KernkraftwerkMühleberg

ENSI verweigert Zugang zu Messdaten

  • Nicole Wabersky
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Marco Bähler ist Strahlenschutz-Spezialist und sammelt seit Jahren Messdaten zu den radioaktiven Abgaben durch das Atomkraftwerk Mühleberg. Seine Messungen weisen zum Teil so massiv erhöhte Werte auf, dass sie aus seiner Sicht nicht mehr als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden können.

Einsicht in die Messdaten der AKW-Betreiber und des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI) wurde Bähler verweigert. Damit die Strahlenbelastung der Anwohner durch das AKW Mühleberg beurteilt werden kann, klagt er die Dateneinsicht nun beim Bundesverwaltungsgericht ein.

Der Strahlenschutz-Spezialist Marco Bähler verfolgt die Umweltemissionen durch Atomkraftwerke seit Jahren. Er hat sich für diese Aufgabe speziell weitergebildet und die dazu notwendigen, modernen Instrumente angeschafft. Radioaktive Emissionen in Luft und Wasser fallen in konzentrierter Form anlässlich der Revisionsarbeiten in einem Atomkraftwerk an. So auch bei Mühleberg.

Im Jahr 2012 erreichten Bählers Messwerte ein Ausmass, das ihm alles andere als harmlos schien. Radioaktive Strahlung kann die Gesundheit gefährden und Krebs auslösen. Dies belegen wissenschaftliche Studien zur Situation rund um die deutschen Atomkraftwerke. Weil das ENSI nur aufsummierte Jahreswerte veröffentlicht, ist die temporäre Abgabe in hohen Konzentrationen nicht abgebildet. Deshalb verlangte Marco Bähler beim ENSI erstmals Ende August 2012 Einsicht in die EMI-Daten am Hochkamin des AKW Mühleberg. Die EMI-Daten erfassen die Radioaktivität im 10-Minutentakt. Das Recht auf Einsicht in amtliche Dokumente steht nach Gesetz jeder Person zu. Doch das ENSI verweigerte den Zugang zu den Messdaten und berief sich auf ein Betriebsreglement – eine Vereinbarung zwischen Atomkraftwerkbetreibern und der Aufsichtsbehörde. Darin sind haarsträubende Abmachungen festgehalten:

  • Die Daten müssen vertraulich behandelt werden
  • Die EMI-Daten werden vom ENSI lediglich über einen Zeitraum von 30 Tagen aufbewahrt, danach werden sie gemäss ENSI gelöscht
  • Und besonders brisant: «Bei Abweichungen vom Normalwert über einen Zeitraum von Stunden (…) erfolgen durch das ENSI keine Rückfragen an die Betreiber»

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