Libanonzeder

Exoten im Schweizer Wald der Zukunft?

  • Nora Kieselbach
  • -

Schon heute machen sich die Waldforscher Gedanken darüber, welche Arten mit dem Klima zurechtkommen werden, welches in der Schweiz in 50 Jahren herrschen dürfte. Im Alpenraum stellt sich das Problem besonders, denn die Auswirkungen von Klimaveränderungen sind hier ausgeprägter als in den Regionen am Meer, die von der ausgleichenden Wirkung der Wassermassen profitieren, schreibt Walter Jäggi vom Tagesanzeiger. Forstexperten schlagen daher vor, Bäume aus wärmeren Zonen anzupflanzen, wo bereits heute ähnliche Klimabedingungen herrschen wie künftig in der Schweiz .

Es wird angenommen, dass sich einige der in der Schweiz üblichen Baumarten nicht schnell genug an die neuen Klimabedingungen anpassen können und daher aus ihren jetzigen Verbreitungsgebieten verschwinden werden. Will man den Schweizer Wald jedoch mit all seinen Funktionen als Schutzwald, Erholungsgebiet und insbesondere Holzlieferant erhalten, sollte laut Forstexperten eingegriffen werden. Sie schlagen daher vor, Bäume aus anderen, d.h. wärmeren Zonen anzupflanzen, sogenannte Gastbäume. Diese sollen in erster Linie Holz für dauerhafte Verwendungen – z.B. im Holzbau – liefern.

Für die bereits laufenden Versuche an der Forschungsanstalt für Schnee, Wald und Landschaft (WSL) wurden sechs Arten von Gastbäumen ausgewählt: Bornmüllers Tanne, Rumelische Föhre, Orientbuche, Silberlinde, Libanonzeder und westliche Hemlocktanne. Die aus Bulgarien, der Türkei und den USA stammenden Samen werden gegenwärtig in einer Baumschule zu Jungbäumen aufgezogen; Später sollen die Gastbäume auf zwei grossen Versuchsparzellen im Wallis und am Jurafuss gepflanzt und während einigen Jahren beobachtet werden.

Die Gastbaum-Forschung will herausfinden, wie gut sich die Exoten an neuen Standorten entwickeln und ob sie mit der vorherrschenden Bodenchemie, Krankheiten, Schädlingen und dem hiesigen Wetter zurechtkommen. Beim Klima wird von einer um zwei Grad höheren Durchschnittstemperatur bis 2050 ausgegangen. Noch viel wichtiger als die steigenden Temperaturen sind aber die zu erwartenden Extremereignisse: ausgeprägte Trockenheitsperioden haben bereits zugenommen, was sich auf bestimmte Baumarten stark auswirkt. Mit der Trockenheit wächst gleichzeitig auch die Waldbrandgefahr. Zugenommen haben zudem Stürme, welche die Bäume belasten. Und Schädlinge wie der Borkenkäfer dürften ebenfalls von den Klimaveränderungen profitieren, da die Waldbäume grundsätzlich mehr gestresst sein werden.

Viele Probleme der heimischen Arten aufgrund der Klimaerwärmung sind schon gut untersucht: Buchen an feuchten Standorten reagieren beispielsweise empfindlich auf Trockenstress und Eichen sowie Eschen sind bessere Wassersparer als Bergahorn, Buche, Sommerlinde und Vogelkirsche. Während die Buche bis 2050 im schweizerischen Mittelland wenig gefährdet sein dürfte, bekommt dort die Fichte (Rottanne) immer mehr Probleme –und die Nadelholzwälder werden tendenziell gegenüber den Laubholzwäldern an Flächenanteil verlieren.

Wenn in einigen Jahren konkrete Erfahrungen mit den Gastbäumen vorliegen, werden die Experten der WSL „vorsichtige Anbauempfehlungen“ formulieren. Ob es dann gezielte Förderaktionen gibt, mit denen die Waldbesitzer zum Pflanzen der Gastbäume veranlasst werden, kann noch nicht gesagt werden.

Weitere Informationen

Eidg. Forschungsanstalt für Schnee, Wald und Landschaft (WSL)

Bild: Olivier Bezes (Wikimedia Commons)

Beitrag kommentieren