Am ersten europäischen Fluss-Gipfel forderten Teilnehmer aus rund dreissig Länder, die Zerstörung der Flüsse durch Wasserkraftwerke zu stoppen. © tuproyecto. via pixabay.
Am ersten europäischen Fluss-Gipfel forderten Teilnehmer aus rund dreissig Länder, die Zerstörung der Flüsse durch Wasserkraftwerke zu stoppen. © tuproyecto. via pixabay.

Erster europäischer Fluss-Gipfel in Sarajevo

  • Redaktion Naturschutz
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Beim ersten Gipfel zur Rettung der europäischen Flüsse wurden über Massnahmen diskutiert, um die Zerstörung von Europas Flüssen durch Wasserkraft zu stoppen. Die Zusammenkunft endete mit der Forderung der Teilnehmer an die EU und Regierungen, die Flüsse in einen guten ökologischen Zustand zu bringen.

Sarajevo wurde zwischen dem 27. und 29. September zum Zentrum für europäische Flussschützer und Staudammgegner. Beim ersten «European Rivers Summit» diskutierten 250 Personen aus über 30 Ländern, wie die Zerstörung von Europas Flüssen durch Wasserkraft gestoppt werden kann. Auch die Frage, wie die letzten freifliessenden Flussjuwelen langfristig geschützt und jene, die bereits zerstört wurden renaturiert werden können, beschäftigte die Teilnehmer.

Forderung an Politik und Industrie: Flüsse bis 2027 in guten ökologischen Zustand bringen

Die Teilnehmer formulierten eine Liste an Forderungen adressiert an die relevanten Entscheidungsträger in Politik und Industrie. In dieser Deklaration fordern die Flussschützer die EU Kommission, die Energieindustrie, internationale Banken und nationale Regierungen auf, die Finanzierung und Förderung von Wasserkraftprojekten als grüne und erneuerbare Energiequelle zu stoppen. Diese Forderungen zielen darauf ab, die Ziele der EU Wasserrahmenrichtlinie erfolgreich zu implementieren und somit Flüsse bis 2027 wieder in einen guten ökologischen Zustand zu bringen.

Die grösste Bedrohung ist der Ausbau der Wasserkraft

Aktuell sind Flüsse die am meisten gefährdeten Habitate weltweit. 81 Prozent der globalen Süsswasser Populationen sind bereits verloren – das ist ein höherer Anteil als in jedem anderen Ökosystem. Laut dem Europäischen Umweltbüro (EEB) sind europäische Fliessgewässer so stark degradiert, dass sie funktionierende Ökosysteme nicht mehr länger erhalten können. Die Hauptbedrohung für die Intaktheit der Flüsse ist der massive Ausbau der Wasserkraft, der durch den grünen Mythos, der der Wasserkraft anhängt und Förderungsmechanismen wie Einspeisetarife vorangetrieben wird. In der EU sind laut dem EEB 25.000 Wasserkraftwerke registriert, wobei Kleinwasserkraftwerke in dieser Zahl nicht enthalten sind – die tatsächliche Zahl ist daher noch viel grösser. Fast zwei Drittel der europäischen Flüsse sind in einem schlechten ökologischen Zustand.

Wasserkraftwerke zerstören nicht nur fundamental die Biodiversität von Flusshabitaten, sondern verwandeln einen dynamischen Fluss in einen monotonen Wasserkörper. Zudem ist Wasserkraft keine absolut klimaneutrale Energiequelle, wie eine Studie herausfand. Denn Stauseen sind eine Quelle für Treibhausgas-Emissionen. Zusätzlich haben Dämme auch soziale Auswirkungen. Weltweit leiden 500 bis 750 Millionen Menschen unter den direkten oder indirekten Auswirkungen von Staudämmen.

Auch die Flüsse im Balkan stehen unter Druck

Glücklicherweise gibt es in Europa noch eine Region, die frei fliessende Flüsse hat: der Balkan. Aber auch diese Juwelen stehen unter großem Druck durch etwa 2.800 geplante Wasserkraftwerke. Um ein Zeichen gegen diese Zerstörung zu setzen, wurde der erste europäische Flussgipfel in Sarajevo abgehalten. Beginnend in diesem Jahr wird künftig alle zwei Jahre in einer anderen europäischen Region ein European Rivers Summit stattfinden. Der nächste Gipfel findet 2020 in Portugal statt.

Naturschutz.ch berichtete über die aktuelle Situation der Wasserkraftwerke in der Schweiz.

Der erste European Rivers Summit wurde von Riverwatch und Center for Environment organisiert und im Rahmen einer neu formierten Allianz diverser europäischer NGOs ausgeführt. Zu den NGOs gehören Riverwatch, EuroNatur, WWF Adria, Wetlands International und Rios livres (GEOTA) aus Portugal.

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