© G. Brändle, Agroscope [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
© G. Brändle, Agroscope [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Erfolgskurs der Landwirtschaft bestätigt Biodiversitätsförderung

  • Judith Schärer
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Die neuen Bestimmungen in der Agrarpolitik 2014-17 wurden teilweise stark kritisiert. Aktuelle Zahlen zeigen jedoch: Die Landwirte ziehen mit, verdienen mehr und die Biodiversität wird besser gefördert.

Letztes Jahr traten verschiedene Änderungen in der Agrarpolitik in Kraft und wurden zum Teil als unrealistisch kritisert, da sie stark auf die Biodiversitätsförderung und weniger auf die mengenmässige Produktion setzten. Dies berge eine finanzielle Unsicherheit für die Landwirtschaftsbetriebe. Neue Zahlen zum Einkommen in der Schweizer Landwirtschaft, welche von der Forschungsanstalt Agroscope publiziert wurden,  zeigen jedoch, dass sich dank dem neuen System das Einkommen der Betriebe sogar erhöht hat. Um über 10% ist das Einkommen gegenüber dem Vorjahr pro Betrieb gestiegen. Das zeigt: Für viele Bauernfamilien geht die Rechnung auch mit der Agrarpolitik 2014-17 auf. Und zwar nicht trotz, sondern auch aufgrund verstärkter ökologischer Anreize.

Bereits frühere Zahlen zeigten, dass die Schweizer Bäuerinnen und Bauern zudem sehr zahlreich mitmachen bei den erweiterten Möglichkeiten in der Biodiversitätsförderung, beispielsweise bei den Landschaftsqualitätsbeiträgen (wir berichteten). Die gestiegenen Einkommenszahlen verdeutlichen heute zusätzlich: Der eingeschlagene Reformweg Richtung standortgerechte Landwirtschaft stimmt.

Pro Natura verurteilt Verunsicherungstaktik des Bauernverbandes

Der Schweizer Bauernverband hatte als Reaktion auf die Massnahmen zur Biodiversitätsförderung die «Ernährungssicherheitsinitiative» lanciert. Man kritisierte, dass die Bauern als Nahrungsmittelproduzenten nicht mehr ernst genommen würden und unter den neuen Biodiversitätsförderungsmassnahmen leiden würden. Sowohl die Initiative des Verbandes wie auch der Gegenvorschlag des Bundesrates wurden von Pro Natura klar abgelehnt (wir berichteten). Durch die neuen Zahlen bestärkt,  ruft Pro Natura den Schweizer Bauernverband nun dazu auf, die Bäuerinnen und Bauern auf dem eingeschlagenen, offensichtlich erfolgreichen Weg zu unterstützen, anstatt mit seiner unnötigen und rückwärtsgewandten «Ernährungssicherheitsinitiative» Verunsicherung zu streuen.

2 Kommentare

  • Tabea Kipfer

    Die Autorin des Artikels wirft dem Schweizerischen Bauernverband vor, er streue mit seiner Initiative Verunsicherung. Schade nur, dass sie selber nicht in der Lage ist, die neuen Instrumente der AP14-17 und deren Wirkung für die Biodiversitätsförderung differenziert zu beleuchten und Naturschützer mit gut recherchierten Facts zu beliefern als lediglich eine Communiqué von Pro Natura zu kopieren und etwas zu ergänzen.
    Wer nämlich die Medienmitteilung des Agroscope genau liest, wird feststellen, dass sich das bäuerliche Einkommen im 2014 nicht wegen des neuen Beitragssystems verbessert hat, sondern insbesondere wegen hervorragender Ernte bei Raps, Futtergetreide, Zuckerrüben, Mais und Obst sowie wegen höheren Erträgen aus der Tierhaltung (da insgesamt der Bestand von Milch- und Mutterkühen pro Betrieb zugenommen hat). Daneben ist die Höhe der Direktzahlungen pro Betrieb lediglich um 1.1% gestiegen und wird in der Analyse des Agroscope auf die steigende Betriebsgrösse zurückgeführt. Der fortschreitende Strukturwandel beeinflusst die publizierten Kennzahlen also viel stärker als die Änderungen des Direktzahlungssystems im Rahmen der AP14-17. Heikel ist es zudem, mit Durchschnittswerten über alle 4 Zonen zu argumentieren, führten die neuen Beitragsansätze zu einer massiven Verschiebung der Zahlungen vom Tal- ins Berggebiet.
    Die Autorin lobt, wie zahlreich die Schweizer Bauern bei den Landschaftsqualitäts(LQ)-Projekten mitmachen würden. Aber ist denn die schiere Anzahl der Betriebe ein gutes Mass für den Effekt dieses neuen Beitragsinstrumentes in der Landschaft draussen? Die Rechnung ist einfach: Wenn bald flächendeckend LQ-Projekte gestartet sind und sich die Bauern rege daran beteiligen, bedeutet das unter dem Strich weniger Geld pro umzusetzende Massnahme auf einem Betrieb. Einige Kantone sind dazu übergegangen, Massnahmen vorzuschlagen, die auf Biodiversitätsförderflächen beruhen und auf vielen Betrieben bereits in Umsetzung sind. Diese können nun direkt angemeldet werden, um – ausgedrückt in den Worten des Zuständigen bei einem kantonalen Landwirtschaftsamt – möglichst viele Beiträge beim Bund abzuholen. Die Ansätze pro Massnahme sind oftmals sehr bescheiden und Neuanlagen rechnen sich nicht (Wer möchte beispielsweise im Kanton Bern für läppische 20 Fr. einen Lesesteinhaufen aufschichten oder für 40 Fr. einen Holzbrunnen auf der Weide installieren?). Mit der nun eigeleiteten Umsetzung der Landschaftsqualität nach dem Giesskannenprinzip sind wir noch meilenweit davon entfernt, dass die Landwirte finanziell in der Lage sind, die wirklich wichtigen und typischen Landschaftselemente zu pflegen und zu erneuern. Ich denke dabei an sehr spezifische, kostenintensive Massnahmen wie beispielsweise das Instandsetzen und Unterhalten von Wässergräben im Dreieck Zofingen-Langenthal-St.Urban, um die traditionelle Kulturlandschaft der Wässermatten zu erhalten. Oder an die Erneuerung der Hochstamm-Obstgärten im Oberbaselbiet und im Aargauer Jura, damit diese trotz zerfallenden Preisen für (Most-)Obst längerfristig erhalten bleiben. Oder an die Kastanienselven im Tessin und in den Bündner Südtälern, wo der Steilheit wegen von Hand geheut werden muss und der Abtransport per Helikopter teuer kommt. Oder an die Suonen im Wallis, an denen mangels Unterstützung der Talgemeinden an das Gemeinwerk der Bergdörfer nur mehr die allernötigsten Reparaturen vorgenommen werden können. Oder die Förderung einer vielfältigen Fruchtfolge auf den Ackerbaubetrieben des Mittellandes, die Einschränkungen beim Abnehmer in Kauf nehmen müssen, wenn sie Getreidekulturen auf einer Fläche, die kleiner als 1ha ist, anbauen. Es gäbe noch viele solcher Beispiele aufzuzählen, die allesamt auch Biodiversitäts-relevant sind. Aus meiner Sicht ist aber die Umsetzung der Landschaftsqualität, wie sie jetzt flächendeckend in homöopathischer Dosis erfolgt, verfehlt.
    Ob die Reformen der AP14-17 mit den neuen Instrumenten und den neuen Beitragsansätzen effektiv greifen, darüber kann uns erst das Monitoringprogramm „Arten und Lebensräume Landwirtschaft“ – ALL-EMA Auskunft geben. Es ist also sicherlich noch verfrüht, jetzt schon einen Freudeschrei über die AP14-17 ertönen zu lassen, Frau Judith Schärer!

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    • Judith Schärer

      Sehr geehrte Frau Kipfer
      Vielen Dank für Ihre ausführlichen Gedanken zum Artikel und zum Thema allgemein. Ich verstehe Ihren Unmut darüber, dass die Berichterstattung vielleicht etwas einseitig beleuchtet daherkommt. Tatsächlich lautet der unterste Titel ja „Pro Natura verurteilt Verunsicherungstaktik des Bauernverbandes“ und stellt daher die explizite Meinung einer Organisation (und nicht jene der Autorin) dar, was nicht mit einer objektiven Berichterstattung zu vergleichen ist. Die Berichterstattung beschränkt sich lediglich darauf, dass die Einkommen scheinbar zugenommen haben. Dass dies nicht ausschliesslich mit dem neuen Agrarsystem zu tun haben muss, ist natürlich vollkommen korrekt. Allerdings soll der Artikel aufzeigen, dass die befürchteten negativen Folgen der Umstellung bisher ausblieben und mit Spannung die weitere Entwicklung erwartet werden darf. Natürlich ist ein „Freudenschrei“ vielleicht noch etwas verfrüht aber ein hoffnungsvolles Vorausblicken ist aus meiner Sicht durchaus angebracht. Wir bleiben auf alle Fälle gespannt, wie sich die Situation weiter entwickeln wird.


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