© wildBee.ch
© wildBee.ch

Fachstelle Wildbestäuber gefordert  

  • Roman Vonwil
  • 4

Wildbestäuber sind von enormer Bedeutung: Sie tragen zwei Drittel der Bestäubungsleistung von Wild- und Kulturpflanzen und sind unverzichtbar. Doch es geht ihnen schlecht, viele Arten sind bedroht und die Tendenz ist steigend. Deshalb wurde von Experten im «Nationalen Massnahmenplan für die Gesundheit der Bienen» eine Fachstelle Wildbestäuber gefordert. Diese wurde aber bisher vom Bundesrat nicht umgesetzt. An den anstehenden UREK-Kommissionssitzungen am 19./20. Januar und 23./24. Februar haben die Kommissionsmitglieder bei der Kenntnisnahme des Berichts Gelegenheit, sich für eine Fachstelle Wildbestäuber als zusätzliche Sofortmassnahme einzusetzen.

Im Expertenbericht zum «Nationalen Massnahmenplan für die Gesundheit der Bienen» wurde im Mai 2014 unter anderem eine Fachstelle Wildbestäuber empfohlen: Eine Massnahme, die als sehr dringlich, sehr effektiv und mit sehr hoher Priorität eingeordnet und empfohlen wurde. In seinem Bericht dazu hat der Bundesrat vier Sofortmassnahmen beschlossen, bei denen aber Wildbestäuber zu wenig berücksichtigt wurden. Die Naturschutzorganisation wildBee.ch engagiert sich deshalb dafür, dass insbesondere die Fachstelle Wildbestäuber mit umgesetzt wird.

Für die Honigbienen ist einiges in Gang gekommen. So zählt allein das Zentrum für Bienenforschung 14 Mitarbeitende, ein Lehrstuhl wurde eingerichtet, ein Gesundheitsdienst und verschiedene Programme gestartet zur Krankheitsprävention und -bekämpfung. Grosser Handlungsbedarf besteht aber nach wie vor bei den Wildbestäubern. Eine Fachstelle Wildbestäuber könnte hier dafür sorgen, dass künftig auch die Wildbestäuber Aufmerksamkeit finden und mitberücksichtigt werden. So könnte auch weiteren dringend nötigen Massnahmen der Weg bereitet werden, wie einem Monitoring, der Beratung und Ausbildung etc.

Von besonderer Bedeutung ist eine aktualisierte Rote Liste der Wildbienen in der Schweiz. Die letzte Version stammt von 1994 und ist mit ihren über 20 Jahren veraltet. Schon damals wurden 45% der Arten als gefährdet eingestuft. Die Zahl hat sich mit grosser Wahrscheinlichkeit erhöht. Nur mit aktuellen Daten kann eine Analyse der Gefährdungssituation erfolgen sowie Bedürfnisse und Schutz dieser elementaren Tiergruppe ermittelt werden. Es braucht Daten zu ihrem Bestand und in welchem Ausmass sie bei Vergiftungen durch Pflanzenschutzmittel betroffen sind, da Verluste nicht wie bei Honigbienenvölkern von Imkern gezählt werden.

wildBee hat deshalb die UREK-Kommissionsmitglieder gebeten, sich dafür einzusetzen, dass die Fachstelle Wildbestäuber in die Sofortmassnahmen aufgenommen wird und blickt hoffnungsvoll auf die kommenden Kommissionssitzungen. Die Organisation hofft, so den Fokus auf die enorm wichtigen und leider sehr unterschätzten Bestäuber richten zu können.

Unbekannte Wildbienen

Während die Honigbienen und ihr Sterben in aller Munde sind, wissen viele Menschen nur wenig über die weltweit über 20‘000 Wildbienen von denen allein in der Schweiz über 600 Arten leben. Durch Information und Beratung könnte eine Fachstelle Wildbestäuber hier für die Öffentlichkeit, Behörden, Landwirte, Industrie, Forstwirtschaft, Gärtner etc. eine wichtige Funktion erfüllen, die derzeit fehlt.

Schützen können wir nur, was wir kennen. Mit Öffentlichkeitsarbeit und Ausbildung könnte die Fachstelle hier nötige Verbesserungen schaffen. Denn auch im Privaten kann viel für Wildbestäuber getan werden: Mit dem Anpflanzen von heimischen Bäumen, Sträuchern, Stauden und Wildblumen kann die Nahrungssituation wirkungsvoll verbessert werden – auch auf kleinen Flächen im Siedlungsraum wie Balkonen etc. Alle diese kleinen Flächen ergeben zusammen eine wertvolle Ressource. Mit Kleinstrukturen können zudem Nistplätze für die vielen verschiedenen Wildbienen-Arten geschaffen werden: Offene Bodenflächen, Sand-Steilwände und Abbruchkanten, stehende Markstängel, morsches Totholz, Hohlräume in Holz, Trockenmauern. Liegen die Nahrungs- und Nistplätze nahe beieinander, entsteht wertvoller Lebensraum für viele Tierarten, und diese spannenden Naturräume fördern auch die Lebensqualität von uns Menschen.

Zu kurz gekommen

Wildbienen und viele weitere Wildbestäuber kommen bei den aktuellen Diskussionen rund um die Honigbiene und bei den beschlossenen Sofortmassnahmen zu kurz. Eine Fachstelle Wildbestäuber könnte hier wichtiges Gegensteuer geben. Denn die Honigbiene allein kann die nötige Bestäubungsleistung nicht tragen, kann einige Pflanzen gar nicht bestäuben. Hier kommen wichtige Wildbestäuber zum Einsatz, bei denen die Wildbienen die bei weitem wichtigste Gruppe ausmachen. 30% der Arten sind gar auf bestimmte Pflanzen spezialisiert und weit effizientere Bestäuber als die Honigbiene. So sind viele Wildbestäuber wie beispielsweise Hummeln oder Mauerbienen von grosser Bedeutung, damit zukünftig die Bestäubung für landwirtschaftliche Kulturen, die Lebensmittelsicherheit und die Biodiversität sichergestellt ist.

Nur wenige Massnahmen, die zugunsten der Honigbienen getroffen wurden, helfen auch Wildbestäubern. So sind beispielsweise für Wildbienen die geplanten Blühstreifen kaum von Nutzen, wenn in der näheren Umgebung nicht auch gleichzeitig Nistplätze für sie geschaffen werden. Die Inhalte der Samenmischungen sind oft zu einseitig auf Honigbienen ausgerichtet und berücksichtigen die Bedürfnisse und Ansprüche vieler spezialisierter Wildbienen zu wenig. Eine Fachstelle Wildbestäuber kann hier Einfluss nehmen, bei der Optimierung der Mischungen unterstützen und durch Beratung geeignete Habitate fördern.

Friedliche Nützlinge

Wildbestäuber wie Wildbienen, Schwebfliegen, Falter, Käfer etc. und auch die allermeisten Wespenarten sind sehr friedlich und belästigen uns Menschen nicht. Es ist für Gross und Klein sehr spannend, ihr fleissiges Leben von Nahem zu beobachten und zu geniessen.

Mehr Informationen zu Honigbienen und Wildbestäubern und ihrer Bedeutung für Landwirtschaft und Biodiversität sind hier zu finden.

4 Kommentare

  • M.Reck

    Sehr geehrte/er Wild Bee recht herzlichen Dank für die interessanten Informationen und ich hoffe, das ich damit meinen Beitrag im Kleinen somit noch ein bisschen vergrössern kann was mich sehr freuen würde.

    Antworten
  • wildBee

    Liebe/r Frau/Herr Reck
    Bei Samen wie auch Pflanzen sind solche aus biologischem Anbau am besten geeignet. Im konventionellen Anbau sind sie fast immer mit Spritzmitteln und weiteren bienenschädlichen Substanzen behandelt. Petunien (wie auch Geranium & Co), bieten eher wenig Nahrung, hier könnten Sie Hummeln (und vielen weiteren Wildbienen und Bestäubern) eine grössere Freude machen mit heimischen Pflanzen wie Taubnesseln, Flockenblumen, Färberscharte, Abbisskraut, Wundklee, Esparsette, Brunelle, Ziest etc. Vielen Dank für Ihr schönes Engagement für die Bienen und viel Freude mit dem blumigen und bienenbesuchten Balkon … die neue Saison beginnt schon bald :-)

    Antworten
  • Leuenberger Ernst

    Guten Tag,

    Alle verkaufen Wildbienenhotels (Alibi-Übung), aber alle brauchen im Garten, in öffentlichen Anlagen jedes Jahr mehr Gift. Im Moment bin ich (seit einigen Jahren schon) am streiten, dass das Bauamt dies nicht braucht. Der Gemeindeschreiber hat mir gesagt, dass dieses Mittel erlaubt sei, und dass der Kanton dieses Mittel auch einsetze. Nur da wo es eingesetzt wird, ist es nach meiner Meinung absolut verboten.
    Sie brauchen es an Wegrändern. In diesem schneearmen Winter ist sowieso wieder schlimm, die Leute haben nichts zu tun.(Schneeräumung) Unsere machen jetzt wieder nichts anderes, als Sträucher zu schneiden. Hasel und Weide sollte man jetzt, vor der Blüte nicht schneiden. In unserem Dorfzentrum ist eine Salweide, die konnte noch nie blühen. Auch dieses Jahr wurde sie bereits am 12.1.15 geschnitten. Letztes Jahr auch, ich habe direkt bei den Arbeitern reklamiert, und dem Gemeinderat gemeldet, aber scheinbar hats nichts genützt. Dieser erste Pollen wären für alle Insekten lebens-wichtig. Ich halte auch Honigbienen (mehr als 40 Jahre). Damals hatten wir noch keine so grosse Schwierigkeiten. (Weniger Gift, grössere Biodiversität, bessere Luft, sauberes Wasser, usw.)
    Tier des Jahres ! Es hat weder Kompost- Laub-Asthaufen ! Auch in Naturschutzgebieten habe ich Mühe : Auch hier möchten sie alles wegräumen, vernichten saugen blasen usw. Sauber müsse es sein ?
    Als Kompostberater (führe auch Kurse durch) und kant. Feuerbrandkontrolleur kenne ich viele Gärten, steril, die Böden sind kaputt. Ganz schlimm i.M. der Trend, Steingärten müssen her !

    Freundliche Grüsse
    E.Leuenberger

    Antworten
  • M.Reck

    Ich mal eine Frage, sind die Blumensamen die man in Geschäften kauft, unbedenklich für die Bienen oder kann es Stoffe dran oder drin haben die den Bienen schaden ? Da ich Mieterin bin mach ich es einfach so blumig wie möglich auf dem Balkon. Ich ziehe Wiesenblumen in Kübel , aber auch Geranien und Petunien und Gemüse Pflanzen gehören dazu, und mir ist aufgefallen das die Bienen wie auch die Hummeln am liebsten an die Petunien gehen, warum ist das so ?

    Antworten

Beitrag kommentieren