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Erfolgreicher Griff ins Klo

  • Nora Kieselbach
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Schweizer Forscher der Eawag haben zusammen mit dem Designbüro EOOS aus Wien für ihre neue Toilette „diversion“ am Wettbewerb „Re-Invent the Toilet“ einen mit 40’000 US Dollar dotierten speziellen Anerkennungspreis der „Bill and Melinda Gates Foundation“ gewonnen.

Weltweit haben immer noch 2,6 Milliarden Menschen keinen Zugang zu einer richtigen Toilette. Am „Re-Invent the Toilet-Challenge“ (RTTC) nahmen 22 Universitäten und Forschungsanstalten teil, um die Toilette der Zukunft zu erfinden. Die Bedingungen: Das neue Klo sollte ohne Kanalisation und Fremdenergie auskommen, in Stoffkreisläufe eingebaut sein und durfte nicht mehr als fünf Cents pro Tag und Person kosten. Ende 2011 waren noch acht Teams im Rennen.

Das Eawag-EOOS-Team setzt bei ihrem Modell auf die Separierung von Urin und Fäkalien – einer Technologie, an der an der Eawag schon seit Jahren geforscht wird. Da es jedoch bis anhin noch keine in allen Kulturkreisen und von allen Benutzerinnen und Benutzern akzeptierte Trenntoilette gab, musste ein neues Modell entwickelt und designt werden. Das Resultat: ein modernes Steh-Klo.

Neben einer  separaten Ableitung des Urins und einem raffinierten Geruchsverschluss setzt die „diversion“-Toilette als Besonderheit auch ein wenig Wasser ein, ungefähr ein bis anderthalb Liter pro Toilettenbenutzung. Für die Projektleitung ein entscheidender Vorteil bezüglich Reinigung des Klos, das Händewaschen und die von Muslimen und Hindus praktizierte Analhygiene mit Wasser. Und dies alles ohne Wasseranschluss, denn die Trenntoilette verfügt über einen geschlossenen Wasserkreislauf mit einer eigenen solarbetriebenden Mini-Kläranlage.

Neben der Toiletten-Technologie ist aber vor allem auch der Betrieb bzw. Logistik der Sanitäranlage entscheidend – und so könne das „diversion“-Klo „kostendeckend oder sogar mit Gewinn“ betrieben werden, sind die Entwickler überzeugt. Sie haben sich auch bereits zurecht gelegt, wie in semi-zentralen Behandlungsanlagen Urin und Fäkalien kontrolliert zu verkäuflichen Produkten verarbeitet werden können, zum Beispiel in Dünger und Biogas. So ist ein ganzes Businessmodell für die „diversion“-Toilette entstanden, eine Art Contracting: Ein einheimischer Unternehmer vermietet die Toiletten den Benutzerinnen und Benutzern, managt die Sammeltouren, betreibt die Behandlungs- und Aufbereitungsanlage und verkauft deren Produkte.

Das Preisgeld von 40‘000 US Dollar der „Bill and Melinda Gates Foundation“ ist jedoch noch kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Bis jetzt haben die Forscher zwar nachgewiesen, dass ihr System funktionieren könnte. Nun müssen echte Prototypen der Toilette gebaut und getestet werden. Das ist bis Ende 2013 geplant.

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Eawag

Bild: © Eawag

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