Honigbiene

Emanzipation von der Honigbiene

  • Nora Kieselbach
  • -

Wie der Informationsdienst Wissenschaft idw aktuell mitteilt, sind die Landwirte mehr und mehr von der Honigbiene abhängig. Der Grund: Mit wachsender Entfernung der Felder zu naturbelassenen Flächen – welche bekanntlich immer seltener werden – verringert sich die Vielfalt anderer Bestäuber dramatisch, welche somit als Alternative zur Honigbiene ausfallen. Ackerbohne, Blaubeere, Kirsche, Mandel oder Raps sind jedoch zwingend auf Insektenbestäubung angewiesen: Sie bilden sonst weniger oder sogar gar keine Früchte.

Zwei internationale Studien unter Federführung der Leuphana Universität Lüneburg zeigen: Je grösser der Abstand zwischen den naturbelassenen Flächen und den zu bestäubenden Pflanzen, desto seltener werden sie von Hummeln, Käfern oder Wildbienen besucht. Im Schnitt sinkt die Artenzahl in einer Entfernung von einem Kilometer zum nächsten Naturhabitat um mehr als ein Drittel, denn die meisten wildlebenden Blütenbesucher fühlen sich in artenreichen Biotopen am wohlsten. Ausserdem ist ihr Aktionsradius oft eingeschränkt; ein Grossteil der Bestäuber entfernt sich selten weiter als einen Kilometer von ihren Nestern.

Die Honigbiene ist der mit Abstand wichtigste Bestäuber in der Landwirtschaft. Laut der zitierten Studien stellt sie nämlich rund 50 Prozent aller Blütenbesucher. Honigbienen lassen sich zudem leicht in grossen Kolonien halten – ein Umstand, denn sich manche Landwirte zu Nutze machen, indem sie Imker bitten, ihre Bienenstöcke gezielt in den Feldern zu platzieren.

Fällt nun aber aus irgendeinem Grund auch die Honigbiene als Bestäuber aus, steht die Landwirtschaft vor einem Problem…und ganz unwahrscheinlich ist dieses Szenario nicht. So sind Honigbienen unter anderem wasserscheu und fliegen kaum bei Regenwetter; ausserdem können Krankheitserreger wie die Varroamilbe mitunter ganze Bienenvölker dahin raffen.

Landwirte tun daher gut daran, in ihren Plantagen und Ackerflächen Platz für naturbelassene Inseln frei zu lassen: so könnten sie sich – zumindest ein Stück weit – von der Honigbiene „emanzipieren“ und ihr Betriebsrisiko minimieren, so die Forscher. Allerdings dürfen diese Inseln nicht zu klein sein, denn nur wenn viel natürliches Habitat um die Pflanzungen liegt, konnte eine Erhöhung des Fruchtansatzes festgestellt werden. „Diese fällt sogar noch grösser aus, wenn die Plantagen nach ökologischen Richtlinien bewirtschaftet werden.“

Weitere Infomationen

Bild: Jean-Luc, 2005 (Wikimedia Commons)

Beitrag kommentieren