© pjt56 (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
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Einheimische Wanzen greifen bisher verschonte Kulturen an

  • Nicole Wabersky
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Seit ungefähr zehn Jahren stellen pflanzenfressende Wanzen in Europa ein zunehmendes Problem dar. Die gepunktete Nesselwanze Liocoris tripustulatus, die auf Brennnesseln sehr verbreitet ist, befällt nun auch Erdbeeren im gedeckten Anbau und verursacht schwerwiegende Schäden.

Pflanzenfressende Wanzen haben einen zunehmenden Einfluss auf die landwirtschaftliche Produktion in ganz Mitteleuropa. Gewisse exotische Arten konnten sich dank Klimawandel oder als Folge ungewollter Einfuhren in unseren Gegenden verbreiten.

Die grüne Reiswanze Nezara viridula kam schrittweise aus dem Mittelmeerraum und die aus China stammende, marmorierte Baumwanze Halyomorpha halys ist auf gutem Weg, sich auf unserem Kontinent zu verbreiten.

Es kommt vor, dass einheimische Wanzen, die bisher
keinen nennenswerten Einfluss auf die
landwirtschaftliche Produktion hatten, plötzlich zu
gefürchteten Schädlingen werden. Lygus rugulipennis ist eine Wanzenart, die hauptsächlich in Wiesen vorkommt, die reich an Leguminosen sind. Sie verursacht heute schwerwiegende Ernteverluste in verschiedenen Kulturen, insbesondere bei Erdbeeren und Auberginen.

Die Ursache für das Übergreifen auf bisher verschonte Kulturen ist schwierig zu bestimmen. Eine Rolle spielen sicherlich Veränderungen der lokalen Umweltbedingungen, der Anbautechniken oder des Anbaukalenders.

Im Laufe der letzten Jahre stellten verschiedene Erdbeerproduzenten im Genferseegebiet Veränderungen auf den Erdbeeren in ihren Gewächshäusern fest. Diese deuteten auf die Aktivität einer ihnen unbekannten Wanzenart hin. Es stellte sich heraus, dass es sich um die Art Liocoris tripustulatus handelte. Zu dieser Wanze existieren kaum wissenschaftliche Veröffentlichungen, denn man ging bisher davon aus, dass sie nur auf Brennnesseln vorkommt.

Angesichts der wirtschaftlichen Schäden, die dieser Schädling verursacht, wurden bei Agroscope im Jahre 2013 entsprechende Forschungsarbeiten eingeleitet. Die biologischen Eigenschaften, die Phänologie und die sinnvolle Kontrolle der Population von L. tripustulatus sind Gegenstand einer laufenden Diplomarbeit.

Die derzeitigen Bekämpfungsversuche von Agroscope werden in einer kommerziellen Erdbeeranlage in der Region Genf durchgeführt. Sie basieren auf dem Prinzip der „Fangpflanzen“, die bereits für Lygus entwickelt wurden. Ziel ist es, die schädlichen Wanzen auf Pflanzen zu locken, die sie besonders mögen, und diese Pflanzen dann mit einem Insektizid zu behandeln, damit die Schädlinge gar nicht in die zu schützende Kultur eindringen können.

Im Falle von Liocoris dienten die Grosse Brennnessel und die Luzerne als Fangpflanzen. Diese wurden in den unproduktiven Flächen zwischen den Gewächshäusern angelegt. Die ersten Auswertungen der Ergebnisse werden gegen Ende Sommer erwartet und sollen zeigen, ob die Anwendung dieser Bekämpfungsmethode in der Praxis erfolgreich ist.

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