© moritz320 [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
© moritz320 [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Erhöhung von Fangquoten bedroht Thunfischbestände

  • Julia Hatzl
  • -

Die EU und andere Fischereinationen beraten kommende Woche über eine drastische Erhöhung der zulässigen Gesamtfangmenge an Blauflossen-Thun im Ostatlantik und Mittelmeer. Diese rasche Erhöhung der Fangquote wird eine vollständige Erholung der Thunfischbestände zu beeinträchtigen drohen.

Der WWF Österreich warnt in einer Mitteilung nachdrücklich vor einer raschen Erhöhung der Fangquoten. Nach mehr als zehnjährigem Ringen um die Rettung und nachhaltige Bewirtschaftung des bedrohten Bestands schlägt der wissenschaftliche Beirat der Internationalen Kommission zur Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik ICCAT eine Erhöhung der zulässigen Gesamtfangmenge auf 36.000 Tonnen bis 2020 vor. Dies entspricht mehr als dem Doppelten der Quote für 2015, erklärt aber gleichzeitig, dass sich der Bestand noch nicht erholt hat. Dieselben Wissenschaftler warnen davor, dass eine solche Fangmenge die Bestände an Blauflossen-Thun in den kommenden Jahren verringern könnte.

«Der Blauflossen-Thun-Bestand ist noch nicht bereit, eine solch rasche Zunahme der Fangmengen zu verkraften. Wir haben mehr als zehn Jahre gebraucht, um diesen Thunfisch wieder zurück in unsere Meere zu bringen. Die Aussicht auf kurzfristige Profite darf nicht dazu führen, ihn wieder zu verlieren», warnt Simone Niedermüller, Fischerei-Expertin des WWF Österreich.

Die EU schlägt vor, den 2007 verabschiedeten und 2022 auslaufenden Erholungs-Plan zu unterbrechen. Der WWF befürchtet eine Schwächung des Managements der Blauflossen-Population im Zuge von Neuverhandlungen.

«Bisherige Maßnahmen zur Bestands-Erholung zeigen erste positive Wirkung, der Blauflossen-Thun ist nicht mehr überfischt. Wir fordern die Regierungen dazu auf, eine vollständige Erholung der Art abzuwarten statt diese Erfolge aufs Spiel zu setzen», ergänzt Niedermüller.

Nur geringe Erhöhung der Fangquote gefordert

Der WWF empfiehlt eine Quote von 28.000 Tonnen bis 2020, um weiteres Bestands-Wachstum zu ermöglichen. Der Erholungs-Plan muss fortgeführt werden, bis Wissenschaftler die Bestände für erholt erklären. Der WWF fordert, Kleinfischereien – die in den letzten zehn Jahren vom Zugang zu den Beständen nahezu ausgeschlossen waren – höhere Quoten zuzuweisen. Auch die unbekannten Auswirkungen der noch immer vermuteten illegalen, nicht-gemeldeten und unregulierten (IUU) Fischerei im Mittelmeer verlangen nach mehr Aufmerksamkeit.

«Der Wiederaufbau des Blauflossen-Thunfisch-Bestands war und ist eine große Herausforderung. Wir müssen aus der Vergangenheit lernen und Geduld üben, bis sich die Bestände erholt und stabilisiert haben. Setzen wir den erfolgreichen Weg der letzten Jahre fort statt eine Kehrtwende einzuleiten, wird dies bald gelingen», schließt Niedermüller.

Beitrag kommentieren