Mündungsdelta Fluss Moraca in Skutari See

Europas „Blaues Herz“ bedroht

  • Nora Kieselbach
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Nirgendwo sonst in Europa gibt es eine vergleichbar grosse Zahl natürlicher und unzerstörter Flusslandschaften wie auf dem Balkan. „Es besteht jedoch die akute Gefahr, dass das „Blaue Herz Europas“ und damit ein über Jahrmillionen gewachsenes, einzigartiges europäisches Naturerbe mit einem Schlag zerstört wird“, warnt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der europaweit tätigen Naturschutzstiftung EuroNatur in einer aktuellen Medienmitteilung.

Bisher waren diese Naturschätze selbst unter Experten weitestgehend unbekannt. EuroNatur und die österreichische Naturschutzorganisation ECA Watch haben nun zwei Studien in Auftrag gegeben, welche die ökologische Bedeutung der Flüsse auf dem Balkan erstmals belegen. Zum Untersuchungsgebiet zählten sämtliche Länder des ehemaligen Jugoslawien, Albanien sowie die grenzübergreifenden Fluss-Einzugsgebiete im Dreiländereck zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei. Knapp ein Drittel dieser Lebensadern sind noch in einem ursprünglichen Zustand und von Menschen so gut wie nicht verändert. In Albanien und Mazedonien beträgt der Anteil der natürlichen Flüsse sogar zwei Drittel.

Noch zählt das „Blaue Herz Europas“ zu den Hotspots der Biodiversität. Doch genau dieser sensiblen und einzigartigen Vielfalt droht jetzt ein Generalangriff der Wasserbaulobby, denn nahezu alle Balkan-Flüsse sollen für die Wasserkraftnutzung ausgebaut werden. Nach Recherchen von EuroNatur und ECA Watch sind derzeit 573 grosse Wasserkraftwerke (mit mehr als einem Megawatt Leistung) geplant. Hinzu kommt ein Netz aus unzähligen kleineren Anlagen. Selbst hochrangige Schutzgebiete bleiben von den Plänen nicht verschont. So will die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (engl.: EBRD) mitten im zweitältesten und grössten Nationalpark Mazedoniens, dem Mavrovo-Nationalpark, den Bau eines grossen Staudamms zur Stromgewinnung fördern. Zu den besser bekannten Opfern der Ausbaupläne zählt unter anderem auch die Save und damit eines der letzten natürlichen Flusssysteme Mitteleuropas. Mehr als 100 Wasserkraftwerke und Staustufen sind hier vorgesehen – sowohl am Hauptfluss als auch an den Nebenflüssen.

Weitere Informationen

EuroNatur
ECA Watch

Bild: © Schwarz Ulrich FLUVIUS

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