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Ensi: Bevölkerungschutz wäre unangemessen

  • Eliane Küpfer
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Der Auftrag des Bundesrats war klar: Das Ensi sollte im Lichte des schweren Atomunfalls im japanischen Fukushima 2011 die behörd- lichen Unfallszenarien überprüfen. Es sollte geklärt werden, ob der gesetzlich vorgeschriebene Bevölkerungs- schutz auch bei einem schweren Atomunfall in der Schweiz funktioniert. Doch anstatt die behördlichen Unfallszenarien zu ergänzen, erklärt das Eidgenös- sische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) einen solchen Unfall schlicht als „so unwahrscheinlich“, dass der Aufwand für den Not- fallschutz der Bevölkerung „nicht mehr angemessen“ sei, schreiben die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) in einer Mitteilung.

Ein Ensi-internes Dokument gibt Auskunft darüber, was die Atom- aufsicht aus dem bundesrätlichen Auftrag gemacht hat. Darin schreibt das Ensi, bei der Notfallplanung für AKW-Unfälle sei „Augenmass“ zu halten, schreiben die AefU weiter. Einige der Szenarien für schwere Atomunfälle seien „so unwahrschein- lich“, dass der Aufwand für einen entsprechenden Notfallschutz der Bevölkerung „nicht mehr angemessen“ wäre. Berück- sichtigt werden müssten nur Atomunfälle, „die vernünftigerweise planbar“ seien. Unfälle wie in Fukushima lässt das Ensi daher einfach weg. Peinlich nur: das Ensi stützt sich dabei auf veraltete, internationale Vorgaben aus den Jahren 2007 und 2009.

Nach Fukushima aber hatten die drei Atomkommissionen des Bundes festgehalten, dass das Negieren des Vorkommens seltener Ereignisse nicht zulässig ist. Zum selben Schluss kommen laut AefU auch Mitarbeiter des renommierten deutschen Max Plank Instituts. Danach sein die Wahrscheinlichkeit für eine Kernschmelze in Kombination mit einem Containment-Versagen unterschätzt worden. Würde es zu einer ähnlichen Katastrophe wie in Fukushima in der Schweiz kommen, würden weite Teile der Schweiz  verseucht und wären für lange Zeit nicht mehr bewohnbar. Die AefU fordern, dass das Ensi das Versäumte nachholt und das Szenario eines extremen Atomunfalls aufnimmt.

Ein Kurzfilm zeigt, was uns erwarten würde, wenn ein Unfall wie in Fukushima in Mühleberg eintrifft:

Bild: Norbert Kaiser CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Weitere Informationen (PDF)

Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz

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