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Enorme Birnen-Vielfalt: 840 einzigartige Sorten in der Schweiz

  • Judith Schärer
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Forschende identifizierten mithilfe molekulargenetischer Analysen eine beeindruckende Anzahl von 840 einzigartigen, in der Schweiz heimischen Birnensorten. Eine attraktive Birne hat dabei gewisse Vorteile, schlussendlich sind es jedoch die inneren Werte, auf die es ankommt.

Agroscope hat die Vielfalt der einheimischen Birnen unter die Lupe genommen. Die optischen Variationen an Formen und Farben sind mannigfaltig; von kugelig grün und berostet bis perlförmig gelb oder orange mit dunkelroter Deckfarbe. Sogar eine gestreifte Birne ist im Inventar vertreten, die ‚Schweizerhose‘, deren Namen sich vom Beinkleid der Schweizergarde in Rom ableitet. Darüber hinaus kommt die aromatische Vielfalt der Früchte zum Tragen: von herb-süss bis säuerlich-spritzig, knackend oder schmelzend. Birnen besitzen oft sehr charakteristische Geschmacksnoten, welche an Zimt, Vanille, oder Muskat erinnern.

© Agroscope

Viele alte, landwirtschaftlich genutzte Kultursorten entsprechen allerdings nicht mehr den heutigen Bedürfnissen des Anbaus oder des Marktes. Der genetische Pool alter Sorten enthält jedoch eine Vielzahl an Eigenschaften, die es zu erhalten aber auch zu nutzen gilt. Die Erhaltung soll zukünftigen Generationen erlauben, auf diese Ressourcen zurückzugreifen, um damit auf veränderte Umweltbedingungen und Konsumbedürfnisse reagieren zu können. In einem Obstsorten-Inventarisierungsprojekt, welches bereits 2000 bis 2005  durchgeführt wurde, erfolgte deshalb eine umfangreiche Bestandsaufnahme der Birnensorten in der gesamten Schweiz. Seither werden sämtliche Sorten aus dem Nationalen Inventar in mehreren dezentralen Erhaltungs-Sammlungen abgesichert. Nebst der Erhaltung dieser ursprünglichen Vielfalt ist die Beschreibung der Sorten zudem die Grundlage für eine vermehrte Nutzung.

Regionale Birnen für regionale Spezialitäten

Zahlreiche alte Schweizer Birnensorten finden nur regionale Verbreitung und sind oft mit sehr langer Tradition verbunden. Als typisches Beispiel dieser Lokalsorten ist die Westschweizer Birnensorten ‚Poire-à-Botzi‘ aus dem Kanton Fribourg zu nennen, welche vornehmlich für die Herstellung des ‚vin cuit‘ verwendet wird. In der Deutschschweiz findet man eher Sorten wie ‚Wasserbirne‘, ‚Knollbirne‘ oder ‚Luzeiner Längler‘. Aus ihnen wird noch immer nach altem Hausrezept die Birnenmasse für Schlorzifladen, Birewegge und Birrebrot hergestellt. Produkte wie der Birehung und Birnel, die meist aus einer Assemblage der gängigsten Mostbirnen hergestellt werden, sind ebenfalls fest in der kulinarischen Geschichte der Schweiz verankert.

Alte Sorten für neue Produkte

Das Nutzungspotenzial der Schweizer Birnensorten ist aufgrund der vielseitigen Verwendungszwecke enorm. Bei der Entwicklung neuer Produkte kann, auch dank der Erhaltung der Sortenvielfalt in Sammlungen, nach wie vor auf eine grosse Fülle an Sorten zurückgegriffen werden. Dies widerspiegelt auch die kleine aber feine Auswahl an Nischen-Produkten wie Poiré, verschiedene Schaumweine und Birnen-Balsamico. Vielfach sind Birnen auch in Form von sortenreinen Obstsäften in den Produktregalen kleinerer Mostereien vertreten.

Krankheitsrobuste Sorten gesucht

Die einst weit verbreiteten Hochstamm-Sorten ‚Gelbmöstler‘ und ‚Wasserbirne‘ sind auch wegen ihrer hohen Krankheitsanfälligkeit immer seltener anzutreffen. Es wird fortlaufend nach robusten Alternativen gesucht. Die Forscher untersuchen dafür die Birnensorten aus dem Nationalen Inventar um eine möglicherweise vorhandene Robustheit gegenüber den gängigsten Krankheitserregern zu entdecken.

1 Kommentar

  • Georg Oeschger

    Falls Sie eine Krankheitsrobuste Birne suchen kann ich Ihnen die „Galter Wybeerli“ empfehlen.
    Absolut Schorf Resistenz. Eignet sich seit Jahrhundert zum dörren, gibt sehr guten Most. 6 Harassen gemischte Apfelsorten und 4 Harassen Wybeerli. Wenn sie dengt sind mosten. Beim Süssmost geniessen könnte man meinen im Paradies zu sein! Früher hatten die Leute damit den Weisswein gestreckt. In Galten habe ich vor 20 Jahren von einem alten Baum die Sorte retten können. Heute habe ich wieder 5 schöne Hochstammbirnbäume.
    Ein Juwel an dem ich grosse Freude habe!

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