© Kapo ZH
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Erneute Vergiftung von Wanderfalken

  • Kathrin Ruprecht
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Der Krimi um die Vergiftung von Wanderfalken geht weiter. Erneut wurden zwei dieser Grossfalken durch  Tauben, die mit Gift präpariert wurden, getötet. Nun hat SVS/Birdlife eine Belohnung von bis zu 10’ooo Franken für Hinweise auf die Täterschaft ausgeschrieben.

In Zürich sind, wie die Kantonspolizei mitgeteilt hat, erneut geschützte Wanderfalken in der Nähe des Brutplatzes vergiftet worden. Eine vom SVS/BirdLife Schweiz koordinierte Arbeitsgruppe hatte bereits vor wenigen Wochen von mehreren Vergiftungsfällen am seltenen Grossfalken berichtet.

Der SVS/BirdLife Schweiz protestiert gegen die Vergiftung von Wanderfalken durch unbekannte Täter und fordert eine rasche Aufklärung der Vergiftungsfälle. Dank des Beitrags einer Stiftung kann der SVS/BirdLife Schweiz eine Belohnung von bis zu 10’000 Franken aussetzen für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des oder der Täter führen. Details dazu finden Sie unter www.birdlife.ch/wanderfalke.

Mehrere Passanten beobachteten in der vergangen Zeit Wanderfalken in der Region Hagenholz/Aubrugg, berichtet die Kantonspolizei Zürich. Am Montagabend (16.3.2015) meldete sich ein Wildhüter bei einem Spezialisten des Tier- und Umweltschutzes der Kantonspolizei Zürich und fragte nach dem Verbleib der Wanderfalken. Die Kantonspolizei Zürich machte sich umgehend auf die Suche nach den verschwundenen Tieren. Auf dem Plateau des Holzheizkraftwerkes (HHKW) Aubrugg konnte ein vermisstes Wanderfalken-Weibchen und zusätzlich ein weiteres Weibchen tot aufgefunden werden.

Neben beiden Vögeln lagen je eine tote Taube. Weitere polizeiliche Ermittlungen ergaben, dass die Greifvögel mittels diesen Tauben getötet wurden. Durch unbekannte Personen wurde auf den Nacken der Tauben ein flüssiger Giftstoff aufgetragen und anschliessend bei Anwesenheit eines Vogels in dessen Richtung fliegen gelassen. Im Anschluss schlugen die Wanderfalken die präparierten Tauben und verbrachten sie an den Rupfplatz auf dem Hochkamin. Beim fressen der Beute kamen die Vögel mit dem Gift in Kontakt und verendeten. Weiter wurde herausgefunden, dass eines der Vogelweibchen kurz vor der Brut stand.

Gemäss Untersuchungen durch Spezialisten des Forensischen Instituts Zürich (FOR) handelt es sich beim Gift um ein Frass- und Kontaktgift.

Vor etwa drei bis vier Jahrzehnten brach der Brutbestand zusammen. Die Population des Wanderfalken erholte sich danach und nun sind wieder mehrere Brutplätze dieser geschützten und potenziell gefährdeten Vogelart besetzt. Wanderfalken sind hochspezialisierte Vogeljäger. Ihre Nahrung besteht fast ausschließlich aus kleinen bis mittelgroßen Vögeln, die im freien Luftraum erjagt werden. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass zwecks Vergiftung dieser Greifvögel jeweils eine mit Gift präparierte lebende Taube, eine sogenannte Kamikaze-Taube, in der Nähe einer Warte oder eines Horstes, bei Anwesenheit eines Wanderfalken, zielgerichtet fliegen gelassen wurde.

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