

Stellt man aufgrund der vorgelegten negativen Wachstumszahl eine Prognose für den Feldlerchenbestand im Kanton Zürich, so dürfte sich der Bestand innerhalb der nächsten acht Jahren nochmals halbieren und ca. im Jahr 2026 unter 100 Brutpaare fallen. Als letzte Lebensräume dürfte sie dann nur noch das Gelände des Flughafens Zürich besiedeln, sowie die Kulturlandflächen bei Stadel, im Rafzerfeld, im Raum Andelfingen und im Stammertal.

Verschiedene Fördermassnahmen für Bodenbrüter im Rahmen der Ökologisierung der Landwirtschaft wie Biodiversitätsförderflächen, Feldlerchenfenster u.a. zeigten selbst für die vergleichsweise anspruchsarme Feldlerche netto keine Wirkung. Nur dort, wo die Fördermassnahmen weiter gingen als die staatlichen oder Label-bezogenen Standards, gab es messbare Erfolge.

Lerchenfenster können ihre Wirkung erst entfalten, wenn sie in hoher Dichte, auf grosser Fläche und in Kombination mit verschiedenen Kulturen und lückigen Bereichen auf Äckern angelegt werden. @ Feldlerchenprojekt Weinland
Lerchenfenster können ihre Wirkung erst entfalten, wenn sie in hoher Dichte, auf grosser Fläche und in Kombination mit verschiedenen Kulturen und lückigen Bereichen auf Äckern angelegt werden. @ Feldlerchenprojekt Weinland

BirdLife Zürich will den Vögeln Aufwind geben

Die 2017 lancierte Kampagne «Vögel im Aufwind» umfasst fünf Schwerpunkte – einer davon ist ein Ackerbrüter-Förderprojekt. Dieses Projekt sensibilisiert Landwirte für die Bedürfnisse von Ackervögeln wie der Feldlerche und zeigt konkrete Fördermassnahmen für diese Arten auf. Zentral sind dabei VertreterInnen unserer lokalen Naturschutzvereine, die «ihre» Bauern kennen und sie über diesen persönlichen Draht zum Mitmachen motivieren. Das Projekt stellt dann eine Fachberatung zur Verfügung, die mögliche Varianten der Feldlerchen-Massnahmen aufzeigt und in den Kontext des jeweiligen Bauern-Betriebs stellt. Die Massnahmen müssen örtlich, zeitlich und vom Aufwand her in die Abläufe eines Bauernhofs passen. Auch finanzielle Überlegungen spielen eine Rolle.

Bei der Massnahme «Weite Reihe»werden regelmässig einige Saatreihen des Ackers ungesät belassen. Das ermöglicht der Feldlerche in den sonst dichten Äckern die Fortbewegung zu Fuss. @ Feldlerchenprojekt Weinland
Bei der Massnahme «Weite Reihe»werden regelmässig einige Saatreihen des Ackers ungesät belassen. Das ermöglicht der Feldlerche in den sonst dichten Äckern die Fortbewegung zu Fuss. @ Feldlerchenprojekt Weinland

In diesem Rahmen sollen – je nach Betrieb – insekten-, blumen- und strukturreiche Flächen wie Brachen neu angelegt werden. Zusätzlich werden auch auf den Äckern selber Massnahmen umgesetzt, beispielsweise Feldlerchenfenster im Getreide, nicht angesäte Reihen oder ein längere Intervalle beim Mähen der Wiesen. In Gebieten mit Vernetzungsprojekten werden die Schnittstellen diskutiert und sinnvolle Synergien genutzt.

Link zum Bericht «Bestandesentwicklung der Feldlerche 2008-2017 im Kanton Zürich»

 

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