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Wissenschaftlerin der Eawag | © A. Todara, Eawag

Entdeckungen aus den Tiefen der Schweizer Seen

  • Cécile Villiger
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Forschende von der Eawag und ihre Partner haben Verborgenes aus den Tiefen der Schweizer Seen ans Tageslicht gebracht. So wurde unter anderem eine bereits für ausgestorben erklärte Fischart im Bodensee wiederentdeckt. Allerdings hat die allgemeine Vielfalt in den Tiefen abgenommen.

Während fünf Jahren haben Forschende der Eawag sowie ihre Partner von den Fachstellen des Bundes und der Kantone die Fischvielfalt in den alpennahen Seen untersucht. Über 70 Fischarten konnten dabei erfasst werden. Im grössten Teil der Seen sind allerdings die ehemaligen Tiefwasserfischarten verloren gegangen. So gibt es zum Beispiel im 197 Meter tiefen Zugersee unterhalb von 30 Metern kaum noch Fische. Die gute Nachricht ist: Im Bodensee wurden mehrere Exemplare des nur dort heimischen Tiefwassersaiblings (Salvelinus profundus) wiederentdeckt. Diese Art wurde 2008  für ausgestorben erklärt.

In Kläranlagen (ARA) treffen in verhältnismässig warmem Wasser Fäkalkeime auf viele andere Bakterien sowie einen Cocktail von Antibiotikarückständen und Schadstoffen. Unter diesen Bedingungen können Resistenzgene auf bisher antibiotikasensitive Arten oder auf Umweltbakterien übertragen werden. Mit dem gereinigten Abwasser gelangen resistente Bakterien auch in die Umwelt. Eine Studie der Eawag hat im Sediment des Genfersees vor Lausanne nachgewiesen, dass in der Nähe einer Einleitungsstelle Resistenzgene gehäuft auftreten. Auch für andere Gewässer ist der Einfluss des Abwassers nachweisbar. Das Gesundheitsrisiko durch diese Belastung ist sehr gering. Trotzdem plädieren die beteiligten Forscher dafür, beim Ausbau von ARA mit Reinigungsstufen gegen Mikroverunreinigungen gleichzeitig auch darauf zu achten, möglichst viele Antibiotikaresistenzen zu entfernen, bevor diese in die Umwelt gelangen.

Dass in Seesedimenten historische Informationen gespeichert sind – von den Pfahlbauern über das Auftreten von Schadstoffen bis zum Caesium-Niederschlag aus Tschernobyl – ist bekannt. Eawag Forschende haben mit einem 10 Meter langen Sedimentkern aus dem Murtensee aus den abgelagerten Informationen die Landnutzungsgeschichte rund um den See rekonstruiert. Um 100 v.Chr., zur Zeit als die Römer begannen, grossflächig Wald zu roden um den See, ist in den Sedimenten ein rasanter Wechsel zu erkennen: Innert kurzer Zeit wurde viel Boden in den See gespült und damit auch viele Nährstoffe. So war der Murtensee schon vor 2000 Jahren einmal überdüngt.

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