© Guido [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Energiestrategie 2050: Nur halber Atomausstieg?

  • Roman Vonwil
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Im Namen von 38 atomkritischen Organisationen der Schweiz macht die Allianz Atomausstieg auf die drohende Verwässerung des ursprünglich vom Bundesrat auf 2034 vorgesehenen Atomausstiegs aufmerksam. Sowohl aus sicherheitsfokussierter Sicht zum Wohl der Bevölkerung wie auch aus energiepolitischen Überlegungen plädieren die Organisationen für die Einführung verbindlicher Laufzeitbefristungen bei den heutigen AKW.

Nach der Katastrophe von Fukushima haben Bundesrat und Parlament den Atomausstieg der Schweiz beschlossen. Angestrebt war ein schrittweiser Atomausstieg mit Limitierung der Laufzeiten für die Schweizer AKW bei 50 Jahren, was eine Ausserbetriebnahme des zuletzt gebauten Schweizer AKW (Leibstadt) Ende 2034 bedeuten würde. Mit den Vorschlägen der Energiekommission des Nationalrates und gezielten Änderungsanträgen von bürgerlichen Parteien drohen die Bestrebungen für einen rechtzeitigen und sicheren Atomausstieg jedoch zur Farce zu werden.

Jürg Buri, Präsident der Allianz Atomausstieg, kritisiert die gravierenden und grundsätzlich nicht ausgeräumten Mängel in der heutigen Kernenergiegesetzgebung (KEG). Auch wenn das von der nationalrätlichen Energiekommission vorgeschlagenen Langzeitbetriebskonzept eine Verbesserung gegenüber der bundesrätlichen Vorlage darstelle, sei das noch lange kein tatsächlicher Atomausstieg: «Mit der Möglichkeit, die Betriebszeiten alle zehn Jahre um weitere zehn zu verlängern, rückt der Atomausstieg in weite Ferne. Die altersbedingten Unfallrisiken nehmen nicht ab.» Und selbst diese minimale Logik werde von den AKW-Betreibern bekämpft.

Die alterungsbedingten Risiken der Schweizer AKW sind beträchtlich, wie Sabine von Stockar, Atomexpertin bei der Schweizer Energiestiftung, aufzeigt: «Bei einem AKW ist der Alterungseffekt viel drastischer als bei einer anderen industriellen Anlage. Das Material und die Komponenten sind nicht nur hohem Druck und Temperaturen ausgesetzt, sondern ebenfalls einer hohen radioaktiven Belastung.» In der Schweiz werde mit Beznau I der weltweit älteste Reaktor betrieben. Nachrüstungen würden hier nur teilweise eine Verbesserung der Sicherheit verschaffen. «Das einzige, das uns vor Unfällen sichert, ist eine rechtzeitige Abschaltung», so von Stockar.

Kaspar Schuler, Geschäftsleiter der Allianz Atomausstieg, betont den Nutzen der geforderten Laufzeitbeschränkungen: «Wird das Maximalalter der AKW durch eine Laufzeitbeschränkung verbindlich terminiert und werden diese schrittweise vom Netz genommen, entsteht Planungs- und Investitionssicherheit. Alle Akteure wissen, bis wann welche Produktionsmengen an Strom zu ersetzen sind. Es muss weder zuviel Förderung bei den erneuerbaren Energien noch ein Übermass an Natureingriffen vorgesehen werden.»

Die Allianz Atomausstieg appelliert deshalb an die Nationalrätinnen und Nationalräte, die bereits Ende 2012 eingereichte Volksinitiative für einen geordneten Atomausstieg zu bejahen, die immerhin eine Laufzeitbeschränkung von 45 Jahren einführen will. Zumindest sei ein Minderheitsantrag der Energiekommission des Nationalrates anzunehmen, der eine Befristung der Laufzeiten für die 3 ältesten AKW der Schweiz bei 50 Jahren vorgibt.

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