Auerhuhn | © Farbror [CC-BY-SA-3.0], via wikimedia commons
Auerhuhn | © Farbror [CC-BY-SA-3.0], via wikimedia commons

Auerhuhn-Population durch Windpark bedroht

  • Judith Schärer
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Verschiedene Organisationen haben den ausgeschriebenen Nutzungsplan des geplanten Windparks genau analysiert. Sie sind zum Schluss gekommen, dass das Projekt zu grosse Auswirkungen auf die Natur und die Landschaft hätte und der Standort demnach für die Erstellung eines Windparks ungeeignet ist. 

Das geplante Projekt auf einem Höhenzug östlich des Mollendruz-Passes im Kanton Waadt sieht einen Windpark mit zwölf Windturbinen vor. Zusammen mit den Gemeinden Mont-la-Ville, Juriens, La Praz, Vaulion und der Stadt Yverdon-les-Bains plant ewz das Vorhaben. Nun haben verschiedene Vereinigungen wie BirdLife Schweiz, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Helvetia Nostra und ProNatura das Projekt analysiert und sind zum Schluss gekommen, dass der Windpark erhebliche Auswirkungen auf die Tierwelt und die Landschaft hätte. Diese Abschätzung führte die Organisationen dazu, Einsprache zu erheben.

Bedrohte Flora und Fauna

Die Auswirkungen des Windparks würden unter anderem zwei wichtige Auerhuhn-Populationen betreffen, eine der am stärksten bedrohten Vogelarten der Schweiz. Der betroffene Abschnitt des Passes liegt in einem wichtigen potentiellen Verbeitungsgebiet der Vögel. Auch weitere bedrohte Vogelarten wie die Waldschnepfe oder die Heidelerche kommen in diesem Gebiet vor. Diese Tatsache spricht dagegen, eine solche Installation auf dem Mollendruz einzurichten.

Zudem wären ebenfalls Trockenwiesen und Felsformationen von grossem botanischen und insektenkundlichem Wert stark betroffen. Der Bau der Anlage würde Rodungsarbeiten auf einer Fläche von 60’ooo Quadratmeter bedeuten, zudem würden ein 2,7 km langes neues Strassennetz und eine Ausweitung des Schienennetzes notwendig. Alle diese Eingriffe würden in einem natürlichen und landwirtschaftlich intakten Gebiet erfolgen. Die Turbinen wären in einem grossen Umkreis sichtbar und würden das allgemeine Landschaftsbild enorm prägen.

Interessenskonflikt

Der Interessenkonflikt besteht also zwischen der Energiegewinnung durch die Windturbinen und dem negativen Einfluss auf die Natur. Aus Sicht der überprüfenden Stellen überwiegen ganz klar die negativen Einflüsse auf Flora und Fauna über den Nutzen der gewonnenen Energie. Wie François Turrian, Direktor des ASPO (BirdLife Romandie) sagt, sehen sich die Organisationen deshalb gezwungen, Rekurs einzulegen.

2 Kommentare

  • Judith Schärer

    Auf Nachfrage beim SVS habe ich erfahren, dass die Auerhühner an den zwei Endgebieten des Parksprojekts (SW und NE) leben. Das Gebiet dazwischen hat einen potenziellen – aber signifikanten – Wert als Korridor für die Art. Gemäss dem Aktionsplan Auerhuhn sind die betroffenen Flächen speziell geeignete Lebensräume für das Auerhuhn und somit Flächen, wo sie in Zukunft mit grosser Wahrscheinlichkeit leben könnten.
    Natürlich gilt immer abzuschätzen, welche Nutzung eines Gebietes den grösseren Mehrwert bringt… Und aus Prinzip einfach alle Windkraftwerke abzulehnen, ist sicher nicht richtig. Die betreffende Fläche scheint aber tatsächlich ein sehr wertvoller Rückzugsort für viele Arten zu sein (z.B. Waldschnepfen und Heidelerchen). Vielleicht findet man ja eine Fläche, wo die Einbussen nicht ganz so gross wären. Denn ein Umdenken in der Energiebranche ist definitiv angebracht, wie Sie bereits angemerkt haben!

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  • Sybille Grolimund

    Der Passabschnitt ist also nur ein „potentielles“ Verbreitungsgebiet – sprich die Vögel kommen dort noch gar nicht vor?
    Wie auch immer, wir kommen in der Energiewende nicht vom Fleck, wenn jedes Windparkprojekt boykottiert wird. Natürlich muss die Artenvielfalt geschützt werden, aber wenn wir die Atomkraft nicht ersetzen können, wird dies längerfristig die viel grösseren Konsequenzen für Mensch und Tier haben!

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