© Rørdrum (Eigenes Werk - 2. Oktober 2010) [Public domain], via Wikimedia Commons
© Rørdrum (Eigenes Werk - 2. Oktober 2010) [Public domain], via Wikimedia Commons

Eschentriebsterben nun auch im Tessin und Graubünden

  • Nicole Wabersky
  • -

Das seit den 2008 in der Schweiz beobachtete Triebsterben der Esche hat sich 2013 in der Schweiz weiter ausgebreitet und verstärkt. Der Erreger hat nun den Sprung ins Tessin geschafft und auch die Seitentäler Graubündens und der Voralpen sowie die Romandie bis Genf sind davon betroffen Dies zeigen aktuelle Auswertungen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.

Der aus Ostasien stammende Erreger des Eschentriebsterbens wird je nach Erscheinungsform als Hymenoscyphus pseudoalbidus oder als Chalara fraxinea bezeichnet. In Europa wurde dieser Pilz in den 1990er Jahren erstmals in Polen beobachtet. Seit 2008 sind auch Eschen in der Nordschweiz befallen und seit 2013 tritt die Krankheit auch auf der Alpensüdseite in Erscheinung. An abgefallenen Blattstielen in der Bodenstreu eines Waldes bei Faido (TI) wurden die ersten Fruchtkörper des Pilzes entdeckt (Thomas Sieber, ETH Zürich; persönliche Mitteilung).

Die Sporen des Erregers müssen entweder durch den Wind über die Alpen oder mit infizierte Blättern beim Warentransport ins Tessin gelangt sein. Im April 2014 wurden auch im Valle Maggia bei Riveo und im Val Bavona bei Foroglio junge Eschen mit eindeutigen Krankheitssymptomen entdeckt. Das Eschentriebsterben dürfte sich nun auch im Tessin schnell ausbreiten. Bis heute wurde die Krankheit in der Schweiz ausschliesslich an der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior) festgestellt, dem nach der Buche zweithäufigsten Laubbaum in unserem Land.

Die landesweiten Auswertungen der Fachstelle Waldschutz Schweiz an der WSL zeigen, dass die Krankheit sowohl im Kanton Graubünden als auch in den Voralpen weiter in die Seitentäler vorgedrungen ist. In der Westschweiz sind nun auch Eschen entlang des Genfersees erkrankt. In vielen Befallsgebieten des Schweizer Mittellands meldeten die Forstkreise eine Zunahme des Befalls in Alt- und Jungbeständen. Eschen auf feuchten Böden oder auf Standorten mit hoher Luftfeuchte sind verstärkt von der Pilzkrankheit betroffen.

Alljährlich sich wiederholender Befall führt besonders bei jungen Eschen zu einem raschen Tod. Alte Bäume hingegen überleben oft mehrjährigen Pilzbefall. Der Anteil an toten Ästen im Kronenbereich nimmt dadurch zu. Je stärker der Befall, umso eher ist auch mit dem Verlust alter Eschen zu rechnen, wenn auch nicht auf grosser Fläche.

Bei stark von der Krankheit geschädigten Eschen droht das Abbrechen von dicken Ästen, wodurch an exponierten Stellen Personen und Sachwerte Schaden erleiden können. Zusätzlich sind betroffene Eschen durch Fäulnis des Wurzelstockes weniger standfest und können bei Waldarbeiten und bei Sturm eine Gefahr darstellen. Deswegen empfiehlt die WSL laut Mitteilung, Eschen mit mehr als etwa 70 Prozent Kronenschäden an riskanten Orten vorzeitig zu fällen.

Beitrag kommentieren