Auch bei einem "Weiter wie bisher" müssen grosse Investitionen getätigt werden. Diese werden einfach erst später anfallen, wenn unsere AKWs nicht mehr betriebsfähig sind und zum Beispiel durch Gaskraftwerke ersetzt werden müssen. | © Membeth [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Auch bei einem "Weiter wie bisher" müssen grosse Investitionen getätigt werden. Diese werden einfach erst später anfallen, wenn unsere AKWs nicht mehr betriebsfähig sind und zum Beispiel durch Gaskraftwerke ersetzt werden müssen. | © Membeth [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Energiewende – Unabhängigkeit, Planungssicherheit und finanzielle Anreize

  • Mélanie Guillebeau
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Das Einläuten einer Energiewende – im Vergleich zum Festhalten an der bisherigen Energiepolitik – führt auf lange Sicht zu finanziellen Vorteilen, Unabhängigkeit von Importen fossiler Energieträger und Planungssicherheit bezüglich der anfallenden Kosten. Zu diesem Schluss kommt eine vor Kurzem veröffentlichte Studie von econcept.

Das Zürcher Forschungs- und Beratungsunternehmen econcept hat im Auftrag der schweizerischen Energie-Stiftung SES zwei Szenarien für die zukünftige gesamtschweizerische Energieversorgung durchgespielt: Zum Vergleich standen das Szenario „Weiter wie bisher“, sprich die Fortführung der momentanen Energiepolitik, und eine Energiewende, welche bei einem Abstimmungs-Ja zum Energiegesetz umgesetzt werden könnte. Ein zentraler Punkt der durchgeführten Analysen war dabei die langfristige Kostenentwicklung beider Szenarien bis 2050. Ebenfalls wurden volkswirtschaftliche und klimatische Auswirkungen im Detail betrachtet.

Energiewende zahlt sich ab 2033 auch finanziell aus

Fakt ist, dass unabhängig vom eingeschlagenen Szenario Mehrkosten anfallen werden. Bei einer Energiewende entstehen mehrheitlich zu Beginn Kosten aufgrund von Investitionen in erneuerbare Energien und Effizienzmassnahmen wie Gebäudeisolationen oder Mehrkosten für effizientere Fahrzeuge. Wenn wir stattdessen wie bisher weiterfahren, müssen weiterhin grosse Summen für den Import fossiler Energieträger aufgewendet werden. Ab 2020 wird zudem ein enormer Kostensprung erwartet, da zu diesem Zeitpunkt mit dem Bau neuer fossiler Kraftwerke als Ersatz für ein nicht mehr funktionsfähiges AKW gerechnet werden muss.

Bei einer Energiewende belaufen sich die Mehrkosten in den ersten Jahren auf maximal fünf Prozent im Vergleich zum „Weiter wie bisher“- Szenario. Gemäss dem erstellten Modell stellt das Jahr 2033 einen Wendepunkt dar: Die Einsparungen und die Kosten für Effizienzmassnahmen werden sich die Waage halten. In den folgenden Jahren wird eine Energiewende auch aus finanzieller Sicht Vorteile gegenüber dem „Weiter wie bisher“- Szenario mit sich ziehen. Halten wir hingegen an unserer aktuellen Energiepolitik fest, werden wir 2050 Mehrkosten von 11 Prozent gegenüber einer Energiewende tragen müssen.

Entwicklung der Gesamtkosten für die Bereitstellung der Energie und Energieeffizienz für die Szenarien "Weiter wie bisher" (REFERENZ) und Energiewende. | © Econcept "Kosten und weitere Auswirkungen energiepolitischer Szenarien", S.52
Entwicklung der Gesamtkosten für die Bereitstellung der Energie und Energieeffizienz für die Szenarien „Weiter wie bisher“ (Referenz) und Energiewende. | © Econcept „Kosten und weitere Auswirkungen energiepolitischer Szenarien“ (S.52)

Auf der sicheren Seite dank einer Energiewende

Ein grosser Minuspunkt bei der „Weiter wie bisher“- Strategie ist die Unberechenbarkeit der entstehenden Kosten. Denn dieses Szenario ist stark von der Preisentwicklung der fossilen Energieträger abhängig, die – wie die letzten Jahre bezeugen – starken Schwankungen unterliegen kann. Im Gegensatz dazu stehen die vergleichsweise klar berechenbaren Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Somit sind wir im Falle einer Energiewende gegen starke Kostenschwankungen und Planungsunsicherheit abgesichert. Hinzu kommt, dass wir bei einer Energiewende in Zukunft unsere Abhängigkeit von Importen fossiler Energieträger vermindern.

Wenn wir weiter auf fossile Energieträger setzen, bedeutet das zugleich eine Planungsunsicherheit und ein Pokern auf hoffentlich stabile Erdöl- und Gaspreise. | © jp26jp [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Wenn wir weiter auf fossile Energieträger setzen, bedeutet das zugleich eine Planungsunsicherheit aufgrund der schwer vorhersehbaren Erdöl- und Gaspreise. | © jp26jp [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

„Energiewende und Klimaschutz bilden ein sinnvolles Paket“

Auch für unser Klima birgt eine Energiewende Vorteile: So könnten bis 2050 durch den zunehmenden Verzicht auf Öl und Gas sowie einem vermehrten Umstieg auf Elektrofahrzeuge rund drei Viertel der Treibhausgasemissionen eingespart werden. Eine Fortführung und zukünftig womöglich Intensivierung der Nutzung fossiler Energieträger wird indes eine zunehmende Luftverschmutzung verursachen und Gesundheits-, Gebäude-, Ernte- und Biodiversitätsverluste herbeiführen. Zum einen müssen erhöhte Treibhausgasemissionen mit kostenintensiven Massnahmen kompensiert werden und zum anderen werden dadurch pro Jahr Umweltschadkosten von durchschnittlich rund 3.3 Milliarden Franken anfallen.

Über alle Punkte hinweg gesehen, ist eine Energiewende laut der Studie „zweckmässig“ und folglich wünschenswert. Nun sollte der Fokus auf die richtige Umsetzung und optimale Lenkung der Effizienzmassnahmen gesetzt werden. Ausserdem wird betont, dass die Mobilität eine „Schlüsselrolle für den Erfolg einer Energiewende spielt“ und vermehrt in die zukünftige Planung miteinbezogen werden sollte. Unter Berücksichtigung dieser Anliegen und einer intensivierten Nutzung von erneuerbaren Energien sollte einer Energiewende auch aus wirtschaftlicher Sicht nichts mehr im Wege stehen.

Weitere Informationen können Sie der vollständigen Studie „Kosten und weitere Auswirkungen energiepolitischer Szenarien“ von econcept entnehmen (Autoren: Beat Meier, Christian Vogler, Fabienne Habermacher, Stefan von Grünigen und Stephanie Bade).

1 Kommentar

  • Dominik Scheiber

    Dies ist ein sehr wichtiger Artikel, den er schafft Klarheit, dass die geringen Mehrkosten in den nächsten Jahren, langfristig günstiger sind als das „Weiter-wie-bisher-Szenario“. Das ist das beste Argument gegen die Gegenkampagne.
    Im Allgemeinen ist es aber bereits jetzt eine Schande für die Schweiz, dass gemäss den Umfragen nur eine knappe Mehrheit Ja sagen will am 21. Mai. Die Befürworter sind einfach zu lahm in ihrer Argumentation, um zu überzeugen.

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